Posts mit dem Label Bafoussam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bafoussam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. Juli 2014

Adamawa, Zugfahren wie in Deutschland. Fast.

Schule ist vorbei. Der Arbeitswechsel für die nächsten Freiwilligen allmählich am Rollen. Hier in Kamerun gibt es drei Monate Schulferien für die Kinder, Lehrer und Schulleiter. Auch für die Freiwilligen heißt das eine Menge Zeit zum Reisen.

Was auf meiner Liste noch fehlt ist die Fahrt in den Norden. Von Yaounde aus fährt ein Zug nach Ngaoundere. Das wäre doch was!

Zweiter Versuch: Auf nach Ngaoundere.
Also entschieden Laura, Lea und ich uns eine Woche Zeit zu nehmen, die Wanderrucksäcke zu packen und in de Adamawa-Region zu fahren. Nächste Woche. Lea wird Krank. Übernächste Woche. Wir fahren nach Bafoussam, feiern den Geburtstag einer Freiwilligen und wollen nächsten Tag nach Dschang, mit den Dschang Freiwilligen nach Yaounde und den Zug nehmen. Laura wird auch krank. Laura wird von Gregory in Bafoussam abgeholt, nach Bali zurückgebracht und Lea begleitet sie. Ich entscheide mich mit den drei Dschang Freiwilligen nach Ngaoundere zu fahren. Ein Tag wird noch in Dschang verbracht, eine kleine Studentenstadt. Kalt, viele junge Leute, französischsprachig. Aber eine schöne Stadt, mit See, vielen Bars und netter Innenstadt. Am Montag nehmen wir vier, Paul, Anna, Sophie und ich den Nachtbus nach Yaounde. 56 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Weitere 20 Stehplätze werden aber noch im Gang und auf den Treppen vorbereitet. Stellt euch das mal vor, sieben Stunden stehen, Nachts!
Ausruhen auf dem Grünstreifen, rechts das Schild, welches Sport und Hobbies untersagt

In Yaounde um sechs Uhr angekommen wird gleich ein Taxi zum Zugbahnhof genommen, wir kaufen uns Tickets für die zweite Klasse. Nach Ngaoundere macht das 15 Euro für ungefähr 14 Stunden Fahrt. Wir hörten geteilte Meinungen über die Zweite Klasse, Kinder kreischen, Leute sitzen im Gang, teilweise schlafen sie auch auf dem Boden. Es stinkt, der Zug ist zu voll, man wird beklaut. All das würden wir dann um zehn nach sieben erfahren, Abends, wenn der Zug dann losfährt.
Aber erstmal heißt es die zwölf Stunden in Yaounde zu verbringen. Die vorherige Nachtfahrt ermöglichte mir kaum Schlaf, den ganzen Tag den großen Rucksack auf dem Rücken, noch nicht gefrühstückt.
Der Tag in Yaounde war aber wirklich schön, nach einer langen Suche nach einem ordentlichen Frühstück verbrachten wir einige Zeit im schön angelegten Stadtpark, liefen eine Stunde einem Kerl auf dem Zentralen Markt nach, der schöne Schuhe für mich finden sollte, gingen in richtigen Supermärkten shoppen und liesen uns von einem "Polizisten" noch des Staatsstreiches beschuldigen.

Ich erläutere einfach mal kurz wie Polizisten sich von "Weißen" Geld erhoffen und wie das so ablaufen kann:

Wir saßen auf einer kleinen Grünfläche inmitten der Innenstadt, ein Schild wies uns darauf hin, dass es hier verboten sei Sport oder Hobbies auszuführen. Wir waren keineswegs die einzigen, die die Sonne und das weiche Grass genießen wollten, plötzlich kam aber ein Mann zu uns und sprach uns in französisch an. Ich kann nur das wiedergeben, was mir meine französisch sprechenden Mitfreiwilligen übersetzt haben, der Mann reagiert geradezu energisch aggressiv, als ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich eben kein französisch Spreche. Er kam also an und zeigt uns für eine halbe Sekunde lang (vielleicht +/- einige Millisekunden) seinen Polizeiausweis. Ich konnte in der Zeit und dank seines Daumens verdeckt nur "Hygiene" lesen. Sofort sehr aggressiv und einschüchternd meinte er es sei verboten hier zu sitzen. Mal abgesehen von den anderen Menschen die da noch so sitzen, leider aber nicht mehr da saßen... Ich fragt ob ich nochmal seinen Ausweis sehen dürfte, wieder zeigt er ihn nur wenige Millisekunden, verdeckt durch seine Wurstfinger. Nochmal bitte: Police Department of Hygiene. Was ist denn die Abteilung für Hygiene? Oberhausmeister? Nun sammelte er unsere Pässe ein, durchsuchte sie nach Fehlern, abgelaufene Visa oder etwas Unleserlichem.
Er faxte dann nicht lange herum, es ging dann ziemlich schnell um Geld, wer hier sitzt bezahlt eine Strafe. Und dann kam ihm ein Lichtblitz: Die Kamera! Nun haben wir wohl Fotos von Regierungsgebäuden gemacht, wir seien vielleicht Spione, er würde uns zur Polizei schleppen, oder wir bezahlen umgerechnet knapp 300 Euro jetzt und er lässt uns in Ruhe. Die Pässe in seiner Hand, meine Kamera baumelte an der Trageschlaufe immer wieder an sein Knie. Ich meinte, er sollte sie doch einfach bitte festhalten, er könne diese Kamera niemals bezahlen und ein Objektiv sei verdammt sensibel. Er schrie mich an, meinte ich solle doch die Botschaft anrufen. Ich rief an, auch wenn ich auf Deutsch redete, merkte er wohl, dass ich nicht scherzte. Zu meinem Unglück ging nur eine dummer menschlicher Anrufbeantworter dran, es zeigt aber Wirkung, er bat mich aufzulegen und nun reichten ihm ungefähr 75 Euro. Ich, leider aufgelegt, rufte gleich nochmal an. Nun fing er an englisch zu sprechen, eins, zwei Bier würden ja auch reichen, gab uns die Pässe zurück, meine Kamera wollte er noch behalten. Ich rief gleich nochmal den automatischen menschlichen Anrufbeantworter an, redete kaum mit der unnetten Dame sondern sagte nur viele Sätze mit Kamera und Police und Korruption. Der Mann stand auf, gab mir meine Kamera, dann seine Hand und sagte in etwa "Ich bin (Name des Polizisten), wir sind doch gute Freunde." Natürlich in flüssigem englisch. Wir durften gehen, hatten inmitten Yaounde und den vielen Gesichtern einen neuen Freund gefunden. Nicht.

Anna, Max und Sophie vor der Bahn nach Ngaoundere
Direkt hinter mir: Die Hälfte ist gefüllt mit Soldaten
Danach ging es gleich zum Zug, wir aßen noch kurz etwas und dann ging es auch schon los. Hektisch wurden die Zugtickets und Pässe kontrolliert, zum Zugabteil, wir hatten das letzte gaaanz hinten, mussten wir fast rennen. Innerhalb von ungefähr einer Viertel Stunde war der ganze Zug voll, das Gepäck vom Sicherheitsmann richtig verstaut und pünktlicher als die Deutsche Bahn konnten wir um 7:11 (Geplante Abfahrtszeit 7:10!!!) den Bahnhof in Yaounde verlassen. Was passierte uns mal wieder? Wir teilten uns das Zugabteil mit einer großen Gruppe von Brigade-Soldaten. Allesamt mit geladenen automatischen Gewehren und in bester und angetrunkener Laune. Sie wären auf dem Weg die Boko Haram im extremen Norden zu bekämpfen. Boko Haram haben in letzter Zeit gezielt Weiße im extremen Norden Kameruns entführt und grundsätzlich für eine Menge Angst und Schrecken gesorgt. Das heißt doch, dass die vier Weißen im Zug denen Dankbarkeit und ein offenes Ohr schuldete. Wir freundeten uns ziemlich schnell mit ihnen an, scherzten mit ihnen. Man hörte die Angst und Verzweiflung aus dem Gerede der jungen Menschen, sie wussten, dass nicht alle von ihnen wiederkommen würden, wenn überhaupt einer. Schwäche durften sie aber vor ihren Kameraden nicht zeigen, sie ertränkten die Schwäche in Witz und Alkohol. Wir saßen also im Partyzug. Zum Zug selbst: Besser als die zweite Klasse in Deutschland! Man kann sogar die Fenster öffnen, wenns zu warm wird. Der Zug ist aus lauter gegenüberstehenden Sitzreihen aufgebaut, aus lauter "Vierern". Die Sitze und der Zug sauber, Kinder gibt es zwar einige, aber kamerunische Kinder schreien einfach nicht auf reisen, das geklaut wird durch einem Guard an jedem Ausgang unterbunden. Nach jeder Station findet eine Passkontrolle von Polizisten statt. Also alles tipitopi. Einziges Manko: Wir kauften als eine der Ersten unsere Zugkarten, waren also im ersten Abteil direkt am Zug. Der starke Dieselmotor machte einen Lärm, mit dem wir fast die ganze Nacht durch zu kämpfen hatten.
Die Soldaten nochmal ganz.
Dann wurde auch noch gut jede Stunde angehalten, die Fenster auf, Sachen gekauft und weitergefahren. Etwas nervig, aber wie sollte man denn sonst auf 15 Stunden kommen?
Auch diese Nachtfahrt schlief ich nicht viel, ich wusste nicht wohin mit den Beinen, wie sitzt man gemütlich zum Schlafen, dann noch gegen die Fahrtrichtung und ach irgendwie sind diese Nachtfahrten nichts für mich.
Da lacht der Paul noch, freut sich ...
Gegessen wir auf Teppichen. Lecker Ziegenfleisch.
Morgens wachte ich dann ziemlich früh auf und die Landschaft war irgendwie anders. Das Graß saftig grün, mehr flach, wo sind alle Palmen hin? Achja, jetzt sind wir in der Adamawa-Region. Bekannt für den Viehhandel, das gute Fleisch, viele Kühe, Schafe, Ziegen, weniger Landwirtschaft. Und noch eine Veränderung: Nun sind Christen in der Minderheit. Die meisten Menschen im Norden kommen von den Familien der Fulani, Bororo oder Hausa, alles muslimische Völker. Was ist aber schon der unterschied zwischen Muslime und Christen? Die Muslime sind groß, schlacksig, dünn, haben anderes Haar. Sie tragen Körperlange Gewänder, meist in weiß, Meister-Proper-weiß (selbst der Automechaniker ist sauber wie ein sauberes Baby), Muslimenkäppchen und Lederschlappen.
...den Mt. Ngaoundere zu besteigen, dann aber...
...tritt er in einen gut 2cm langen Stachel, aua!
Auch das Feeling am Bahnhof ist ein Anderes. Es ist alles irgendwie entspannter, man wird weniger herumgeschubst, weniger angesprochen, man glaubt kaum noch, weiß zu sein. Taxifahrer rufen nicht mich, sondern ich die Taxifahrer. Taxis gibts eh kaum, eigentlich fahren nur Motorradtaxen. Auch die Motorräder sind anders, fahren geschmeidiger, langsamer, sind viel leiser. Erster Eindruck: WOW!

Das Sekräriat des Lamidat.
Nach einer langen Hotelsuche ohne Frühstück treffen wir einen Freund von Gregory, Derick. Er zeigt uns ein Hotel direkt am Bahnhof, wir entscheiden uns dafür. Sieben Euro für ein Doppelzimmer pro Nacht. Bett und Bad, perfekt für Freiwillige.

Strohbedeckte Häuser im Innenhof des Lamidat.
Ich war fasziniert von Ngaoundere. Kaum zwei Stunden da, schon habe ich mich verliebt. Um 13.30 ging dann das Gesinge los, die Menschen gingen mit ihren Teppichen Richtung Moschee, legten ihren Teppich nebeneinander und beteten zusammen. Der Verkehr fiel flach, Dank Ramadan hatten wir auch Schwierigkeiten Tagsüber etwas zu Essen zu bekommen. Überall gab es dann aber super leckeres Fleisch zu essen, viele Datteln, Lederschuhe, Kinder liefen mit heißem Tee zum Verkaufen herum. Der Kleine Markt, der viel größer ist als der Große Markt, bietet Alles an, was man möchte. Der Große Markt ist eher traditionell gehalten, viele Schneider und Gewänder, Kappen und Schuhe werden dort angeboten. Paul und ich liesen uns von einem Barbier traditionell rasieren. In die Stadt habe ich mich verliebt.

Am Freitag liesen wir uns durch den Palast von Ngaoundere führen, dem Lamidat. Freitag ist ein besonderer Tag, da der Lamido, der König, zur großen Moschee läuft und mit den anderen betet. Ungefähr tausend Menschen beteten da auf den buntesten Teppichen mitten in der Mittagssonne. Danach wurde im Lamidat der Lamido mit einer Knick und dem Berühren des Bodens mit beiden Händen begrüßt und dem Musizieren und Tanzen der Leute zugesehen. Ein wundervolles Erlebnis.
Gut 1000 Männer beten um halb zwei an der großen Moschee.
Schon wird der Lamido zurück in den Lamidat
eskortiert.
Die verrückte Dschang-Crew.
Am Samstag fuhren wir dann zusammen mit Derick in den Benue Nationalpark um ein paar Tiere zu sehen. Nach einer zweistündigen Panne liefen wir dann mit unserem zu kurz geratenen Guide und einer Wache durch den Nationalpark. Die Tiere ließen sich leider nicht so zahlreich blicken, wie gedacht. Wir sahen zwar ein paar Antilopen, Schildkröten, Papageie, Krokodile und Affen, Giraffen, Nilpferde und Hyänen haben sich aber nicht sehen lassen. Trotzdem war es ein schöner wenn auch, dank Panne, nervenzehrender Tag.
Gleich am nächsten Morgen um sieben sollte es dann zurück gehen, nicht mit Bahn sonder mit dem Bus. Über schlecht ausgebauten Straßen fuhren wir ungefähr 24 Stunden über Tibat, Banyo und Foumban nach Bafoussam. Ich nahm dann gleich den Bus weiter nach Bamenda und das Taxi nach Bali. Die Fahrt erlaubte kaum Schlaf oder Ruhe, ich bekam Muskelkater und Poschmerzen, dank ungemütlichen Sitzbänken und noch ungemütlicheren Straßen. 
Sieht man den Affen in der Mitte des Bildes?


Unsere Gruppe im Benue-Park, der Guide unten rechts ist einfach zu klein.
Der Benue-Park, wunderschöne Landschaften
Diesmal eine Antilope.
Von der Busbank auf die nächste Bank in Banyo,
erstmal ausruhen von der Fahrt.
Anschieben mussten wir den Bus zum Glück nur einmal.

Fix und fertig aber mit einer neuen Lieblingsstadt, Ngaoundere, erreichte ich dann mein schönes Haus in Bali am Montag. Und Laura sollte Donnerstag schon zurück nach Deutschland. Lauri war die letzten Monate leider immer wieder krank geworden und entschied sich dann spontan nach Hause zu fliegen, noch eine Woche Fieber, noch mehr Zeit im Bett verbringen, dass wollte sie nicht mehr ertragen.
Das letzte Bild von Lauri. 
Was macht der Typ da?

Ich fuhr nach Lauras abfahrt dann nochmal nach Kumbo, Pauline und Grace besuchen.

Nun sind schon einige Freiwillige weg, die Bafoussam Freiwilligen haben mich noch einmal besucht und das Haus ist ohne Laura doch etwas leer. Jetzt muss noch der Plan für die nächsten Freiwilligen ausgefeilt werden, der Boss ist bestimmt, der Mentor hier in Bali wird Gregory sein. Den Schulleitern der Schulen, an denen die nächsten Freiwilligen nicht mehr unterrichen muss gebeichtet werden, dass sie eben nicht mehr im Programm sind, den Übriggebliebenen muss das neue Konzept vorgestellt werden. Unserer Organisation wurde mittlerweile gut abgesagt, er wartet nur noch auf den letzten Bericht von meiner Seite, die Lust diesen zu schreiben hält sich aber in Grenzen.

Könnte ich mir jetzt nochmal meinen Freiwilligendienst-Einsatzort auswählen, würde ich Ngaoundere auswählen!


Liebste Grüße, ich komme!

Donnerstag, 12. September 2013

Arbeit, Arbeit! und Rezeptekampf

Aber zuerst: Bafoussam, Jamilas Geburtstag.
Wir also wieder so: "Los ihr Shisong-Freiwilligen und sonst alle, die gerne kommen möchten, übernachtet bei uns!", "na, klar".
Darauf so: "Essen, schlafen, frischmachen, eine Stunde auf unser Taxi warten, Bus nach Bafoussam nehmen, schöne Landschaft, Polizeikontrolle... Und BÄM alles wieder französisch, na klasse."

Das fasst meiner Meinung nach die Hinfahrt nach Bafoussam zusammen, wir hatten mal wieder Besuch, fuhren gemeinsam zu Jamila und Marie und alles, einfach alles was lebt und kräht, lebt und kräht auf französisch. Selbst unbelebte Dinge wie Schilder, Pfosten und Auto lassen sich mit französischen Wörtern schmücken. Dabei muss ich ganz ehrlich zugeben, dass es mich diesmal eindeutig weniger "gejuckt" hat. Spricht ein Verkäufer kein englisch, dann kaufe ich nicht bei ihm ein, weiß ein Taxi nicht wohin ich will, lass ich andere sprechen, verstehe ich immer noch kein Wort, was auf dem Werbeschild dort oben steht, dann weiß ich es eben nicht.

Aber ich lenke ab, Jamila und Marie holten uns von der Chefferié in Bafoussam ab, mit ihnen kam auch ein älterer Herr, der die beiden Mädels wohl gerne verfolgt, ihnen aber nichts tut und auch nicht redet (Etwas gruselig war der Gute schon, vor allem weil er nichts gesagt hat).
Auf die Motos, fertig, los ging es dann zur Wohnung der Mädels, ein riesiges Wohnzimmer, zwei große Zimmer, eigene Bäder und eine Praktikantin welche kocht. Zugegeben, die Praktikantin kochte, weil Jamila und Marie sie sie darum gebeten hatten und weil die drei eben zusammen wohnen, aber witzig war es anfangs schon. Die Praktikantin ist nebenbei eine Gebärdensprachstudentin und arbeitet im selben interessanten Projekt wie Jamila und Marie, nämlich in einer Gehörlosenschule. Die beiden Mädels werden also wahrscheinlich aus Kamerun wiederkommen und fließend französisch sprechen und kamerunische Gebärdensprache ...(ist das Wort dafür "zeigen"?!?) können. Ein Wow dafür!

Gefeiert wurde der Geburtstag mit Tüten-Vodka und ein paar Becks "Made in Germany". Es war toll das Alle außer zwei Freiwillige den Weg auf sich genommen haben um nach Bafoussam zu kommen und dort die Gesichter der anderen zu sehen. Besonders Maxim und Mimi haben eine ziemlich anstrengende Route ausgesucht, die beiden Pappnasen kamen nämlich um zwei Uhr nachts inmitten dem gefährlichsten Gebiet in Bafoussam an. Nach bezahlen eines Busfahrers und einigen Telefonaten kamen sie dann in einem verhältnismäßig großen Bus wenigstens in die Nähe von Marie und Jamila, wie aber sollten wir noch zum Paul kommen? Es war zwei Uhr nachts, Bafoussam gilt als generell eher gefährlich und Paul und ich hatten drei Mädels dabei, also den Busfahrer wieder bezahlt und für 1000F pro Person, also ungefähr die Kosten für die Fahrt von Bamenda nach Bafoussam, wurden wir vor der Haustür von Paul abgesetzt. Ein bisschen mulmig wurde mir schon, als sich jemand gedacht hatte, ich springe mal auf und halte mich hinten am Bus fest, um ein Stückchen mitzufahren. Ich kam mir ganz ehrlich wie in einem schlecht gemachten Zombiefilm vor, die Straße ist kaputt, der Bus wackelt wie verrückt hin und her und ein Zombie klettert mal eben auf den Bus und versucht unsere Hirne zu futtern. Als der Zombie nach dem aussteigen aber "Gute Nacht" sagte, fühlte ich mich eher wie in einer schlecht gemachten Zombie-Komödie. Es war zum schießen, genau solche Situationen sollte man doch als Fremder in einem noch fremderen Land vermeiden.
Umso besser schlief es sich zu dritt in einem Bett, früh aufstehen war angesagt, wir wollten ja um 12 Uhr wieder bei Marie und Jamila sein um das Geburtstagsfrühstück nicht zu verpassen. Gesagt, getan, ein leckeres Frühstück wurde abgehalten, 18 Leute auf einer großen Decke, diese Decke gefüllt mit Brot, Backwaren, verschiedenen Aufstrichen, Avocadocreme, Rührei, Früchten und noch einiges mehr.
Das einzig schöne Foto von der Party
Nach einer echt lustigen und schönen Geburtstagsnacht, rief mich um sieben Uhr unser geliebter Chef Patrick an: "Seid spätestens um 12 in Bamenda, heute treffen wir den Fon."
Da Cheffes Wort Gesetzt ist, dackelten wir also langsam alle auseinander, nahmen ein Moto zum Busbahnhof nach Bamenda. Zwei auf jedes Moto, mit Gepäck und allerlei. Am Busbahnhof waren wir aber auf einmal nur noch zu viert, Laura und Jules Motofahrer kannte den Weg nicht und fuhr einfach zu einem anderen Busbahnhof. Das sollte uns natürlich nicht stören, viele Wege führen nach Bali, Pauline, Lea, Charlott und ich nahmen halt das Busunternehmen Mazi Voyages und Lauri und Jule eben ein anderes. Der Preis von 1000F ist gleich und die Taxifahrt zum anderen Bahnhof hätte das selbe nochmal gekostet.

Die Fahrt über wurde viel gequatscht, ich kaufte uns Erdnüsse, die zum knabbern für zwischendurch verkauft werden, und wir fuhren wieder über Stock und Stein, Berg und Tal, bis die Skyline von Bamenda gesichtet wurde. Da wir ja in Eile waren, es schon 13 Uhr auf dem Wecker zeigte und Patrick uns doch dem Fon von Bali vorstellen wollte fuhren Lea, Laura und ich geschwind ins Haus zurück, Klamotten wechseln, frisch machen und so weiter. Da wir aber fast gänzlich gedacht und gehofft haben, Patrick komme nicht, kam er eben auch nicht. Und das Obwohl Laura ihn noch in Bamenda im Taxi gesehen hat. Uns sollte das nicht stören, wir machten uns einen schönen Sonntag Nachmittag und Abend, hielten ein Mittagsschlaf und liessen uns vor dem ersten Schultag noch einmal auf der faulen Haut liegen.


Darauf ging alles furchtbar schnell, früh aufstehen (für meine Verhältnisse ist 7:00 Uhr früh!), schnell frischmachen, die Avocados zu einer Creme zerdrücken, schnell das weiche Weißbrot mampfen und aufi aufi.
Es ging zu P.S. Njenka. Die Presbyterian School in Njenka, keine 10min Fußweg. Die Lehrer schienen nett und zuvorkommend, die Kinder froh und verspielt. Kurz mit dem Schulleiter gesprochen und ab ins kalte Wasser.

"Goooood mooorning Teachers, goooood mooorning Friends, bla bla bla, fear of the Lord is the beginning of wisdom!" "Good Morning, sit down."

So fängt die Stunde also in einer protestantischen Schule an, dachte ich mir. Was wohl noch alles kommt?

Alles paletti, ich hab mich vorgestellt, eine kleine Runde Hangman mit "Ni Max" gespielt, sie Namensschilder basteln lassen, ein Partnerinterview mit den Schülern*innen gemacht, kurz den Wissensstand mithilfe einer Mindmap abgefragt. Dabei merkt man, dass alle Schüler*innen ähnlich sind, muss ein Kind auf die Toilette, so müssen sie alle einmal, traut sich ein Kind etwas zu sagen, wissen die anderen aufeinmal auch viel mehr, fängt der eine an zu klatschen, so klatschen sie alle. Der größte Nachteil an den meisten Schulen hier in Bali ist, dass sie verdammt hellhörige Wände haben und nur mit Blechdächern ausgestattet sind. Rufen und Klatschen die Kinder, so hören das die fünf benachbarten Klassen, regnet es, so hört es die halbe Stadt. Es ist also wichtig sich Ruhe und Gehör zu verschaffen, ich bin gerade dabei ein paar Mittel und Methoden auszuprobieren.
Nachdem die Mindmap halbwegs komplett und Time2be angesagt war, war auch schon Schluss, meine ersten zwei Stunden in einer kamerunischen Schule. Das war auch schon mein Stundenplan für Montag, nächste Woche kommen noch zwei Stunden Time2be hinzu. Ich hab mich aber schon nach diesen zwei Peanutstunden gefühlt wie nach der 13. Stunde Sport. Der Magen knurrte, die Stimme war weg, die Beine wollten mich nicht mehr tragen. Und es war doch erst 11 Uhr...
Alle schön brav am Interview ausfüllen


Jede Schule hat ihre eigene Schuluniform, Holy Infant entschied sich für Türkis und Pink. Für Jungs und Mädels.
Sogar Wäsche muss ich nach der Schule noch waschen, Kinder sind immer dabei und heitern einen auf


Dann Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Neben ein paar Besuchen beim Inspector und beim Ba D.O. lief nur Schule und Ausruhen. Noch einige male erklang das "Good morning Teachers, good morning Friends, fear of the lord is the beginning of wisdom." im Schülerchor. Das gehört einfach zur Standardbegrüßung und ich werde es wohl über das Jahr hinweg noch öfters hören.

Patrick rief uns dann mal wieder an, um uns zu sagen, wir gehen am Freitag nach Batibo, wenn wir wollen können wir dort Schlafen, am Sonntag kommt dann endlich Dustin und Lea hat ihren Mitfreiwilligen. Ob das alles so geschmeidig funktioniert, weiß ich jetzt noch nicht, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Das waren die letzten Erlebnisse, wir sollen jetzt noch irgendwann den Lehrplan und Bücher bekommen, uns bei der Polizei und Brigade vorstellen und eine Schule wird vielleicht noch gewechselt.

Morgen ist Freitag, ein Tag den die vorherigen Freiwilligen frei hatten. Wir haben aufgrund von großer Nachfrage noch zwei weitere Schulen bekommen und wurden auf acht Schulen aufgestockt. Eine Schule benötigt keinen ICT-Lehrer und wir sollen deshalb dort nur Sport unterrichten. Vielleicht werden wir dem aber nicht entgegenkommen und uns auf sieben Schulen und Time2be konzentrieren. Alles Verhandlungssache, Patrick war aber nicht abgeneigt uns etwas zu entlasten.

Im nächsten Post werde ich versuchen meine Arbeit und meine Aufgaben für euch ein bisschen transparenter zu gestalten.

Und schließlich noch ein klein großer Wettkampf:


Ersteinmal zur Situation: Ich muss mich ja irgendwie selbst versorgen. Laura und ich sind ziemlich gut darin, jeweilige Zutaten in einen Topf zu werfen und mit ein bisschen Salz und Pfeffer etwas leckeres zu zaubern. Vorhanden ist ein Gasherd und Töpfe und Pfannen. Obst und Gemüse gibt es hier reichlich, Dosenwaren aber nicht. Auch Tiefkühlkost ist hier mehr als unüblich.
Das größte Problem ist einfach die fehlende Milch. Keine Milch heißt kein Käse, kein Quark, keine Sahne, etc. Und darüber stolpert man doch öfters einmal, so eine Scheibe Käse obendrauf und alles wäre in Butter. Hier gibt es zwar Milchpulver on mass aber Milch ist das nicht wirklich. Da wir drei gerne und abwechslungsreich Essen, haben wir mittlerweile ein Rezeptebuch der besten Gerichte angefangen. Da sind jetzt noch einige Seiten leer, und Ihr habt die Chance die Seiten aufzufüllen.


Der Wettkampf lautet wie folgt:

Findet für uns armen Freiwilligen ein leckeres Essen, schickt mir in den Kommentaren das Rezept und was sonst dazu gehört. Wir werden dann alle möglichen Gerichte nachkochen und entscheiden welches das Beste ist. Die Gerichte, ob zum Frühstück, Mittagessen, oder zwischendurch sollte vegetarisch und köstlich sein. Einsendeschluss ist dann, wenn wir satt sind ;)

Der oder die Gewinner bekommen eine Postkarte geschrieben, von mir selbst, und sie dürfen sich darüber gewiss sein unser Rezeptbuch vervollständigt zu haben. 

Ich freue mich über eure Kommentare und Rezepte, und denkt dran keine Milch (Heul!!).


Noch ein kleiner Nachtrag: Ich habe ein paar Fotos, von Besuch, Wohnung und Schule angefügt. Schaut euch auch mal die letzten Einträge an. Zusätzlich versuche ich gerade eine Galerie zu bauen, das Internet hier ist aber zu langsam um die Seite zu laden. Da denke ich mir noch etwas aus.

Donnerstag, 5. September 2013

„Je ne parle pas le francais"

Da Paul ja noch da war und unser Chef Patrick uns irgendwann Bafoussam zeigen wollte, entschieden wir vier uns, die kurze Reise aufzunehmen und nach Bafoussam zu fahren. An der Hauptstraße trafen wir einen netten Studenten, da die meisten Taxis vom Zentrum Balis losfahren und in Njenka, unserem Einstiegsort, schon voll sind, fuhr er kurz mit einem Okada (ein Motorradtaxi) ins Zentrum und besorgte ein Taxi für uns alle. Angekommen am Hospital Roundabout in Bamenda, der Ein- und Ausstiegstelle für alle Fahrten in die Umgebung, fuhren wir dann mit Student zur Bamenda Busstation, es gießte in strömen und der Student bezahlte nicht nur die Taxifahrt, sondern zeigte uns auch den Ticketschalter und unseren Bus nach Bafoussam.

Wir wurden „gewarnt“, wir sollten auf die Interaktion und Umgehensweise mit Fremden aufpassen. In großen Städten dreht sich viel um Geld, und Weiße werden durch Fernsehen und Medien immer als reich dargestellt. Der Warnung nach freunden sich deshalb einige mit dir an, um Gegenleistungen zu sehen, geben dir ein Bier aus, um zwei zurückzubekommen und so weiter.
Das Gefühl hatte ich bei dem netten Studenten ganz und gar nicht, er hat uns nicht nach unseren Namen, Adressen oder Handynummern gefragt, wollte keine Gegenleistung und war total erfreut uns und unsere Geschichte zu hören. Es blieb bei einem netten Tschüss und er wünschte uns eine schöne Reise.

Die Reise in dem öffentlichen Bus war … sagen wir es knackig ;) Es regnete immer noch, das tat dem Überfahren der Schlaglöcher mit ungefähr 120 km/h aber keinen Abbruch. Drei Stunden sollte die Fahrt durch die Berge, über schöne Landschaften und durch einigen Polizeikontrollen dauern, in guten zweieinhalb standen wir inmitten Bafoussam. Und diese zweieinhalb Stunden reichen schon und ich verstehe kein Wort mehr. Jetzt heißt es zu den unzähligen Straßenverkäufern nicht mehr „No, thank you“ sondern „No, merci“. Lea war mir so nett und brachte mir „Je ne parle pas le francais“, also „Ich spreche kein französisch“, bei. Selbst die Fahrt zum King's Palace zur Pauls Wohnung hätte ich wahrscheinlich nicht arrangieren können.
(Das Blödeste was mir mit dieser Sprachbarriere passiert ist, ist wohl das Antworten mit „Bonjour“ auf „la belle blanche“ … der Kerl hat komisch geguckt ;) )

Hunger macht erfinderisch, also gab es zum Abend Baguette belegt mit gebratenen Spaghetti in Ei, welches wir so auch am Busbahnhof von Bamenda gesehen hatten. Dazu noch Avocadocreme und Streichkäse. Getrunken wurde Tee oder Wasser aus dem Wasserfilter.

Pauls eigene Treppe


Und irgendetwas von dem da oben genannten (ich vermute mal die Avocado!!!) lies mich den nächsten Tag lange lange schlafen, ich war krank. Mit Übelkeit und ohne Power verbrachte ich meine ersten Krankheitstag in Kamerun in Pauls Bett in einer fremden Stadt mit einer fremden Sprache. Bafoussam sammelte Unsympathien, eine Menge negative Punkte die sich dort anhäufen.
Patrick bewertete meine Bettlägerichkeit mit einem lachenden „Welcome to Cameroon, hehe“.
Das war auch schon alles was ich von diesem Donnerstag mitbekommen habe, ich hab gepennt und gepennt.
Am Freitag sollte es dann zurück nach Bali gehen, der Elektriker sollte kommen und wir bekamen selber Besuch. Extra früh aufgestanden, extra schnell gefrühstückt, extra schnell am Busbahnhof gewesen für: eine Stunde warten am Bahnhof. Der Bus kommt eben dann wenn er kommt, bin ich in Eile und verhalte mich hektisch und genervt, dann kommt er eben noch eine halbe Stunde später. Man lernt eine gewisse kamerunische Ruhe lernen und lieben, auch eine Stunde stehen machen mir mittlerweile gar nichts mehr (und ich bin erst zwei Wochen hier!!!).
Dann die ganze Strecke zurück, mit 23 Leuten, davon vier Kleinkinder, über die Polizeikontrollen, die Landschaft, die Berge, den Busbahnhof in Bamenda, Hospital Roundabout und Njenka. Da sitzen sie schon, vier Besucher aus Kumbo. Wenn ich mich recht erinnere, dann standen da eigentlich nur drei, Charlotts Okadafahrer war übereifrig und brachte sie angeblich direkt zu unserem Haus. Wo war Charlott also, so ganz ohne Handy und Ahnung wo was ist in Bali?
Sie war wirklich bei uns zuhause, der Okadafahrer war so nett und hat sie direkt vor unserem Haus abgestellt.
So hatten wir also schön Besuch von Pauline, Jule, Moritz und Charlott, tranken ein bisschen Bier und Wein, aßen gemeinsam und ließen den Abend gemütlich mit unserer Nachbarin Ernestine ausklingen.
Lecker Frühstücken, auf dem größten Tisch der Welt, der Boden. In der Cola-Flasche ist nebenbei Honig!


Lea und Lauri waren so froh über diesen Besuch, dass auch sie sich einen Tag im Bett freinahmen. „Welcome to Cameroon, hehe“ sagte Patrick mal wieder... jaja willkommen, ich bin doch schon daha!

Dann nimmt man sich eben zwei andere Mädels, nämlich Pauline und Jule, und zeigt denen Bali. Dort ist der Markt, hier das Zentrum, hier ist der Palast des Fons.

Was ist ein Fon? Ein Fon (woher der Name kommt weiß ich gar nicht genau...) ist der traditionelle „König“ einer Kulturgruppe. Noch vor wenigen hundert Jahren gab es einen großen Bürgerkrieg in Kamerun, die Balianer ergriffen die Flucht und suchten eine neue Region. Eine Frau namens Nanyonga führte ihr Volk dann zu dem Feld, wo heute der Palast des Fons von Bali steht. Dort wurde Bali gegründet und der jetzige Fon ist der fünfte. Dieses Chiefdom (so heißt es, auch Fondom) ist stark respektiert und wird deshalb auch vom Staat und der Regierung akzeptiert und als Gewalt benutzt. Ein Volk hört auf seinen Fon und seine Anweisungen.

Immanuel, der Rezeptionist des Fons führte uns kurzerhand durch den Palast und erklärte uns die Verhaltensweisen im Palast. Mit Flip-Flops reinzugehen ist zum Beispiel nicht erlaubt, um zum Fon zu gelangen muss man ihn erst durch Klatschen seine Aufmerksamkeit erlangen und in der Anwesenheit des Fons läuft man gebückt,bis er einen gestattet gerade zu laufen.
Darauf erzählte uns Immanuel, den wir anrufen müssen, falls wir mit dem Fon sprechen möchten, kurz die Geschichte Balis und die Funktionsweise der traditionellen Gewalt.

Am Dienstag kam Patrick, um mit uns die zukünftigen Projekte und unseren Stundenplan mit uns zu besprechen. Dazu mehr im nächsten Post.
Darauf ging es zur Vorstellungsrunde an den sieben Schulen und einigen wichtigen Autoritäten.
Die Vorstellungen liefen alle ungefähr so ab: Wir sind die neuen Freiwilligen, Laura und Max, das ist Lea, sie wird in Batibo leben und arbeiten, und eine kurze Vorstellung der angepeilten Projekte. Vier Schulen in Njenka und im Zentrum Bali wurden abgeklappert, der Bürgermeister war nicht anzutreffen, also stellten wir uns beim Sekretär vor, dann der Zuständige für die Grundschulen und Mittelstufen, den Inspector of basic education. Er hatte sich gedacht, dass wir doch auch an der Schule unterrichten könnten, an der er selbst als Kind war, also fuhren wir ca. 15km auswärts, immer noch in Bali, um seiner Schule und den Lehrern vorgestellt zu werden. Und die Lehrer waren froh, das kann ich euch erzählen. Zuerst wussten sie nicht recht, was sie mit den drei Weißen machen sollen, als sie dann hörten, wir würden zukünftig auch an ihrer Schule unterrichten, fingen sie an zu singen und zu rufen. In ihren Augen konnte man ernsthafte Freude sehen, sie begrüßten uns herzlich mit Handschlag und Danken. Auch der Direktor der Schule war sprachlos als er von uns erfuhr. Das war ein schönes Gefühl, so nett und freudig empfangen zu werden. Da dürfen wir jetzt also jeden Freitag hin, die Fahrt wird uns zum Glück bezahlt.
Nach einem netten Bier mit dem Inspector und einem Direktor einer anderen Schule um 12 Uhr fuhren wir wieder zurück nach Bali Zentrum.
Die Schultour war aber noch nicht vorbei und als wir dann ziemlich kaputt und müde zu Hause ankamen, hatten wir am Donnerstag noch zwei weitere Schulen und den zuständigen Politiker für Bali vor uns.

Am nächsten Tag, etwas verregnet und grau, ging es dann zu Regierungsschule in Njenka. Und das Njenka größer ist als gedacht, erfuhren wir über den ca. 20 Minuten langen Fußmarsch durch den Urwald durch. Diese Schule steht auf einem Plateau mit herrlicher Aussicht, der Schulleiter ist sehr nett und offen für uns. Wir wurden natürlich gleich wieder allen freudig vorgestellt, lernten Lehrer und Schüler kennen und eine Lehrerin hätte für mich sogar eine Tochter zum heiraten. Alles ist abgesichert hier ;) (Kuss an Caro!)
Die letzte Schule, mit sehr jungem Schulleiter hat mir bis jetzt am besten gefallen, alle Kinder kamen raus, stellten sich auf den Hof in Reih und Glied, begrüßten uns mit Gesang und Tanz. Und das alles komplett spontan.
Der zuständige Politiker, der Subdivisional Officer of Bali Subdivision (D.O.), war leider in einer Besprechung und hatte erst am nächsten Tag um 10 Uhr Zeit für uns. Nach Hause, Schlafen, Aufstehen und wieder zu viert auf einem Okada zum D.O.
Und dann das: Der Politiker erzählt uns kurz und knackig über das politische System Kameruns, seine Rolle, die Rollen der anderen Autoritäten, des Fons, eine kurze Geschichte, sichert und Unterstützung und Sicherheit zu, nebenbei Smalltalk und ein paar Handyanrufe. „Life is easy, why should I make it difficult?“. So ungefähr seine Lebenseinstellung. Er sagte uns wir sollen Spaß haben, Bierchen trinken, wenn uns Bierchen angeboten werden, Tänzchen tanzen, wenn wir tanzen wollen, lud uns ein, in seinem Haus zu speißen an einem wichtigen Tag in Bali (welcher, kann ich nicht ganz reproduzieren), fragte uns ob wir denn nicht einen netten Kameruner oder Kamerunerin heiraten wollen, und wenn wir für immer in Bali leben wollen, so sollen wir das gerne tun.
Zusätzlich gab er uns seine Nummer, und die Nummern von Polizei und der Brigade. Wenn irgendetwas sein sollte, sollen wir ihn oder die ihm Untergestellten anrufen und es wird geklärt.
Der Ba D.O. ist meiner Meinung nach eine super nette Person, mit der ich gerne gesprochen habe und froh bin, mich ihm vorgestellt zu haben.

Ba D.O. Es gibt in Kamerun „Respekttitel“ wie Herr und Frau in Deutschland. Besonders ältere Personen werden mit Ni und Ma angesprochen. Also Ma Laura und Ni Max. Noch mehr Respekt zollt man Personen indem man ein Ba vor ihren Namen setzt, in dem Fall also Ba Kamara Divine Kamara. Aber auch Aunt Laura und Uncle Max sind ein Zeichen des Respekts und werden besonders von Kindern gebraucht.

Noch in dem Büro des D.O. kamen eine Peacecorp-Freiwillige und eine Mami (Mamis sind alle älteren Damen) dazu und der D.O. erzählte ihnen ungefähr das gleiche. Diese Freiwillige kommt aus den Vereinigten Staaten von Amerika und ist eine ehemalige Lehrerin, also auch schon eine Mami. Sie wird in Zukunft in einer Bank arbeiten, weiß aber auch noch nicht so recht, was und wie.
Carter, das ist ihr Name, ist jedenfalls sehr nett und wohnt sogar in unserer Nähe.

Wir fuhren dann auch gleich mit den beiden Mamis mit und versuchten uns bei Polizei und Brigade vorzustellen, die wichtigen Personen waren aber jeweils nicht anzutreffen.
Schon ist ein Tag vorbei und man sitzt in seinem Haus und wartet auf den Elektriker und das fließende Wasser. Patrick hat uns zugesichert, dass das Wasser „very, very soon“ zum laufen gebracht wird. Wir haben jedenfalls für heute unsere Vorräte aufgebraucht und warten nun auf unsere Nachbarin, die uns mal wieder dabei hilft an Wasser zu kommen. Das nimmt schon einiges der Energie in kauf, sich um Wasser zu kümmern. Unser Gesammeltes Wasser verstauen wir in 1,5Liter PET-Flaschen. Das ist der einfachste Weg viel Wasser handlich aufzubewahren, zeigt aber auch an den leeren Flaschen, wieviel man täglich wirklich verbraucht, und das ist eine Menge. Mittlerweile kann ich schon mit einer Hand voll Wasser duschen und mit einem halben Liter zwei Liter Suppe zaubern, macht mir das mal einer nach ;)

Das waren die Erlebnisse der letzten Tage, wir warten jetzt noch auf Besuch von Pauline, Jule und Charlott, um dann morgen im geliebten Bafoussam Jamilas Geburtstag zu feiern.

Ich hab einen Post ergänzt, den ich eigentlich schon länger schreiben wollte und versuche jetzt noch die alten Posts mit Bildern zu bestücken.

Ich hoffe euch geht es allen gut, mir geht es Bombe hier ;)