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Dienstag, 22. Juli 2014

Adamawa, Zugfahren wie in Deutschland. Fast.

Schule ist vorbei. Der Arbeitswechsel für die nächsten Freiwilligen allmählich am Rollen. Hier in Kamerun gibt es drei Monate Schulferien für die Kinder, Lehrer und Schulleiter. Auch für die Freiwilligen heißt das eine Menge Zeit zum Reisen.

Was auf meiner Liste noch fehlt ist die Fahrt in den Norden. Von Yaounde aus fährt ein Zug nach Ngaoundere. Das wäre doch was!

Zweiter Versuch: Auf nach Ngaoundere.
Also entschieden Laura, Lea und ich uns eine Woche Zeit zu nehmen, die Wanderrucksäcke zu packen und in de Adamawa-Region zu fahren. Nächste Woche. Lea wird Krank. Übernächste Woche. Wir fahren nach Bafoussam, feiern den Geburtstag einer Freiwilligen und wollen nächsten Tag nach Dschang, mit den Dschang Freiwilligen nach Yaounde und den Zug nehmen. Laura wird auch krank. Laura wird von Gregory in Bafoussam abgeholt, nach Bali zurückgebracht und Lea begleitet sie. Ich entscheide mich mit den drei Dschang Freiwilligen nach Ngaoundere zu fahren. Ein Tag wird noch in Dschang verbracht, eine kleine Studentenstadt. Kalt, viele junge Leute, französischsprachig. Aber eine schöne Stadt, mit See, vielen Bars und netter Innenstadt. Am Montag nehmen wir vier, Paul, Anna, Sophie und ich den Nachtbus nach Yaounde. 56 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Weitere 20 Stehplätze werden aber noch im Gang und auf den Treppen vorbereitet. Stellt euch das mal vor, sieben Stunden stehen, Nachts!
Ausruhen auf dem Grünstreifen, rechts das Schild, welches Sport und Hobbies untersagt

In Yaounde um sechs Uhr angekommen wird gleich ein Taxi zum Zugbahnhof genommen, wir kaufen uns Tickets für die zweite Klasse. Nach Ngaoundere macht das 15 Euro für ungefähr 14 Stunden Fahrt. Wir hörten geteilte Meinungen über die Zweite Klasse, Kinder kreischen, Leute sitzen im Gang, teilweise schlafen sie auch auf dem Boden. Es stinkt, der Zug ist zu voll, man wird beklaut. All das würden wir dann um zehn nach sieben erfahren, Abends, wenn der Zug dann losfährt.
Aber erstmal heißt es die zwölf Stunden in Yaounde zu verbringen. Die vorherige Nachtfahrt ermöglichte mir kaum Schlaf, den ganzen Tag den großen Rucksack auf dem Rücken, noch nicht gefrühstückt.
Der Tag in Yaounde war aber wirklich schön, nach einer langen Suche nach einem ordentlichen Frühstück verbrachten wir einige Zeit im schön angelegten Stadtpark, liefen eine Stunde einem Kerl auf dem Zentralen Markt nach, der schöne Schuhe für mich finden sollte, gingen in richtigen Supermärkten shoppen und liesen uns von einem "Polizisten" noch des Staatsstreiches beschuldigen.

Ich erläutere einfach mal kurz wie Polizisten sich von "Weißen" Geld erhoffen und wie das so ablaufen kann:

Wir saßen auf einer kleinen Grünfläche inmitten der Innenstadt, ein Schild wies uns darauf hin, dass es hier verboten sei Sport oder Hobbies auszuführen. Wir waren keineswegs die einzigen, die die Sonne und das weiche Grass genießen wollten, plötzlich kam aber ein Mann zu uns und sprach uns in französisch an. Ich kann nur das wiedergeben, was mir meine französisch sprechenden Mitfreiwilligen übersetzt haben, der Mann reagiert geradezu energisch aggressiv, als ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich eben kein französisch Spreche. Er kam also an und zeigt uns für eine halbe Sekunde lang (vielleicht +/- einige Millisekunden) seinen Polizeiausweis. Ich konnte in der Zeit und dank seines Daumens verdeckt nur "Hygiene" lesen. Sofort sehr aggressiv und einschüchternd meinte er es sei verboten hier zu sitzen. Mal abgesehen von den anderen Menschen die da noch so sitzen, leider aber nicht mehr da saßen... Ich fragt ob ich nochmal seinen Ausweis sehen dürfte, wieder zeigt er ihn nur wenige Millisekunden, verdeckt durch seine Wurstfinger. Nochmal bitte: Police Department of Hygiene. Was ist denn die Abteilung für Hygiene? Oberhausmeister? Nun sammelte er unsere Pässe ein, durchsuchte sie nach Fehlern, abgelaufene Visa oder etwas Unleserlichem.
Er faxte dann nicht lange herum, es ging dann ziemlich schnell um Geld, wer hier sitzt bezahlt eine Strafe. Und dann kam ihm ein Lichtblitz: Die Kamera! Nun haben wir wohl Fotos von Regierungsgebäuden gemacht, wir seien vielleicht Spione, er würde uns zur Polizei schleppen, oder wir bezahlen umgerechnet knapp 300 Euro jetzt und er lässt uns in Ruhe. Die Pässe in seiner Hand, meine Kamera baumelte an der Trageschlaufe immer wieder an sein Knie. Ich meinte, er sollte sie doch einfach bitte festhalten, er könne diese Kamera niemals bezahlen und ein Objektiv sei verdammt sensibel. Er schrie mich an, meinte ich solle doch die Botschaft anrufen. Ich rief an, auch wenn ich auf Deutsch redete, merkte er wohl, dass ich nicht scherzte. Zu meinem Unglück ging nur eine dummer menschlicher Anrufbeantworter dran, es zeigt aber Wirkung, er bat mich aufzulegen und nun reichten ihm ungefähr 75 Euro. Ich, leider aufgelegt, rufte gleich nochmal an. Nun fing er an englisch zu sprechen, eins, zwei Bier würden ja auch reichen, gab uns die Pässe zurück, meine Kamera wollte er noch behalten. Ich rief gleich nochmal den automatischen menschlichen Anrufbeantworter an, redete kaum mit der unnetten Dame sondern sagte nur viele Sätze mit Kamera und Police und Korruption. Der Mann stand auf, gab mir meine Kamera, dann seine Hand und sagte in etwa "Ich bin (Name des Polizisten), wir sind doch gute Freunde." Natürlich in flüssigem englisch. Wir durften gehen, hatten inmitten Yaounde und den vielen Gesichtern einen neuen Freund gefunden. Nicht.

Anna, Max und Sophie vor der Bahn nach Ngaoundere
Direkt hinter mir: Die Hälfte ist gefüllt mit Soldaten
Danach ging es gleich zum Zug, wir aßen noch kurz etwas und dann ging es auch schon los. Hektisch wurden die Zugtickets und Pässe kontrolliert, zum Zugabteil, wir hatten das letzte gaaanz hinten, mussten wir fast rennen. Innerhalb von ungefähr einer Viertel Stunde war der ganze Zug voll, das Gepäck vom Sicherheitsmann richtig verstaut und pünktlicher als die Deutsche Bahn konnten wir um 7:11 (Geplante Abfahrtszeit 7:10!!!) den Bahnhof in Yaounde verlassen. Was passierte uns mal wieder? Wir teilten uns das Zugabteil mit einer großen Gruppe von Brigade-Soldaten. Allesamt mit geladenen automatischen Gewehren und in bester und angetrunkener Laune. Sie wären auf dem Weg die Boko Haram im extremen Norden zu bekämpfen. Boko Haram haben in letzter Zeit gezielt Weiße im extremen Norden Kameruns entführt und grundsätzlich für eine Menge Angst und Schrecken gesorgt. Das heißt doch, dass die vier Weißen im Zug denen Dankbarkeit und ein offenes Ohr schuldete. Wir freundeten uns ziemlich schnell mit ihnen an, scherzten mit ihnen. Man hörte die Angst und Verzweiflung aus dem Gerede der jungen Menschen, sie wussten, dass nicht alle von ihnen wiederkommen würden, wenn überhaupt einer. Schwäche durften sie aber vor ihren Kameraden nicht zeigen, sie ertränkten die Schwäche in Witz und Alkohol. Wir saßen also im Partyzug. Zum Zug selbst: Besser als die zweite Klasse in Deutschland! Man kann sogar die Fenster öffnen, wenns zu warm wird. Der Zug ist aus lauter gegenüberstehenden Sitzreihen aufgebaut, aus lauter "Vierern". Die Sitze und der Zug sauber, Kinder gibt es zwar einige, aber kamerunische Kinder schreien einfach nicht auf reisen, das geklaut wird durch einem Guard an jedem Ausgang unterbunden. Nach jeder Station findet eine Passkontrolle von Polizisten statt. Also alles tipitopi. Einziges Manko: Wir kauften als eine der Ersten unsere Zugkarten, waren also im ersten Abteil direkt am Zug. Der starke Dieselmotor machte einen Lärm, mit dem wir fast die ganze Nacht durch zu kämpfen hatten.
Die Soldaten nochmal ganz.
Dann wurde auch noch gut jede Stunde angehalten, die Fenster auf, Sachen gekauft und weitergefahren. Etwas nervig, aber wie sollte man denn sonst auf 15 Stunden kommen?
Auch diese Nachtfahrt schlief ich nicht viel, ich wusste nicht wohin mit den Beinen, wie sitzt man gemütlich zum Schlafen, dann noch gegen die Fahrtrichtung und ach irgendwie sind diese Nachtfahrten nichts für mich.
Da lacht der Paul noch, freut sich ...
Gegessen wir auf Teppichen. Lecker Ziegenfleisch.
Morgens wachte ich dann ziemlich früh auf und die Landschaft war irgendwie anders. Das Graß saftig grün, mehr flach, wo sind alle Palmen hin? Achja, jetzt sind wir in der Adamawa-Region. Bekannt für den Viehhandel, das gute Fleisch, viele Kühe, Schafe, Ziegen, weniger Landwirtschaft. Und noch eine Veränderung: Nun sind Christen in der Minderheit. Die meisten Menschen im Norden kommen von den Familien der Fulani, Bororo oder Hausa, alles muslimische Völker. Was ist aber schon der unterschied zwischen Muslime und Christen? Die Muslime sind groß, schlacksig, dünn, haben anderes Haar. Sie tragen Körperlange Gewänder, meist in weiß, Meister-Proper-weiß (selbst der Automechaniker ist sauber wie ein sauberes Baby), Muslimenkäppchen und Lederschlappen.
...den Mt. Ngaoundere zu besteigen, dann aber...
...tritt er in einen gut 2cm langen Stachel, aua!
Auch das Feeling am Bahnhof ist ein Anderes. Es ist alles irgendwie entspannter, man wird weniger herumgeschubst, weniger angesprochen, man glaubt kaum noch, weiß zu sein. Taxifahrer rufen nicht mich, sondern ich die Taxifahrer. Taxis gibts eh kaum, eigentlich fahren nur Motorradtaxen. Auch die Motorräder sind anders, fahren geschmeidiger, langsamer, sind viel leiser. Erster Eindruck: WOW!

Das Sekräriat des Lamidat.
Nach einer langen Hotelsuche ohne Frühstück treffen wir einen Freund von Gregory, Derick. Er zeigt uns ein Hotel direkt am Bahnhof, wir entscheiden uns dafür. Sieben Euro für ein Doppelzimmer pro Nacht. Bett und Bad, perfekt für Freiwillige.

Strohbedeckte Häuser im Innenhof des Lamidat.
Ich war fasziniert von Ngaoundere. Kaum zwei Stunden da, schon habe ich mich verliebt. Um 13.30 ging dann das Gesinge los, die Menschen gingen mit ihren Teppichen Richtung Moschee, legten ihren Teppich nebeneinander und beteten zusammen. Der Verkehr fiel flach, Dank Ramadan hatten wir auch Schwierigkeiten Tagsüber etwas zu Essen zu bekommen. Überall gab es dann aber super leckeres Fleisch zu essen, viele Datteln, Lederschuhe, Kinder liefen mit heißem Tee zum Verkaufen herum. Der Kleine Markt, der viel größer ist als der Große Markt, bietet Alles an, was man möchte. Der Große Markt ist eher traditionell gehalten, viele Schneider und Gewänder, Kappen und Schuhe werden dort angeboten. Paul und ich liesen uns von einem Barbier traditionell rasieren. In die Stadt habe ich mich verliebt.

Am Freitag liesen wir uns durch den Palast von Ngaoundere führen, dem Lamidat. Freitag ist ein besonderer Tag, da der Lamido, der König, zur großen Moschee läuft und mit den anderen betet. Ungefähr tausend Menschen beteten da auf den buntesten Teppichen mitten in der Mittagssonne. Danach wurde im Lamidat der Lamido mit einer Knick und dem Berühren des Bodens mit beiden Händen begrüßt und dem Musizieren und Tanzen der Leute zugesehen. Ein wundervolles Erlebnis.
Gut 1000 Männer beten um halb zwei an der großen Moschee.
Schon wird der Lamido zurück in den Lamidat
eskortiert.
Die verrückte Dschang-Crew.
Am Samstag fuhren wir dann zusammen mit Derick in den Benue Nationalpark um ein paar Tiere zu sehen. Nach einer zweistündigen Panne liefen wir dann mit unserem zu kurz geratenen Guide und einer Wache durch den Nationalpark. Die Tiere ließen sich leider nicht so zahlreich blicken, wie gedacht. Wir sahen zwar ein paar Antilopen, Schildkröten, Papageie, Krokodile und Affen, Giraffen, Nilpferde und Hyänen haben sich aber nicht sehen lassen. Trotzdem war es ein schöner wenn auch, dank Panne, nervenzehrender Tag.
Gleich am nächsten Morgen um sieben sollte es dann zurück gehen, nicht mit Bahn sonder mit dem Bus. Über schlecht ausgebauten Straßen fuhren wir ungefähr 24 Stunden über Tibat, Banyo und Foumban nach Bafoussam. Ich nahm dann gleich den Bus weiter nach Bamenda und das Taxi nach Bali. Die Fahrt erlaubte kaum Schlaf oder Ruhe, ich bekam Muskelkater und Poschmerzen, dank ungemütlichen Sitzbänken und noch ungemütlicheren Straßen. 
Sieht man den Affen in der Mitte des Bildes?


Unsere Gruppe im Benue-Park, der Guide unten rechts ist einfach zu klein.
Der Benue-Park, wunderschöne Landschaften
Diesmal eine Antilope.
Von der Busbank auf die nächste Bank in Banyo,
erstmal ausruhen von der Fahrt.
Anschieben mussten wir den Bus zum Glück nur einmal.

Fix und fertig aber mit einer neuen Lieblingsstadt, Ngaoundere, erreichte ich dann mein schönes Haus in Bali am Montag. Und Laura sollte Donnerstag schon zurück nach Deutschland. Lauri war die letzten Monate leider immer wieder krank geworden und entschied sich dann spontan nach Hause zu fliegen, noch eine Woche Fieber, noch mehr Zeit im Bett verbringen, dass wollte sie nicht mehr ertragen.
Das letzte Bild von Lauri. 
Was macht der Typ da?

Ich fuhr nach Lauras abfahrt dann nochmal nach Kumbo, Pauline und Grace besuchen.

Nun sind schon einige Freiwillige weg, die Bafoussam Freiwilligen haben mich noch einmal besucht und das Haus ist ohne Laura doch etwas leer. Jetzt muss noch der Plan für die nächsten Freiwilligen ausgefeilt werden, der Boss ist bestimmt, der Mentor hier in Bali wird Gregory sein. Den Schulleitern der Schulen, an denen die nächsten Freiwilligen nicht mehr unterrichen muss gebeichtet werden, dass sie eben nicht mehr im Programm sind, den Übriggebliebenen muss das neue Konzept vorgestellt werden. Unserer Organisation wurde mittlerweile gut abgesagt, er wartet nur noch auf den letzten Bericht von meiner Seite, die Lust diesen zu schreiben hält sich aber in Grenzen.

Könnte ich mir jetzt nochmal meinen Freiwilligendienst-Einsatzort auswählen, würde ich Ngaoundere auswählen!


Liebste Grüße, ich komme!

Samstag, 22. März 2014

2. Halbzeit

18.02.2014, mittlerweile ist der 18.03 schon vorbeigerauscht, das ist das Datum meiner Halbzeit. Sechs Monate sind meine Mitfreiwilligen und ich damit schon hier, in den verschiedensten Ecken von Kamerun. Heute am 21.03. sind wir also schon im achten Monat. Lea meint gerade es seien noch 19 oder 20 Wochen bis zu unserer Ausreise.
Ich werde gerade ein bisschen melancholisch, da auch eine etwas traurige Melodie im Hintergrund dudelt, eine kleine Träne läuft über meine linke Wange.

Genau wie beim Fußball auch (ist es noch Fußball oder Fussball nach der Rechtschreibreform?) haben wir zur Halbzeit eine kleine Pause bekommen, das Zwischenseminar in Yaounde stand an.

Das Zwischenseminar


Quasseln...
Es hieß mal wieder den Rucksack zu packen und den Bus zur Haupstadt zu nehmen, diesmal bekamen wir aber Luxus pur, unser Freund Florian, ein deutscher Doktor, musste genau in jener Woche auch nach Yaounde, wir bepackten also eher den Jeep mit Klimaanlage, eigenen Sitzen und nettem Driver und rauschten mit einigen Umwegen, dazu gehörten: Verfahren, Wasserfall anschauen, lecker Ziegenfleisch essen, rumirren in Yaounde, zu einem Mitfreiwilligen in Yaounde. Alexander hat uns schon einmal in Bali besucht, ist ein netter, zuvorkommender Franke (vielleicht finde ich ihn daher so Sympathisch, meine Familie mütterlicherseits hat sich auch in der schönen Umgebung Nürnbergs niedergelassen), und versprach uns, bei seiner Gastfamilie unterkommen zu können.
Der Gastvater fuhr zusammen mit uns sogar noch eine gute Stunde durch Yaounde, um gegrillten Fisch zu kaufen. Am nächsten Tag sogar ganz selbstlos bis ans andere Ende der Stadt, um uns zum Seminarhaus zu bringen.


...essen...
...malen...



Das Seminarhaus, eine Ansammlung von schicken, weißen Häusern an einem stark abfälligen Bergchen, das Gelände nach dem Einkauf zu erklimmen war immer wieder eine Qual, auch das Auto des Gastvaters durften wir den Berg hochschieben, der Motor hatte es alleine nicht geschafft.
Diese Lage hatte Vor- und Nachteile: ein Vorteil war die Ruhe, wir waren wirklich ungestört und trotzdem nicht weit von der nächsten Bar entfernt. Der große Nachteil war dann das Wasser. Wasser muss den Berg genauso erklimmen, wie wir auch. Deshalb kam das Wasser nur dann und wann mal, wenn genug Druck auf der Leitung war: um sechs Uhr morgens und Abends.

Ein großteil unser „Kamerun-Familie“, alle IB-Freiwilligen, war schon da, es wurde sich umarmt, geküsst und Scherze über die so plötzliche Gewichtszunahme gemacht (wobei eigentlich nur ich darüber scherzte, ich bin der einzige der an Gewicht verloren hat).
...spielen...
Einige Freiwilligen hatten wir schon seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen, umso größer war die Freude zu sehen, dass alle sind noch genauso bekloppt sind wie eh und jeh.

Das Seminar war wieder wie ein IB Seminar eben so ist: Die Nachfrage bestimmt das Programm. Nach Einleitung und Organisatorischem kam also gleich die Frage, mit welchen Themen wir uns denn befassen wollen.



Fundraising, Spenden sammeln, war ein Thema. Um uns zu sensibilisieren führten wir ein Rollenspiel nach der Fishbowl-Methode durch: Ein Freiwilliger, ein Spender, ein Spendenempfänger (Ngo-Gründer, Schulleiter), ein Mitarbeiter des Empfängers und ein Kind, bei dem die Spenden ankommen sollten, sollten ihre Position zum Thema Spenden in einer Gruppendiskussion verteidigen.
...bei Tag und...
Eine Musterlösung gibt es natürlich nicht, aber diese Gruppendiskussion lädt zum Nachdenken über Spenden und die Erwartungshaltung gegenüber dem Freiwilligen ein.

Weiter Themen waren eine kleine Antirassismuseinheit, Sensibilisierung für Berichte nach Hause, „Probleme im Projekt, wo stehe ich in meinem Projekt“, „Was habe ich erreicht und was möchte ich noch erreichen?“, dazu waren zwei Referenten, Michael und Duplex, da um zu berichten, welche Projekte möglich und sinnvoll durchzusetzten sind, und ein Themenblock über Gewalt im Projekt.
...bei Nacht. Bei unserem Zwischenseminar in Yaounde.

Das Seminar war entspannend und anstrengend zu gleich, es gab viel zu erzählen, ich wollte mit allen reden, alles erfahren, alles wissen, und dann war es eine Abwechslung zur Arbeit, später aufstehen, mal wieder zuhören und nicht immer selber reden, das Zusammenarbeiten mit gleichaltrigen.

Insgesamt war das Seminar gelungen und hat Spaß gemacht, die Themen waren interessant, wenn manchmal auch etwas anstrengend. Ein paar mehr Zeilen zum Seminar habe ich noch in meinem zweiten Bericht an den IB geschrieben.

Erst Kamerun-Familie, dann Familie in Kamerun


Direkt im Anschluss des Seminars, am 7.02., sollte mein größter Bruder Fritz mitsamt Freundin Jana und Baby Elli mich besuchen kommen.
Wieder mit unserem „Private Driver“ Doktor Florian machten Laura und ich uns von Douala nach Yaounde auf den Weg, von einer Großstadt zur nächsten.
Am Flughafen wurde noch kurz etwas gesnackt, schon war es Zeit, das Flugzeug landete und wir warteten nur noch auf Fritz, Jana und Elli, Florian wartete auch, aber auf seine Verlobte Mona und die Kinder Juri und Eda.
Mona und Kinder kamen aus der Gepäckhalle, wir freuten uns riesig, kurze Zeit später kam auch Jana mit Elli, wuhu!
Aber wir warteten noch auf die Koffer und warteten und warteten. Auch als der letzte Koffer die Gepäckhalle betrat, Fritz' und Janas waren nicht dabei.

Was für ein nettes Willkommen: 35°C, 100% Luftfeuchtigkeit, keine Koffer, ein schreiendes und schwitzendes Baby. Wir schickten die Mädels ins Hotel, Fritz und ich gaben noch das Fehlen der Koffer auf.

Eine kleine Quizfrage:

Was machst du in einem fremden Land, ohne Koffer, ohne Kleidung, ohne Zahnbürste, ohne Windeln, ohne alles?

Wir fuhren schließlich etwas später ins Hotel, aßen etwas, sahen zu, das es Elli so gut wie möglich geht, kauften endlich noch ein paar Utensilien für die körperliche Pflege. Zum Glück hatten wir Florian und Mona in Yaounde, sie gaben Elli Anziehsachen und sonstiges Babyzubehör.
Wir entschieden uns dann, die Mädels mit Florian nach Bali zu schicken, dort ist es kühler und angenehmer für das Baby, außerdem sind wir dort zu Hause und es ist einfach angenehmer zu Haus. Fritz und ich blieben einen weiteren Tag in Douala, in der Hoffnung, die Koffer kämen am nächsten Tag. Wir wechselten das Hotel, verbrachten einen trotzdem schönen Tag in Douala und: wir bekamen die Koffer am nächsten Tag zur gleichen Zeit!
Am nächsten Tag fuhren wir dann mit unserem Freund dem Fahrer Julius nach Bali und trafen im Haus dann Elli, Jana und Laura wieder. Im Endeffekt ist noch alles gut verlaufen. (Wie ich hörte kamen die Koffer beim Rückflug auch zwei Tage zu spät an, haltet euch von Airfrance und Paris fern!)

Fritz, Jana und Elli in Bali


Gregory bewies mal wieder den guten Freund und Gastgeber und stellte meiner Familie sein Gästehaus zur Verfügung: Wohnzimmer, Küche, Bad und drei Zimmer, dazu meistens fließend Wasser und Elektrizität.
Das Haus steht auf dem Compound von Gregorys Familie, seine Schwestern, Cousinen und Neffen und Nichten wohnen dort. Ein nettes Stück Land, viele aktive Kinder und freundlichen Nachbarn.

Jana, Elli und Fritz. Das Shirt, welches Fritz trägt ist aus dem Stoff von Gregorys Familie gemacht.
Mit Baby ist man leider weniger mobil als ein kleiner Freiwilliger, deshalb reduzierte sich der Besuch meiner Familie auf Alltag in Bali, Kurztrips nach Bamenda, Anschauen der balieigenen Wasserfälle, und dem allabendlichen Bier.
Nach der ersten Hälfte war es berauschend schön ein Stück der Familie wiederzusehen, Baby-Elli ist gut 20 Zentimeter gewachsen (bald ist sie schon 18 Jahre alt, dann gehts ab in den Club), Fritz ist genauso verplant wie eh und jeh, verlor zweimal sein Handy, steht aber jeden morgen um sechs Uhr mit Elli stramm, geht einkaufen und Frühstück machen, mein großer Bruder ist ein toller Vater.
Elli fand das Handy immer wieder.



Die Attraktion in Bali: Ein schnallt sein Kind um und trägt es umher.
Es war einfach zu heiß in Limbe.



Viel erlebt haben wir eigentlich gar nicht, für mich war jedenfalls nicht viel Neues dabei, umso mehr gab es natürlich für Fritz und Jana, besonders aber für Elli. Kaffe wird auf dem Hof getrocknet, Elli stürzt sich ins Kaffeebad und probiert jede Bohne aufs Neue, sieht ganz viele schwarze Babies, schwarze Mamis wollen sie adoptieren, hört aus jeder Richtung „ELLI“, wird angefasst, bestaunt, gestreichelt, gelobt, geklapst, alle Sinne wurden bis zum heulen ausgereizt.
Ganz viele Äffchen im Wildlifepark in Limbe.
Besonders in Gregory hat Elli einen guten Freund gefunden, sobald Gregory über die Türschwelle trat, strahlte Elli, lachte, krabbelte auf ihn zu.
Dann hatte Elli eine Menge Firsts: Das erste Mal Krebs gegessen, das erste Mal Krokodil gegessen, das erste Mal im Meer, das erste Mal in Kamerun/Afrika, das erste Mal dies und das erste mal das.

Youthday, Tag der Jugend

Am 11.Februar ist ein Nationalfeiertag in Kamerun: der Youthday, übersetzt Tag der Jugend. Was wird gefeiert? Die Wiedervereinigung Kameruns, oder die Bilingualität, oder der Präsident, oder sonst was. Aber absolut nicht die Jugend. Der Tag heißt möglicherweiße Youthday, weil die Jugend gezwungen wird zu marschieren. Eine jede Schule, Kindergarten, Organisation, Verein muss sich an diesem Tag präsentieren. Es wird vor einer großen Bühne, vor Politikern und Bürgermeister, vor wichtigen traditionellen Autoritäten, vor wem auch immer marschiert. 
Dazu wurde drei Wochen davor jedem Schultag zwei Stunden abgezogen, weniger Mathe und Englisch unterrichtet, dafür Marschiert, Marschiert, Marschiert. Alle im Gleichschritt zu "I'm marching in,...". 


Ob der Tag so gelungen war? Einigen Kindern hat es Spaß gemacht, den meisten Erwachsenen gefällt der Tag, ich fand ihn leider pervers, man lässt Dreijährige marschieren, und völlig verfehlt.

Wandaful!


Mit Fritz zusammenzusitzen, zu sagen „Wow du bist jetzt hier bei mir in Kamerun“, anzustoßen, über die Familie aber auch Gewohnheiten der Balianer zu lachen, den Sonnenuntergang im Meer zu genießen, einfach Wandaful.

Elli zuzuschauen, wie sie Steht, probiert, krabbelt und entdeckt. Wandaful.

Zusammensitzen, Carcassonne spielen, eine Kanne Kaffee nach dem anderen trinken. Wandaful.

Pizza backen, Schokolade inhalieren, Gummibärchen vernaschen, einfach mal schlemmen. Wandaful.

Ihre letzte Woche verbrachten wir dann noch im Meer, in Limbe, schwarzer Sand, dreißig Grad, Sonne. Wandaful.
Das könnte ein Foto von mir sein, Kamera + Baby-Max = Schlechte Laune

Zuletzt dann Wegbringen am Flughafen, eine herzliche Verabschiedung, eine weitere Träne über meine Wange. Wandaful.

Das was noch übrig bleibt ist ein Danke. Danke, dass ihr mich besucht habt, es war einfach Waaaaandaaaaaful, I quell you!

Samstag, 11. Januar 2014

Essen fassen


Ein Artikel über den Rezeptewettkampf und ein kleiner Einblick über die Essenkultur Kameruns.


Ich habe mir den Rezeptewettkampf als witziges kleines Spiel gedacht. Erstens kriegen wir ein paar neue Ideen, was wir zusammen in unserer kleinen Küche kochen können und zweitens halte ich euch damit ein bisschen am Ball, ihr wollt ja schließlich eine Antwort, ob es geschmeckt hat und guckt dafür regelmäßig bei meinem Blog vorbei. (Nicht schlecht Max, denken sich die erstaunten Leser nun.)

Also Danke für euer am Ballbleiben, wir haben doch einige Rezepte gekocht, einige vielleicht verworfen, weil nicht möglich oder zu teuer (Olivenöl kostet hier gut 15€ der halbe Liter). Die Ausprobierten stehen jetzt stolz in unserem Rezeptebuch, welches schon von einigen Mittfreiwilligen kopiert und abgeschrieben wurde.

Also schön Chronologisch:

Alles-Pesto

by Fritz

Gebe ein Drittel von Allem, mit einem Drittel Öl und einem Drittel Nüssen und wenn möglich einem Drittel Hartkäse in einen Mixer und schon liegt ein leckeres Pesto fertig auf dem Tisch.
Die Idee ist so simpel und doch so lecker, hätten wir doch nur einen Mixer. Ein Mixerersatz lässt sich finden: ein flacher Stein mit einem Mahlstein ergibt einen guten Mörser, so wie hier Traditionell alles gemörsert wird. Also erst Erdnüsse eine halbe Stunde mörsern, dann die riesige Sauerei auf sich nehmen und den Drittel „Alles“ und ordentlich Knoblauch matschig mörsern, nochmal gut eine halbe Stunde. „Schon“ steht ein kleines Gläschen Pesto vor dir, du futterst es auch gleich auf um den Kalorienhaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Mit Muskeln aus Stahl gehst du um sieben Uhr ins Bett und wachst mit starken Muskelkater wieder auf, leider ist kein Pesto mehr übrig.



Ein bisschen Ironie soll sein, und ohne Mixer ist das Pesto doch nicht so simpel, trotzdem lecker!
Wir haben mittlerweile schon Basilikum, Petersilie und Tomate mit Erdnuss und Palmöl und Basilikum mit Erdnüssen und Olivenöl (extra für Weihnachten) bereitet, himmlisch. Wenn wir uns dann doch mal einen neuen Mixer zulegen sollten, steht Pesto aber öfters ganz oben!

Großer Kartoffelkuchen mit Kohl 

by Olivia

Alias, angebratener Kartoffelbrei mit Kohl. Da wir hier keine Waage oder Messbecher haben, haben wir alles einfach nach Augenmaß in einer großen Schüssel gemixt. Es sah so gut aus, bis ich versuchte den Kuchen zu wenden, ungefähr in der Zeit in der eine jede Mami sich entscheidet aus Pfannkuchen Kaiserschmarrn zu machen, entschied ich, daraus werden improvisierte Prinzessinnenkartöffelchen. Also wurde der Kartoffelbrei einfach schön von allen Seiten angebraten und schließlich mit etwas roter Beete angerichtet: lecker! Laura konnte kaum genug kriegen und ich wanderte eher mit einem Fußball im Bauch ins Bett, ich hatte zuviel von diesem tollen Küchlein gegessen. Da ein Kohlkopf meist zu groß ist, machen wir am ersten Tag den Kartoffelkuchen, am zweiten dann noch eine Kohlsuppe hinterher, also perfekt vom Kalorienverhälntis her.



Vor einer Sache graut es mir und den Kartoffeln jedoch: dem Schälen. Danach ahnt kaum jemand, das die Kartoffeln einmal rund waren, und ich mal Finger hatte. Mit dem Sparschäler von Mama geht es jetzt ökonomischer und ich schneide meine Finger Scheibchenweiße.

Der Kartoffelkuchen ist lecker und deftig, zu empfehlen!

Kohlsuppe 

by Lauras Mami

Zwiebeln andünsten, Wasser hinzu, kleingeschnippelten Kohl hinzu, köcheln lassen, Tomaten und Tomatenmark, Chili und ein bisschen Gemüsebrühe. Dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde, wird aber über Tage gegessen. Total lecker, der Kohlgeschmack kommt heraus, kräftiger Tomatengeschmack und eine leichte Schärfe. Besonders gut schmeckt die Kohlsuppe, wenn sie einen Tag ziehen durfte, der Knoblauch kommt heraus und die Suppe schmeckt noch intensiver. Die Suppe wird entweder so oder, was auch echt lecker ist, mit Süßkartoffeln gegessen. Lauras Lieblingsspeiße.


Maispuffer 

by Julia

„Wie Kartoffelpuffer nur eben mit Mais“, ganz einfach und der Traum! Mais mit Eier und Mehl vermengen und in Öl langsam braten lassen, klasse. Dosenmais ist hier war verdammt teuer, aber der Leckerbissen hat sich gelohnt.
Ich weiß nicht, wieso ich das all die Jahre in Deutschland nie ausprobiert habe?

Bananencurry / Ananascurry 

by Julia

Curry, Curry, Curry. Gabs bei meiner Familie in den unterschiedlichsten Varianten ungefähr jede Woche, troztdem hatte ich die Tradition abgelegt und es hier noch nie Probiert. Bis jetzt wurden alle gemachten Currys mit Ananas statt Bananen zubereitet, Lauri mag keine Bananen in ihrem Essen (mehr dazu bei den Plantains), das Erste war ein Experiment mit Schmelzkäse, das Zweite wurde hoch gelobt, das dritte von Kamerunern verschmäht und das Vierte begeisterte sogar eine Mami.

Im Prinzip sind wir immer wie folgt vorgegangen: Zwiebeln andünsten und Reis aufsetzten, Kokusmilch und Wasser hinzu, alle Arten von Gemüse hinzu und Currypulver, köcheln lassen, Ananas hinzu und auftischen.
Das einzig „komplizierte“ an dem Curry ist halt die Schnippelarbeit, Karrotten, Bohnen, Erbsen, Paprika, Ananas, Kokusnuss, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch müssen, gerade weil frisch vom Felde, gut gewaschen, geschält und sonstwas mit gemacht werden.
TJ (Thomas James) aus Amerika sagte, das sei eins der besten Gerichte, die er je gegessen hat, kompliment geht an Julia.
Die drei Kameruner, die dieses Gericht eher nicht mochten, konnten sich gar nicht vorstellen, Ananass in eine Suppe zu machen und fragten uns, ob wir in Deutschland immer ohne Salz kochen. Ananas wird hier eher roh gegessen oder zu Säften verarbeitet, mit dem Curry werden sie nicht glücklich, für uns war dann schließlich aber mehr da.

Sushi 

by Marie

Den ein oder anderen Tag hat man doch einmal zu viel übrig, ich gebs zu, eigentlich immer. Laura und ich sind es noch nicht gewohnt nur für zwei kleine Mägen zu kochen und es war noch ein riesiger Topf Reis übrig. Also alles nochmal mit Essig köcheln, damit ALLES klebt, Avocado geschnitten und die Sushis in Sesam gewälzt. Etwas Soyasoße haben die Vorfreiwilligen extra für dieses Sushi übriggelassen und so wurden die Sushis von uns beiden dann dank fehlendem chinesischem Zubehör mit den Händen gegessen. Es waren dann eher Avocado-Reis-Bällchen und der Reis war auch nicht besonders gut und die Platte ging im Endeffekt eher wegen unserem riesigen Hunger leer. Wir schaffen es einfach nicht richtigen Sushireis zu kochen, Rundkornreis habe ich hier noch nicht gesehen, Reisessig ebenso, zu Algenblätter sage ich mal nichts und Fisch gibt es hier auch eher in der Tiefkühlvariante. In Deutschland ist das einfach, weil Sushi so beliebt geworden ist, hier räume ich Platz für andere Gerichte. Ein Eintrag ins Rezeptebuch hat es trotzdem verdient.

Spaghetti mit Tomatensoße

by Daniela

Der Klassiker, man kocht Spaghetti und in die Soße kommt alles, was man so da hat


Weitere Ernennenswerte Gerichte:

Selfmade Pommes und Ketchup


Alles schnippeln, kochen und frittieren. Lecker und eine Menge zum Aufspülen, also von wegen Fastfood!

Auberginenburger


Brot, Scheibe Aubergine, Tomate, Karotte, Selfmade-Ketchup, Mayo, Brot. Der Burger ist fertig. Wieder eine Menge Arbeit, besonders das Panieren der Auberginenscheibchen. Trotzdem ein Genuss!

Pfannkuchen


Auch ohne Milch machbar und perfekt für den Morgen ohne Brot.
Variante: Pfannkuchentorte mit Schokocreme-Bananen-Schichten, verspätet zu Lauras 20.

Obstsalat


Was liegt näher, wenn man hier so viele leckere und vorallem süße Früchte bekommt? Trotzdem brauchten wir gut drei Monate für unseren ersten Fruchsalat. Papaya und Ananas schmecken hier viel intensiver, weil sie eben erst gepflückt werden, wenn sie Reif sind, Orangen sind grün und Äpfel schweineteuer.




Bunter Salat

Uns wurde geraten kein Salat in Kamerun zu Essen, da der Feldsalat eben gedüngt wird und dieser eine so große Oberfläche hat, man bekömme die Bakterien und Würmer und Amöben und was weiß ich niemals gründlich ab.
Also steigen wir wieder um zum Kohl, Rot- und Weiß-, der ist nämlich völlig unbedenklich essbar.
Unser bunter Salat bestand also aus: Weißkohl, Rotkohl, Karotten, Tomaten, Avocado, Zwiebeln und einem Grünzeug ähnlich Löwenzahn, ganz intensiv ähnlich Rucola im Geschmack, und Eier als Topping. Als Dressing gab es, gesponsort von deutschen Freunden hier in Bali, ein Mix aus Olivenöl, Senf, Joghurt, Essig, Knoblauch, Zwiebeln. Leckerererererer!


Krautsalat


Jeweils ein Teil Essig, Wasser und Zucker aufkochen und über feinen Kraut gießen. Ziehen und abkühlen lassen, fertig. Tausendmal besser als der aus dem Plastikquadrat! Probierts selbst.

Pfannenbrot – Chapati – Naan – Mehlmitwassermix


Drei Teile Mehl, ein Teil Wasser, Salz, kneten. In einer heißen Pfanne backen, ein Kinderspiel. Soll ein Pfannenbrot oder Brötchen daraus werden Hefe dazu und eine halbe Stunde warten. Ich liebe diese „Ich-Mixe-Mehl-Mit-Wasser“ Brote, jedesmal kommt etwas anderes dabei raus, schmecken tun sie immer, auch wenn die Gasflasche beim Backen ausgeht.

Süßkartoffeln

Süßkartoffeln können alles, was normale Kartoffeln auch können, Süßkartoffelbrei, Süßpommes, Süßbratkartoffeln.



Njama-Njama Semmelknödel


Nach einem Rezept für Spinatsemmlknödel, gekocht mit den Brot-für-die-Welt-Freiwilligen aus Bamenda, und gegessen mit den Händen.

Kuchen


So ganz ohne Butter, Eier und Milch, kein Problem, der Zitronenkuchen wurde verschlungen.


Soviel europäisch-internationale Küche in dem kleinen Fleck Bali, da kommt der Absatz über die Essenskultur über unsere Küche hinweg ja fast zu kurz.

Die Küche Kameruns


Ich war in meinem ersten Monat sauer, als ich in einem Reiseführer lesen musste, das kamerunische Essen sei eher praktisch als lecker. Und eines stimmt: eine Mahlzeit ist zum sattwerden da. Es werden riesige Portionen Reis, ein riesiger Haufen Nudeln und gigantische Klöpse von Jams aufgetischt. Nach dem Essen soll man gestärkt sein, darum gibt es viele Kohlenhydrate und fettige Soßen. Und meine ersten Wochen war ich in diesen neuen Geschmäckern verliebt, es gab jeden Tag etwas anderes, jede Soße war anders, jede Mami bereitet sie anders zu, es gab soviel auszuprobieren.

Auch wenn ich nicht sagen möchte, ich habe alles gegessen, was es hier gibt, aber nach meinen vier Monaten habe ich größenteil doch fast alles einmal kosten dürfen.
Es gibt immer Gerichte, die schmecken dem ein oder anderen nicht, Taro mit Yellowsoup (Gelbe Suppe), eine graue Paste aus einer Jamswurzel und eine gelbe Suppe. Vom Geschmack her assoziiere ich dieses Gericht immer mit feuchten Beton und seinem Anstrich. Nein, das mag meine Zunge nicht gerne, auch „Water Fufu“ und Aero sind mit mir noch nicht ganz auf einer Wellenlänge.

Die restlichen Gerichte aber: lecker! In Fufu Corn mit Njama Njama könnte ich mich reinlegen, Poffpoff mit Red Beans wird gut zweimal wöchentlich gegessen und Jam mit Ndole ist immer wieder gern gesehen.

Was es immer gibt ist Reis mit Soße und Bohnen, das „einfachste“ Gericht und doch sehr lecker. Für 150 CFA werde ich satt und habe nebenbei etwas echt leckeres gegessen, eine ölige Tomatensoße, Erdnusssoße oder oder oder, und schwarzen Bohnen oben drauf, wer etwas mehr Geld hinlegt, bekommt ausserdem noch ein paar Spaghetti und Fleisch dazu.
Johan (li.) mit Yellow Yams und Ndole, Carlo mit Plantain und Ndole, Laura mit Spaghetti und Red Stew in unserem Lieblingsrestaurant

Das ist dann die nächste Preisklasse, Spaghetti mit Soße und Bohnen. Spaghetti gibt es hier wohl noch nicht allzu lange und sind deshalb relativ teuer, die Kinder lieben Spaghetti, die Erwachsenen essen es gerne als Spaghettiomelette im Brot von der Straße.

Die teureren Gerichte, für ungefähr einen Euro, also 700 CFA, sind Fufu Corn mit Njama Njama, Ndole mit Jam oder gegrillter Fisch mit Plantain.

Fufu was? Fufu heißt übersetzt „weiß“. Fufu Corn ist ein fester Maisbrei (engl. Corn = Mais), der mit den Fingern zu kleinen Kugeln oder einem Löffel geformt wird um dann die Beilage oder die Soße damit zu greifen und zusammen zum Mund zu führen. Fufu Corn und Njama Njama: Das Gefühl einfach mal mit den Fingern zu essen, das intensiv schmeckende, spinatähnliche Njama Njama, und die Kombination machen dieses tolle Gericht aus, unbedingt probieren, wenn in Kamerun! Besonders die Northwest-Region ist bekannt für ihr gutes Fufu Corn mit Njama Njama, mein Glück.

Die Powernahrung für hart arbeitende Menschen ist Conchaff. Im Prinzip Mais mit Bohnen, lange lange weich gekocht und mit verschiedenen Gewürzen schmackhaft gemacht.

Ndolé ist geschnippelte Bitterleaves mit Egussi, Bitterblätter mit einem Kern, der aussieht wie ein Kürbiskern, hat einen leicht bitteren geschmack und wird meist mit getrocknetem Fisch zubereitet. Ndole schwimmt auch im Fett, ist aber lecker lecker lecker. Oder gerade deswegen?


Abends, wenn es dann dunkel wird eröffnen die Mamis und Papis ihre Essenstände.
Es gibt Fisch, Fleischspießchen (genannt Soya), Poffpoffs, frittiertes Hühnchen und andere Leckereien.

Besonders in Douala, Yaounde und Kribi sieht man sie überall: die Mamis wedeln mit Plastiktellern das Feuer an um den Fisch schön kross zu grillen. Dabei wird der Fisch immer wieder mit einer leckeren Marinade bepinselt, es zischt und riecht lecker nach meinem nächsten Mahl. Angerichtet wird der Fisch meist mit zwei Soßen, einem grünen Pesto und einem scharfen Chilipesto, und frittierten Kochbananen oder Manioksticks (Kennt ihr die Tapiokabällchen vom Bubbletea? Die sind auch aus Maniok, Manioksticks haben eine ähnliche Konsistenz, schmecken aber sauer und riechen nach etwas Abgelaufenem, die Leute hier bringen sie besonders gerne als Reisegeschenk mit, wieso nur?)

Dann die Poffpoff und Beans, frittierte Teigbällchen und rote Bohnen, ein Traum. Wir bestellen meist Poffpoff für 100 CFA, also vier Bällchen, und Bohnen für 50 CFA. Max ist damit satt und glücklich.

Getrunken wird zu einem guten Essen Bier oder ein Softdrink wie Fanta oder Cola, auch Palmwein wird besonders in der North-West-Region gerne zum Essen aber auch solo getrunken.

Es gibt eine große Reichweite an Gerichen, das „Lovemeal“ wird als Liebesbeweis gekocht, weil es soviel Arbeit macht, es zuzubereiten, Kohl mit Egussi Soße, Soße hier Soße dort und wenn möglich immer mit Fleisch!

Zurzeit werden frittierte Graßhüpfer angeboten, ungewohnt aber ein netter Snack.

Erzähl mir einer mal, das Essen sei eher praktisch als lecker.

Wie wird hier denn eigentlich gekocht? Danke für die Frage, liebe Leserinnen und Leser, mir fiel keine bessere Überleitung ein.

Antwort: Feuer. Besonders in den eher ländlichen Gegenden werden die Rohstoffe genutzt, die vorhanden sind. Und Holz wächst hier wie Sand am Meer, kein Wunder bei dem fruchtbaren Boden und dem regelmäßigen Regen. Die meisten Familien, die zusammen in einem Grundstück wohnen, besitzen eine oder mehrere Firekitchen, ein Raum, stilecht in Rußschwarz gehalten, in dem gekocht wird, mit Feuer. Dazu werden drei große schwere Steine nah zusammengestellt und in dem Zwischenraum ein Feuer entfacht, auf den Steinen werden die riesigen Töpfe gestellt und innerhalb von zehn Minuten sind 50 Liter Wasser gekocht. Da ein Familienmitglied meist für den ganzen Tag und die ganze Familie kocht, ist das Feuer einfach die beste Wahl. Es brennt den ganzen Tag, hat eine starke Hitze und lässt sich beliebig klein und groß für kleine und große Töpfe anschüren. Die Alternative ist hier dann noch die Gasflamme mitsamt Gasflasche. Teuer, eine Gasflasche kostet gut 50€ an Pfand und weitere zehn Euro per Füllung. Gas ist gefährlicher und niemand weiß, wann die Gasflasche leer geht, eine eher unzuverlässige Lösung also. Drittens dann der Grill, Kohle und ein Rost, perfekt für die Fleischspießchen und gegrillten Fische, aber doch teuerer als trockenes Holz.
Elektroherde werden, meines Ermessens nach, hier einfach wegen dem hohen Stromverbrauch und dem unzuverlässigen Stromnetz nicht benutzt. In Großstädten schaut das wahrscheinlich anders aus.

Was ich euch schließlich nicht verheimlichen möchte ist, was ich an Essen hier in Kamerun vermisse.

Da muss ich eigentlich nicht lange nachdenken, die Nummer 1 ist Käse. Käse mit löchern, hart und weich, mit Schimmel, dunkelorange oder hellweiß. Das gibt es hier alles nicht, je nachdem welchen Preis man zahlen möchte. Den einzigen Käse, den man für einen menschlichen Preis bekommt, ist ein Schmelzkäse importiert aus Frankreich, ist das aber echter Käse? Bamenda bietet in verschiedenen Supermärkten Emmentaler oder sogar Brie an, wieder importiert aus Frankreich, wer versichert mir aber die Einhaltung der Kühlkette? Wie soll ich den Käse bei mir zuhause lagern, so ganz ohne Kühlschrank? Es gibt gibt einfach keinen guten Weg, an Käse zu kommen.

Das nächste? Nachspeißen! Da es, wie erwähnt, meistens den ganzen Tag die gleiche Speise gibt, Zucker verhältnismäßig teuer und unsere Essenskultur mit Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise hier nicht vorhanden ist, gibt es hier kaum Nachspeisen. Man kriegt hier problemlos Joghurt und jede Menge Früchte, Fruchtsalat ist also kein Problem, aber was ist mit Pudding, Mousse á Chocola, Quarkspeisen? Leider ein nein. Wenn ich Lust auf Zucker habe, gibt es Bonbons oder Schokolade. That's it.

Und zuletzt? Vollkornbrot, Schwarzbrot, Sonnenblumenkernbrot. Deutschland ist Brotland, das merke ich jetzt auch. Hier bekommt man immer knatschiges Baguette, in der Bäckerei dann frisches Baguette, Milchbrot und kastenförmiges „Vollkornbrot“. An dem nun hochgeschätzten Graubrot kommt das aber niemals ran. Brot, Brot, Brot, du fehlst mir auch.

Frühstücken tun wir trotzdem wie die Europäer, es gibt das knatschige Weißbrot, ein gekochtes Ei, verschiedene Aufstriche, wie Schmelzkäse und Guacamole, und Früchte.

Geheimtipp: Bananen in etwas Öl anbraten und zusammen mit Honig einen Baliner befüllen.

Will man hier Fleisch essen, kauft man sich ein lebendes Huhn und schlachtet es, Schweine- und Rindfleisch werden an Verkaufsständen angeboten, dabei werden alle Teile des Tieres verkauft.

Maxime mit einem gerade gekauften Huhn

Zusammengefasst kann ich sagen, dass es mir hier echt gut geht, die Freiwilligen gehen auf wie Klöße und man kriegt hier eher viel zu viel zu essen, als zu wenig. Wenn ich etwas vermisse, kann ich das meist in einem Supermarkt kaufen, aber auch ohne Supermarkt könnte ich hier problemlos leben, das Käseproblem legt sich schon noch.

Danke für Eure Rezeptvorschläge und Alanichu (Mungaka für guten Appetit)!