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Samstag, 11. Januar 2014

Essen fassen


Ein Artikel über den Rezeptewettkampf und ein kleiner Einblick über die Essenkultur Kameruns.


Ich habe mir den Rezeptewettkampf als witziges kleines Spiel gedacht. Erstens kriegen wir ein paar neue Ideen, was wir zusammen in unserer kleinen Küche kochen können und zweitens halte ich euch damit ein bisschen am Ball, ihr wollt ja schließlich eine Antwort, ob es geschmeckt hat und guckt dafür regelmäßig bei meinem Blog vorbei. (Nicht schlecht Max, denken sich die erstaunten Leser nun.)

Also Danke für euer am Ballbleiben, wir haben doch einige Rezepte gekocht, einige vielleicht verworfen, weil nicht möglich oder zu teuer (Olivenöl kostet hier gut 15€ der halbe Liter). Die Ausprobierten stehen jetzt stolz in unserem Rezeptebuch, welches schon von einigen Mittfreiwilligen kopiert und abgeschrieben wurde.

Also schön Chronologisch:

Alles-Pesto

by Fritz

Gebe ein Drittel von Allem, mit einem Drittel Öl und einem Drittel Nüssen und wenn möglich einem Drittel Hartkäse in einen Mixer und schon liegt ein leckeres Pesto fertig auf dem Tisch.
Die Idee ist so simpel und doch so lecker, hätten wir doch nur einen Mixer. Ein Mixerersatz lässt sich finden: ein flacher Stein mit einem Mahlstein ergibt einen guten Mörser, so wie hier Traditionell alles gemörsert wird. Also erst Erdnüsse eine halbe Stunde mörsern, dann die riesige Sauerei auf sich nehmen und den Drittel „Alles“ und ordentlich Knoblauch matschig mörsern, nochmal gut eine halbe Stunde. „Schon“ steht ein kleines Gläschen Pesto vor dir, du futterst es auch gleich auf um den Kalorienhaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Mit Muskeln aus Stahl gehst du um sieben Uhr ins Bett und wachst mit starken Muskelkater wieder auf, leider ist kein Pesto mehr übrig.



Ein bisschen Ironie soll sein, und ohne Mixer ist das Pesto doch nicht so simpel, trotzdem lecker!
Wir haben mittlerweile schon Basilikum, Petersilie und Tomate mit Erdnuss und Palmöl und Basilikum mit Erdnüssen und Olivenöl (extra für Weihnachten) bereitet, himmlisch. Wenn wir uns dann doch mal einen neuen Mixer zulegen sollten, steht Pesto aber öfters ganz oben!

Großer Kartoffelkuchen mit Kohl 

by Olivia

Alias, angebratener Kartoffelbrei mit Kohl. Da wir hier keine Waage oder Messbecher haben, haben wir alles einfach nach Augenmaß in einer großen Schüssel gemixt. Es sah so gut aus, bis ich versuchte den Kuchen zu wenden, ungefähr in der Zeit in der eine jede Mami sich entscheidet aus Pfannkuchen Kaiserschmarrn zu machen, entschied ich, daraus werden improvisierte Prinzessinnenkartöffelchen. Also wurde der Kartoffelbrei einfach schön von allen Seiten angebraten und schließlich mit etwas roter Beete angerichtet: lecker! Laura konnte kaum genug kriegen und ich wanderte eher mit einem Fußball im Bauch ins Bett, ich hatte zuviel von diesem tollen Küchlein gegessen. Da ein Kohlkopf meist zu groß ist, machen wir am ersten Tag den Kartoffelkuchen, am zweiten dann noch eine Kohlsuppe hinterher, also perfekt vom Kalorienverhälntis her.



Vor einer Sache graut es mir und den Kartoffeln jedoch: dem Schälen. Danach ahnt kaum jemand, das die Kartoffeln einmal rund waren, und ich mal Finger hatte. Mit dem Sparschäler von Mama geht es jetzt ökonomischer und ich schneide meine Finger Scheibchenweiße.

Der Kartoffelkuchen ist lecker und deftig, zu empfehlen!

Kohlsuppe 

by Lauras Mami

Zwiebeln andünsten, Wasser hinzu, kleingeschnippelten Kohl hinzu, köcheln lassen, Tomaten und Tomatenmark, Chili und ein bisschen Gemüsebrühe. Dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde, wird aber über Tage gegessen. Total lecker, der Kohlgeschmack kommt heraus, kräftiger Tomatengeschmack und eine leichte Schärfe. Besonders gut schmeckt die Kohlsuppe, wenn sie einen Tag ziehen durfte, der Knoblauch kommt heraus und die Suppe schmeckt noch intensiver. Die Suppe wird entweder so oder, was auch echt lecker ist, mit Süßkartoffeln gegessen. Lauras Lieblingsspeiße.


Maispuffer 

by Julia

„Wie Kartoffelpuffer nur eben mit Mais“, ganz einfach und der Traum! Mais mit Eier und Mehl vermengen und in Öl langsam braten lassen, klasse. Dosenmais ist hier war verdammt teuer, aber der Leckerbissen hat sich gelohnt.
Ich weiß nicht, wieso ich das all die Jahre in Deutschland nie ausprobiert habe?

Bananencurry / Ananascurry 

by Julia

Curry, Curry, Curry. Gabs bei meiner Familie in den unterschiedlichsten Varianten ungefähr jede Woche, troztdem hatte ich die Tradition abgelegt und es hier noch nie Probiert. Bis jetzt wurden alle gemachten Currys mit Ananas statt Bananen zubereitet, Lauri mag keine Bananen in ihrem Essen (mehr dazu bei den Plantains), das Erste war ein Experiment mit Schmelzkäse, das Zweite wurde hoch gelobt, das dritte von Kamerunern verschmäht und das Vierte begeisterte sogar eine Mami.

Im Prinzip sind wir immer wie folgt vorgegangen: Zwiebeln andünsten und Reis aufsetzten, Kokusmilch und Wasser hinzu, alle Arten von Gemüse hinzu und Currypulver, köcheln lassen, Ananas hinzu und auftischen.
Das einzig „komplizierte“ an dem Curry ist halt die Schnippelarbeit, Karrotten, Bohnen, Erbsen, Paprika, Ananas, Kokusnuss, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch müssen, gerade weil frisch vom Felde, gut gewaschen, geschält und sonstwas mit gemacht werden.
TJ (Thomas James) aus Amerika sagte, das sei eins der besten Gerichte, die er je gegessen hat, kompliment geht an Julia.
Die drei Kameruner, die dieses Gericht eher nicht mochten, konnten sich gar nicht vorstellen, Ananass in eine Suppe zu machen und fragten uns, ob wir in Deutschland immer ohne Salz kochen. Ananas wird hier eher roh gegessen oder zu Säften verarbeitet, mit dem Curry werden sie nicht glücklich, für uns war dann schließlich aber mehr da.

Sushi 

by Marie

Den ein oder anderen Tag hat man doch einmal zu viel übrig, ich gebs zu, eigentlich immer. Laura und ich sind es noch nicht gewohnt nur für zwei kleine Mägen zu kochen und es war noch ein riesiger Topf Reis übrig. Also alles nochmal mit Essig köcheln, damit ALLES klebt, Avocado geschnitten und die Sushis in Sesam gewälzt. Etwas Soyasoße haben die Vorfreiwilligen extra für dieses Sushi übriggelassen und so wurden die Sushis von uns beiden dann dank fehlendem chinesischem Zubehör mit den Händen gegessen. Es waren dann eher Avocado-Reis-Bällchen und der Reis war auch nicht besonders gut und die Platte ging im Endeffekt eher wegen unserem riesigen Hunger leer. Wir schaffen es einfach nicht richtigen Sushireis zu kochen, Rundkornreis habe ich hier noch nicht gesehen, Reisessig ebenso, zu Algenblätter sage ich mal nichts und Fisch gibt es hier auch eher in der Tiefkühlvariante. In Deutschland ist das einfach, weil Sushi so beliebt geworden ist, hier räume ich Platz für andere Gerichte. Ein Eintrag ins Rezeptebuch hat es trotzdem verdient.

Spaghetti mit Tomatensoße

by Daniela

Der Klassiker, man kocht Spaghetti und in die Soße kommt alles, was man so da hat


Weitere Ernennenswerte Gerichte:

Selfmade Pommes und Ketchup


Alles schnippeln, kochen und frittieren. Lecker und eine Menge zum Aufspülen, also von wegen Fastfood!

Auberginenburger


Brot, Scheibe Aubergine, Tomate, Karotte, Selfmade-Ketchup, Mayo, Brot. Der Burger ist fertig. Wieder eine Menge Arbeit, besonders das Panieren der Auberginenscheibchen. Trotzdem ein Genuss!

Pfannkuchen


Auch ohne Milch machbar und perfekt für den Morgen ohne Brot.
Variante: Pfannkuchentorte mit Schokocreme-Bananen-Schichten, verspätet zu Lauras 20.

Obstsalat


Was liegt näher, wenn man hier so viele leckere und vorallem süße Früchte bekommt? Trotzdem brauchten wir gut drei Monate für unseren ersten Fruchsalat. Papaya und Ananas schmecken hier viel intensiver, weil sie eben erst gepflückt werden, wenn sie Reif sind, Orangen sind grün und Äpfel schweineteuer.




Bunter Salat

Uns wurde geraten kein Salat in Kamerun zu Essen, da der Feldsalat eben gedüngt wird und dieser eine so große Oberfläche hat, man bekömme die Bakterien und Würmer und Amöben und was weiß ich niemals gründlich ab.
Also steigen wir wieder um zum Kohl, Rot- und Weiß-, der ist nämlich völlig unbedenklich essbar.
Unser bunter Salat bestand also aus: Weißkohl, Rotkohl, Karotten, Tomaten, Avocado, Zwiebeln und einem Grünzeug ähnlich Löwenzahn, ganz intensiv ähnlich Rucola im Geschmack, und Eier als Topping. Als Dressing gab es, gesponsort von deutschen Freunden hier in Bali, ein Mix aus Olivenöl, Senf, Joghurt, Essig, Knoblauch, Zwiebeln. Leckerererererer!


Krautsalat


Jeweils ein Teil Essig, Wasser und Zucker aufkochen und über feinen Kraut gießen. Ziehen und abkühlen lassen, fertig. Tausendmal besser als der aus dem Plastikquadrat! Probierts selbst.

Pfannenbrot – Chapati – Naan – Mehlmitwassermix


Drei Teile Mehl, ein Teil Wasser, Salz, kneten. In einer heißen Pfanne backen, ein Kinderspiel. Soll ein Pfannenbrot oder Brötchen daraus werden Hefe dazu und eine halbe Stunde warten. Ich liebe diese „Ich-Mixe-Mehl-Mit-Wasser“ Brote, jedesmal kommt etwas anderes dabei raus, schmecken tun sie immer, auch wenn die Gasflasche beim Backen ausgeht.

Süßkartoffeln

Süßkartoffeln können alles, was normale Kartoffeln auch können, Süßkartoffelbrei, Süßpommes, Süßbratkartoffeln.



Njama-Njama Semmelknödel


Nach einem Rezept für Spinatsemmlknödel, gekocht mit den Brot-für-die-Welt-Freiwilligen aus Bamenda, und gegessen mit den Händen.

Kuchen


So ganz ohne Butter, Eier und Milch, kein Problem, der Zitronenkuchen wurde verschlungen.


Soviel europäisch-internationale Küche in dem kleinen Fleck Bali, da kommt der Absatz über die Essenskultur über unsere Küche hinweg ja fast zu kurz.

Die Küche Kameruns


Ich war in meinem ersten Monat sauer, als ich in einem Reiseführer lesen musste, das kamerunische Essen sei eher praktisch als lecker. Und eines stimmt: eine Mahlzeit ist zum sattwerden da. Es werden riesige Portionen Reis, ein riesiger Haufen Nudeln und gigantische Klöpse von Jams aufgetischt. Nach dem Essen soll man gestärkt sein, darum gibt es viele Kohlenhydrate und fettige Soßen. Und meine ersten Wochen war ich in diesen neuen Geschmäckern verliebt, es gab jeden Tag etwas anderes, jede Soße war anders, jede Mami bereitet sie anders zu, es gab soviel auszuprobieren.

Auch wenn ich nicht sagen möchte, ich habe alles gegessen, was es hier gibt, aber nach meinen vier Monaten habe ich größenteil doch fast alles einmal kosten dürfen.
Es gibt immer Gerichte, die schmecken dem ein oder anderen nicht, Taro mit Yellowsoup (Gelbe Suppe), eine graue Paste aus einer Jamswurzel und eine gelbe Suppe. Vom Geschmack her assoziiere ich dieses Gericht immer mit feuchten Beton und seinem Anstrich. Nein, das mag meine Zunge nicht gerne, auch „Water Fufu“ und Aero sind mit mir noch nicht ganz auf einer Wellenlänge.

Die restlichen Gerichte aber: lecker! In Fufu Corn mit Njama Njama könnte ich mich reinlegen, Poffpoff mit Red Beans wird gut zweimal wöchentlich gegessen und Jam mit Ndole ist immer wieder gern gesehen.

Was es immer gibt ist Reis mit Soße und Bohnen, das „einfachste“ Gericht und doch sehr lecker. Für 150 CFA werde ich satt und habe nebenbei etwas echt leckeres gegessen, eine ölige Tomatensoße, Erdnusssoße oder oder oder, und schwarzen Bohnen oben drauf, wer etwas mehr Geld hinlegt, bekommt ausserdem noch ein paar Spaghetti und Fleisch dazu.
Johan (li.) mit Yellow Yams und Ndole, Carlo mit Plantain und Ndole, Laura mit Spaghetti und Red Stew in unserem Lieblingsrestaurant

Das ist dann die nächste Preisklasse, Spaghetti mit Soße und Bohnen. Spaghetti gibt es hier wohl noch nicht allzu lange und sind deshalb relativ teuer, die Kinder lieben Spaghetti, die Erwachsenen essen es gerne als Spaghettiomelette im Brot von der Straße.

Die teureren Gerichte, für ungefähr einen Euro, also 700 CFA, sind Fufu Corn mit Njama Njama, Ndole mit Jam oder gegrillter Fisch mit Plantain.

Fufu was? Fufu heißt übersetzt „weiß“. Fufu Corn ist ein fester Maisbrei (engl. Corn = Mais), der mit den Fingern zu kleinen Kugeln oder einem Löffel geformt wird um dann die Beilage oder die Soße damit zu greifen und zusammen zum Mund zu führen. Fufu Corn und Njama Njama: Das Gefühl einfach mal mit den Fingern zu essen, das intensiv schmeckende, spinatähnliche Njama Njama, und die Kombination machen dieses tolle Gericht aus, unbedingt probieren, wenn in Kamerun! Besonders die Northwest-Region ist bekannt für ihr gutes Fufu Corn mit Njama Njama, mein Glück.

Die Powernahrung für hart arbeitende Menschen ist Conchaff. Im Prinzip Mais mit Bohnen, lange lange weich gekocht und mit verschiedenen Gewürzen schmackhaft gemacht.

Ndolé ist geschnippelte Bitterleaves mit Egussi, Bitterblätter mit einem Kern, der aussieht wie ein Kürbiskern, hat einen leicht bitteren geschmack und wird meist mit getrocknetem Fisch zubereitet. Ndole schwimmt auch im Fett, ist aber lecker lecker lecker. Oder gerade deswegen?


Abends, wenn es dann dunkel wird eröffnen die Mamis und Papis ihre Essenstände.
Es gibt Fisch, Fleischspießchen (genannt Soya), Poffpoffs, frittiertes Hühnchen und andere Leckereien.

Besonders in Douala, Yaounde und Kribi sieht man sie überall: die Mamis wedeln mit Plastiktellern das Feuer an um den Fisch schön kross zu grillen. Dabei wird der Fisch immer wieder mit einer leckeren Marinade bepinselt, es zischt und riecht lecker nach meinem nächsten Mahl. Angerichtet wird der Fisch meist mit zwei Soßen, einem grünen Pesto und einem scharfen Chilipesto, und frittierten Kochbananen oder Manioksticks (Kennt ihr die Tapiokabällchen vom Bubbletea? Die sind auch aus Maniok, Manioksticks haben eine ähnliche Konsistenz, schmecken aber sauer und riechen nach etwas Abgelaufenem, die Leute hier bringen sie besonders gerne als Reisegeschenk mit, wieso nur?)

Dann die Poffpoff und Beans, frittierte Teigbällchen und rote Bohnen, ein Traum. Wir bestellen meist Poffpoff für 100 CFA, also vier Bällchen, und Bohnen für 50 CFA. Max ist damit satt und glücklich.

Getrunken wird zu einem guten Essen Bier oder ein Softdrink wie Fanta oder Cola, auch Palmwein wird besonders in der North-West-Region gerne zum Essen aber auch solo getrunken.

Es gibt eine große Reichweite an Gerichen, das „Lovemeal“ wird als Liebesbeweis gekocht, weil es soviel Arbeit macht, es zuzubereiten, Kohl mit Egussi Soße, Soße hier Soße dort und wenn möglich immer mit Fleisch!

Zurzeit werden frittierte Graßhüpfer angeboten, ungewohnt aber ein netter Snack.

Erzähl mir einer mal, das Essen sei eher praktisch als lecker.

Wie wird hier denn eigentlich gekocht? Danke für die Frage, liebe Leserinnen und Leser, mir fiel keine bessere Überleitung ein.

Antwort: Feuer. Besonders in den eher ländlichen Gegenden werden die Rohstoffe genutzt, die vorhanden sind. Und Holz wächst hier wie Sand am Meer, kein Wunder bei dem fruchtbaren Boden und dem regelmäßigen Regen. Die meisten Familien, die zusammen in einem Grundstück wohnen, besitzen eine oder mehrere Firekitchen, ein Raum, stilecht in Rußschwarz gehalten, in dem gekocht wird, mit Feuer. Dazu werden drei große schwere Steine nah zusammengestellt und in dem Zwischenraum ein Feuer entfacht, auf den Steinen werden die riesigen Töpfe gestellt und innerhalb von zehn Minuten sind 50 Liter Wasser gekocht. Da ein Familienmitglied meist für den ganzen Tag und die ganze Familie kocht, ist das Feuer einfach die beste Wahl. Es brennt den ganzen Tag, hat eine starke Hitze und lässt sich beliebig klein und groß für kleine und große Töpfe anschüren. Die Alternative ist hier dann noch die Gasflamme mitsamt Gasflasche. Teuer, eine Gasflasche kostet gut 50€ an Pfand und weitere zehn Euro per Füllung. Gas ist gefährlicher und niemand weiß, wann die Gasflasche leer geht, eine eher unzuverlässige Lösung also. Drittens dann der Grill, Kohle und ein Rost, perfekt für die Fleischspießchen und gegrillten Fische, aber doch teuerer als trockenes Holz.
Elektroherde werden, meines Ermessens nach, hier einfach wegen dem hohen Stromverbrauch und dem unzuverlässigen Stromnetz nicht benutzt. In Großstädten schaut das wahrscheinlich anders aus.

Was ich euch schließlich nicht verheimlichen möchte ist, was ich an Essen hier in Kamerun vermisse.

Da muss ich eigentlich nicht lange nachdenken, die Nummer 1 ist Käse. Käse mit löchern, hart und weich, mit Schimmel, dunkelorange oder hellweiß. Das gibt es hier alles nicht, je nachdem welchen Preis man zahlen möchte. Den einzigen Käse, den man für einen menschlichen Preis bekommt, ist ein Schmelzkäse importiert aus Frankreich, ist das aber echter Käse? Bamenda bietet in verschiedenen Supermärkten Emmentaler oder sogar Brie an, wieder importiert aus Frankreich, wer versichert mir aber die Einhaltung der Kühlkette? Wie soll ich den Käse bei mir zuhause lagern, so ganz ohne Kühlschrank? Es gibt gibt einfach keinen guten Weg, an Käse zu kommen.

Das nächste? Nachspeißen! Da es, wie erwähnt, meistens den ganzen Tag die gleiche Speise gibt, Zucker verhältnismäßig teuer und unsere Essenskultur mit Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise hier nicht vorhanden ist, gibt es hier kaum Nachspeisen. Man kriegt hier problemlos Joghurt und jede Menge Früchte, Fruchtsalat ist also kein Problem, aber was ist mit Pudding, Mousse á Chocola, Quarkspeisen? Leider ein nein. Wenn ich Lust auf Zucker habe, gibt es Bonbons oder Schokolade. That's it.

Und zuletzt? Vollkornbrot, Schwarzbrot, Sonnenblumenkernbrot. Deutschland ist Brotland, das merke ich jetzt auch. Hier bekommt man immer knatschiges Baguette, in der Bäckerei dann frisches Baguette, Milchbrot und kastenförmiges „Vollkornbrot“. An dem nun hochgeschätzten Graubrot kommt das aber niemals ran. Brot, Brot, Brot, du fehlst mir auch.

Frühstücken tun wir trotzdem wie die Europäer, es gibt das knatschige Weißbrot, ein gekochtes Ei, verschiedene Aufstriche, wie Schmelzkäse und Guacamole, und Früchte.

Geheimtipp: Bananen in etwas Öl anbraten und zusammen mit Honig einen Baliner befüllen.

Will man hier Fleisch essen, kauft man sich ein lebendes Huhn und schlachtet es, Schweine- und Rindfleisch werden an Verkaufsständen angeboten, dabei werden alle Teile des Tieres verkauft.

Maxime mit einem gerade gekauften Huhn

Zusammengefasst kann ich sagen, dass es mir hier echt gut geht, die Freiwilligen gehen auf wie Klöße und man kriegt hier eher viel zu viel zu essen, als zu wenig. Wenn ich etwas vermisse, kann ich das meist in einem Supermarkt kaufen, aber auch ohne Supermarkt könnte ich hier problemlos leben, das Käseproblem legt sich schon noch.

Danke für Eure Rezeptvorschläge und Alanichu (Mungaka für guten Appetit)!

















Donnerstag, 12. September 2013

Arbeit, Arbeit! und Rezeptekampf

Aber zuerst: Bafoussam, Jamilas Geburtstag.
Wir also wieder so: "Los ihr Shisong-Freiwilligen und sonst alle, die gerne kommen möchten, übernachtet bei uns!", "na, klar".
Darauf so: "Essen, schlafen, frischmachen, eine Stunde auf unser Taxi warten, Bus nach Bafoussam nehmen, schöne Landschaft, Polizeikontrolle... Und BÄM alles wieder französisch, na klasse."

Das fasst meiner Meinung nach die Hinfahrt nach Bafoussam zusammen, wir hatten mal wieder Besuch, fuhren gemeinsam zu Jamila und Marie und alles, einfach alles was lebt und kräht, lebt und kräht auf französisch. Selbst unbelebte Dinge wie Schilder, Pfosten und Auto lassen sich mit französischen Wörtern schmücken. Dabei muss ich ganz ehrlich zugeben, dass es mich diesmal eindeutig weniger "gejuckt" hat. Spricht ein Verkäufer kein englisch, dann kaufe ich nicht bei ihm ein, weiß ein Taxi nicht wohin ich will, lass ich andere sprechen, verstehe ich immer noch kein Wort, was auf dem Werbeschild dort oben steht, dann weiß ich es eben nicht.

Aber ich lenke ab, Jamila und Marie holten uns von der Chefferié in Bafoussam ab, mit ihnen kam auch ein älterer Herr, der die beiden Mädels wohl gerne verfolgt, ihnen aber nichts tut und auch nicht redet (Etwas gruselig war der Gute schon, vor allem weil er nichts gesagt hat).
Auf die Motos, fertig, los ging es dann zur Wohnung der Mädels, ein riesiges Wohnzimmer, zwei große Zimmer, eigene Bäder und eine Praktikantin welche kocht. Zugegeben, die Praktikantin kochte, weil Jamila und Marie sie sie darum gebeten hatten und weil die drei eben zusammen wohnen, aber witzig war es anfangs schon. Die Praktikantin ist nebenbei eine Gebärdensprachstudentin und arbeitet im selben interessanten Projekt wie Jamila und Marie, nämlich in einer Gehörlosenschule. Die beiden Mädels werden also wahrscheinlich aus Kamerun wiederkommen und fließend französisch sprechen und kamerunische Gebärdensprache ...(ist das Wort dafür "zeigen"?!?) können. Ein Wow dafür!

Gefeiert wurde der Geburtstag mit Tüten-Vodka und ein paar Becks "Made in Germany". Es war toll das Alle außer zwei Freiwillige den Weg auf sich genommen haben um nach Bafoussam zu kommen und dort die Gesichter der anderen zu sehen. Besonders Maxim und Mimi haben eine ziemlich anstrengende Route ausgesucht, die beiden Pappnasen kamen nämlich um zwei Uhr nachts inmitten dem gefährlichsten Gebiet in Bafoussam an. Nach bezahlen eines Busfahrers und einigen Telefonaten kamen sie dann in einem verhältnismäßig großen Bus wenigstens in die Nähe von Marie und Jamila, wie aber sollten wir noch zum Paul kommen? Es war zwei Uhr nachts, Bafoussam gilt als generell eher gefährlich und Paul und ich hatten drei Mädels dabei, also den Busfahrer wieder bezahlt und für 1000F pro Person, also ungefähr die Kosten für die Fahrt von Bamenda nach Bafoussam, wurden wir vor der Haustür von Paul abgesetzt. Ein bisschen mulmig wurde mir schon, als sich jemand gedacht hatte, ich springe mal auf und halte mich hinten am Bus fest, um ein Stückchen mitzufahren. Ich kam mir ganz ehrlich wie in einem schlecht gemachten Zombiefilm vor, die Straße ist kaputt, der Bus wackelt wie verrückt hin und her und ein Zombie klettert mal eben auf den Bus und versucht unsere Hirne zu futtern. Als der Zombie nach dem aussteigen aber "Gute Nacht" sagte, fühlte ich mich eher wie in einer schlecht gemachten Zombie-Komödie. Es war zum schießen, genau solche Situationen sollte man doch als Fremder in einem noch fremderen Land vermeiden.
Umso besser schlief es sich zu dritt in einem Bett, früh aufstehen war angesagt, wir wollten ja um 12 Uhr wieder bei Marie und Jamila sein um das Geburtstagsfrühstück nicht zu verpassen. Gesagt, getan, ein leckeres Frühstück wurde abgehalten, 18 Leute auf einer großen Decke, diese Decke gefüllt mit Brot, Backwaren, verschiedenen Aufstrichen, Avocadocreme, Rührei, Früchten und noch einiges mehr.
Das einzig schöne Foto von der Party
Nach einer echt lustigen und schönen Geburtstagsnacht, rief mich um sieben Uhr unser geliebter Chef Patrick an: "Seid spätestens um 12 in Bamenda, heute treffen wir den Fon."
Da Cheffes Wort Gesetzt ist, dackelten wir also langsam alle auseinander, nahmen ein Moto zum Busbahnhof nach Bamenda. Zwei auf jedes Moto, mit Gepäck und allerlei. Am Busbahnhof waren wir aber auf einmal nur noch zu viert, Laura und Jules Motofahrer kannte den Weg nicht und fuhr einfach zu einem anderen Busbahnhof. Das sollte uns natürlich nicht stören, viele Wege führen nach Bali, Pauline, Lea, Charlott und ich nahmen halt das Busunternehmen Mazi Voyages und Lauri und Jule eben ein anderes. Der Preis von 1000F ist gleich und die Taxifahrt zum anderen Bahnhof hätte das selbe nochmal gekostet.

Die Fahrt über wurde viel gequatscht, ich kaufte uns Erdnüsse, die zum knabbern für zwischendurch verkauft werden, und wir fuhren wieder über Stock und Stein, Berg und Tal, bis die Skyline von Bamenda gesichtet wurde. Da wir ja in Eile waren, es schon 13 Uhr auf dem Wecker zeigte und Patrick uns doch dem Fon von Bali vorstellen wollte fuhren Lea, Laura und ich geschwind ins Haus zurück, Klamotten wechseln, frisch machen und so weiter. Da wir aber fast gänzlich gedacht und gehofft haben, Patrick komme nicht, kam er eben auch nicht. Und das Obwohl Laura ihn noch in Bamenda im Taxi gesehen hat. Uns sollte das nicht stören, wir machten uns einen schönen Sonntag Nachmittag und Abend, hielten ein Mittagsschlaf und liessen uns vor dem ersten Schultag noch einmal auf der faulen Haut liegen.


Darauf ging alles furchtbar schnell, früh aufstehen (für meine Verhältnisse ist 7:00 Uhr früh!), schnell frischmachen, die Avocados zu einer Creme zerdrücken, schnell das weiche Weißbrot mampfen und aufi aufi.
Es ging zu P.S. Njenka. Die Presbyterian School in Njenka, keine 10min Fußweg. Die Lehrer schienen nett und zuvorkommend, die Kinder froh und verspielt. Kurz mit dem Schulleiter gesprochen und ab ins kalte Wasser.

"Goooood mooorning Teachers, goooood mooorning Friends, bla bla bla, fear of the Lord is the beginning of wisdom!" "Good Morning, sit down."

So fängt die Stunde also in einer protestantischen Schule an, dachte ich mir. Was wohl noch alles kommt?

Alles paletti, ich hab mich vorgestellt, eine kleine Runde Hangman mit "Ni Max" gespielt, sie Namensschilder basteln lassen, ein Partnerinterview mit den Schülern*innen gemacht, kurz den Wissensstand mithilfe einer Mindmap abgefragt. Dabei merkt man, dass alle Schüler*innen ähnlich sind, muss ein Kind auf die Toilette, so müssen sie alle einmal, traut sich ein Kind etwas zu sagen, wissen die anderen aufeinmal auch viel mehr, fängt der eine an zu klatschen, so klatschen sie alle. Der größte Nachteil an den meisten Schulen hier in Bali ist, dass sie verdammt hellhörige Wände haben und nur mit Blechdächern ausgestattet sind. Rufen und Klatschen die Kinder, so hören das die fünf benachbarten Klassen, regnet es, so hört es die halbe Stadt. Es ist also wichtig sich Ruhe und Gehör zu verschaffen, ich bin gerade dabei ein paar Mittel und Methoden auszuprobieren.
Nachdem die Mindmap halbwegs komplett und Time2be angesagt war, war auch schon Schluss, meine ersten zwei Stunden in einer kamerunischen Schule. Das war auch schon mein Stundenplan für Montag, nächste Woche kommen noch zwei Stunden Time2be hinzu. Ich hab mich aber schon nach diesen zwei Peanutstunden gefühlt wie nach der 13. Stunde Sport. Der Magen knurrte, die Stimme war weg, die Beine wollten mich nicht mehr tragen. Und es war doch erst 11 Uhr...
Alle schön brav am Interview ausfüllen


Jede Schule hat ihre eigene Schuluniform, Holy Infant entschied sich für Türkis und Pink. Für Jungs und Mädels.
Sogar Wäsche muss ich nach der Schule noch waschen, Kinder sind immer dabei und heitern einen auf


Dann Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Neben ein paar Besuchen beim Inspector und beim Ba D.O. lief nur Schule und Ausruhen. Noch einige male erklang das "Good morning Teachers, good morning Friends, fear of the lord is the beginning of wisdom." im Schülerchor. Das gehört einfach zur Standardbegrüßung und ich werde es wohl über das Jahr hinweg noch öfters hören.

Patrick rief uns dann mal wieder an, um uns zu sagen, wir gehen am Freitag nach Batibo, wenn wir wollen können wir dort Schlafen, am Sonntag kommt dann endlich Dustin und Lea hat ihren Mitfreiwilligen. Ob das alles so geschmeidig funktioniert, weiß ich jetzt noch nicht, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Das waren die letzten Erlebnisse, wir sollen jetzt noch irgendwann den Lehrplan und Bücher bekommen, uns bei der Polizei und Brigade vorstellen und eine Schule wird vielleicht noch gewechselt.

Morgen ist Freitag, ein Tag den die vorherigen Freiwilligen frei hatten. Wir haben aufgrund von großer Nachfrage noch zwei weitere Schulen bekommen und wurden auf acht Schulen aufgestockt. Eine Schule benötigt keinen ICT-Lehrer und wir sollen deshalb dort nur Sport unterrichten. Vielleicht werden wir dem aber nicht entgegenkommen und uns auf sieben Schulen und Time2be konzentrieren. Alles Verhandlungssache, Patrick war aber nicht abgeneigt uns etwas zu entlasten.

Im nächsten Post werde ich versuchen meine Arbeit und meine Aufgaben für euch ein bisschen transparenter zu gestalten.

Und schließlich noch ein klein großer Wettkampf:


Ersteinmal zur Situation: Ich muss mich ja irgendwie selbst versorgen. Laura und ich sind ziemlich gut darin, jeweilige Zutaten in einen Topf zu werfen und mit ein bisschen Salz und Pfeffer etwas leckeres zu zaubern. Vorhanden ist ein Gasherd und Töpfe und Pfannen. Obst und Gemüse gibt es hier reichlich, Dosenwaren aber nicht. Auch Tiefkühlkost ist hier mehr als unüblich.
Das größte Problem ist einfach die fehlende Milch. Keine Milch heißt kein Käse, kein Quark, keine Sahne, etc. Und darüber stolpert man doch öfters einmal, so eine Scheibe Käse obendrauf und alles wäre in Butter. Hier gibt es zwar Milchpulver on mass aber Milch ist das nicht wirklich. Da wir drei gerne und abwechslungsreich Essen, haben wir mittlerweile ein Rezeptebuch der besten Gerichte angefangen. Da sind jetzt noch einige Seiten leer, und Ihr habt die Chance die Seiten aufzufüllen.


Der Wettkampf lautet wie folgt:

Findet für uns armen Freiwilligen ein leckeres Essen, schickt mir in den Kommentaren das Rezept und was sonst dazu gehört. Wir werden dann alle möglichen Gerichte nachkochen und entscheiden welches das Beste ist. Die Gerichte, ob zum Frühstück, Mittagessen, oder zwischendurch sollte vegetarisch und köstlich sein. Einsendeschluss ist dann, wenn wir satt sind ;)

Der oder die Gewinner bekommen eine Postkarte geschrieben, von mir selbst, und sie dürfen sich darüber gewiss sein unser Rezeptbuch vervollständigt zu haben. 

Ich freue mich über eure Kommentare und Rezepte, und denkt dran keine Milch (Heul!!).


Noch ein kleiner Nachtrag: Ich habe ein paar Fotos, von Besuch, Wohnung und Schule angefügt. Schaut euch auch mal die letzten Einträge an. Zusätzlich versuche ich gerade eine Galerie zu bauen, das Internet hier ist aber zu langsam um die Seite zu laden. Da denke ich mir noch etwas aus.