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Dienstag, 24. September 2013

"The fear of the Lord is the beginning of wisdom". Außerdem: Die Deutsche Botschaft in Paris

In diesem Beitrag gebe ich meiner Arbeit und meinen Aufgaben ein bisschen Raum.

Zuerst, besonders damit ihr ein schärferes Bild von Bali und meinem Alltag habt, wollte ich euch ein bisschen über Bali näherbringen. Der folgende Absatz ist aus Erzählungen und Unterhaltungen mit Balianern zusammengefasst. Ich kann für die Richtigkeit nicht bürgen, und auch nicht im Internet recherchieren, dort gibt es nämlich kaum bis keine Quellen über Bali.

Bali


Bali entstand wohl Anfang des 19. Jahrhunderts, eine Volksgruppe aus dem heutigen Nigeria wurde vertrieben und suchte lange nach einem geeigneten Ort und einer Heimat. Auf dem Weg zum heutigen Bali gab es viele Kämpfe und die Balianer wurden oft vertrieben, vom einem zum anderen Fleck. Nach einiger Zeit Starb der König dieser Gruppe, sein Sohn sollte das Volk in die neue Heimat führen, er war aber noch ein Baby (vielleicht auch noch im Bauch der Mutter, ich weiß es nicht genau). Da einer die Führung übernehmen musste, führte die Frau des verstorbenen Fons, genannt Nyonga, ihr Volk zum heutigen Platz vor dem Fon Palast. Hier konnten die Pferde weiden, das Volk Häuser bauen und sich ansiedeln.
Das ist auch der Grund, warum Bali mit vollem Namen Bali Nyonga heißt, Nyonga wurde dadurch gedankt, das sie einen „halben“ Fontitel bekam, bis ihr Sohn alt genug war. Im Prinzip ist Bali also von einer Frau gegründet wurden, auch wenn es ein Privileg der Männer ist, Fon zu sein und solche Entscheidungen zu treffen.

Ein paar Randinfos zu Bali noch:
In Bali, besonders in Njenka, leben viele Muslime. Zwar ist das Christentum die Staatsreligion aber traditionelle Religionen, andere Religionen oder sonstige Glauben sind in Bali akzeptiert. Deshalb gibt es auch viele Ortsteile, jedes mit eigener Tradition und unterschiedlichem ethnischem Hintergrund. Es gibt also einen „First-Class“ Fon, der Fon von Bali, und dann noch 17 „Second-Class“ Fons, für jeden Stadtteil und Völkergruppe einen.

Bali ist bekannt für die gute Universität in der North-West Region. Die Uni ist ca. fünf Minuten von unserem Haus entfernt und wurde irgendwann in den 20ern eröffnet. An sich scheint Bali eine ziemlich „gebildete“ Stadt zu sein, kann eine hohe Anzahl an Schulen nachweisen und hat einen vergleichsweise niedrige Analphabetenrate.
Das Gesundheitssystem ist gut ausgebaut, es gibt fünf Kliniken in Bali und sonst in Bamenda einige Krankenhäuser.
Zusätzlich soll das Stromnetz eines der besten in der North-West Region sein, durch die N6 nach Nigeria ist Bali auch Straßentechnisch gut ausgebaut.

Im Anschluss noch eine beschriftete Karte vom lieben Google.
Ich hoffe ihr klickt euch mal ein bisschen durch und bekommt ein bisschen Gefühl für meine Euphorie für Kamerun.




(Klick einfach auf das Bild und schnupper rum. Du kannst auch hier klicken.)


Camaay


Wie schon kurz beschrieben, bin ich in der Organisation "Cameroon Association of Active Youth" kurz CAMAAY tätig. CAMAAY ist eine kleine Organisation mit Sitz in Bamenda und hat sich der Unterstützung der Jugend, besonders minderpreviligierten und dörflich lebenden Jugendlichen, verschrieben.
Das Ziel von CAMAAY ist es, einen Geist von Teilnahme in Selbst- und Gemeinschaftsentwicklung zu bilden. Der Fokus liegt auf die Verminderung von Armut, Krankheit, Ignoranz, Kriminalität, Drogenmissbrauch und die Unterstützung von Frieden, soziale Stabilität, Alphabetisierung und schulischer Erziehung.

Die Kernwerte, die CAMAAY vertritt, sind:
  • Ausdruck der menschlichen Notwendigkeit, Gutes zu tun und soziale Gerechtigkeit zu fördern.
  • Entwicklung als ein stärkenden Prozess ansehen, sich auf das Mitwirken der Menschen und Bildung von autonomen Gruppen und Individuen konzentrieren.
  • Engagement für nicht-authoritäre Strukturen und demokratische Prozesse innerhalb der Organisation.
  • Auf die Verminderung von Armut in dörflichen Bezirken durch jeweilige Unterstützung für die Gemeinschaft hinarbeiten.
  • Die Teilnahme von Jugend und Kindern als Notwendigkeit für eine nachhaltige Entwicklung ansehen
(Der Absatz ist eine Teilübersetzung eines Briefes, den unser Chef für eine Schulpartnerschaft geschrieben hat. Wer mehr Informationen über CAMAAY möchte, schaut sich auf der Internetseite connectingCAMAAYsap nach mehr Infos um.)

Diese Organisation und ihre Projekte werden also mein Jahr bestimmen und ich werde diese Unterstützen.



Zur Zeit sind wir, Laura und ich, für drei Projekte zuständig.
Die werde ich einmal versuchen Euch vorzustellen:

Time2be


Time2be ist ein Nachmittagsprogramm für Kinder und Jugendliche in Bali. Zwei mal in der Woche geben wir den Kindern Zeit und Raum sie selbst zu sein, also „Zeit zu sein“. Von 3.00 Uhr nachmittags, bis ca. 5.00 Uhr, stehen Laura und ich an verschiedenen Schulen für sie bereit, spielen mit Ihnen, geben Ihnen Fußbälle, Handbälle, Basketballbälle etc., arrangieren Tourniere oder Wettbewerbe, stellen Papier und Stifte, Knete und Malkästen um die Kinder einfach mal Kindern sein zu lassen. Nach dem Motto „Children have the right to play“ versuchen wir sie in den zwei Stunden richtig Kind sein zu lassen.
Time2be findet Montags um 3.00 Uhr an der Presbytarian School in Njenka, also fast um der Ecke, am Donnerstag um 3.00 Uhr auf dem Fußballfeld der Staatlichen Schule in Central-Bali.

Letzten Montag hatten wir zum ersten mal Time2be. Es fanden sich gut 100 Schüler auf dem Platz vor der P.S. Njenka auf, die meisten warteten auf uns nach Schulschluss, einige konnten nicht kommen, weil sich auf dem Feld oder sonstwo ihren Eltern helfen mussten.
Nach dem arrangieren von zwei Fußballteams, für alle die Fußball spielen wollten, und das war der Großteil, eine Handballgruppe, eine Malgruppe und ein paar Kinder, die sich auf dem Spielplatz oder wo auch immer beschäftigt haben, lief alles am Schnürchen. Laura malte mit den Kindern im Klassenraum, während ich das wilde Treiben der Kinder draußen genießen und hier und da mal ein weinendes Kind zum lachen bringen durfte.

Gardening


Im Rahmen unserer Lehrertätigkeit an den sieben Schulen, sollen wir noch ein Gardening-Projekt durchführen. Wir bekommen direkt an den Schulen einen kleinen Garten, in Form von Acker, gestellt und sollen den Kindern Verantwortungsbewusstsein, Nachhaltigkeit und Interesse an Feldarbeit näherbringen. Vermutlich bekommen wir Samen gestellt und versuchen diese zu vervielfältigen um diese den Kindern wiederum auszuteilen, damit sie eigene kleine Felder in der nähe ihres Hauses anlegen können. Dies soll die finanzielle Lage der Familien verbessern und die Kinder zur praktischen Arbeit anregen.
Laura und ich wollten noch den Aspektpunkt des Kompostierens und biologischen Düngens miteinbeziehen, viele Feldarbeiter düngen wohl allein aus Effizienz und Gewinn mit aggressiven chemischen Düngern.
Dieses Projekt soll in ungefähr einen Monat losgehen, komischerweise zum Anfang der Trockenzeit, und Laura und ich haben noch gar keine Ahnung, welche Samen, wo und wie man überhaupt irgendetwas pflanzt. Na Petri heil.

Put a smile on the face of an epileptic child


„Put a smile on the face of an epileptic child“ ist ein Projekt in dem versucht wird, Kindern mit Epilepsie ein normales Leben zu ermöglichen und sie durch Spiele und Sport in die Gesellschaft zu integrieren.
Zum einen besteht Aufklärungsnot in der Gesellschaft selbst, die Menschen, besonders in ärmeren und ländlicheren Regionen, wissen schlecht mit der Krankheit umzugehen und einige wenige glauben an Hexerei und Teufelswerk, wenn sie einen epileptischen Anfall sehen und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollten. Deshalb werden auch heute noch viele epileptische Kinder abgestoßen oder dürfen keine Schulen besuchen. Durch Sport, besonders Fußball, und integrative Aktionen versucht CAMAAY zu zeigen, welche Möglichkeiten verloren gehen, wenn man epileptische Kinder nicht beachtet und damit ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken.
Weitergehen wird versucht epileptische Kinder selbst zu sensibilisieren, damit sie offen über ihre Krankheit reden, mit dieser umgehen und sich Hilfe und Ansprechpartner suchen können.

Unsere Aufgabe wird es sein, ein Weihnachtsfest für epileptische Kinder und ihren Familien zu organisieren. Dazu gehört Programm, Speiß und Trank und als krönender Abschluss auch eine kleine Bescherung. Wie genau das ablaufen wird, besprechen wir in den nächsten Tagen mit Patrick.

Und Schlussendlich,

die Schulen.

Wie schon beschrieben, deshalb auch der Titel dieses Blogartikels, begrüßen die Schüler Lehrer und Besucher mit "Good Morning Teacher, Good Morning Friends, the fear of the lord is the beginning of wisdom." Mich schauerts immer bei dem Gedanken, und denke mir, genau da hört Weisheit doch auf und dort fängt der Glauben an. Aber es ist so wie es ist, die Schüler haben jeden Morgen eine Andacht und gehen auch Sonntags oft in die Kirche oder irgendwann in die Moschee. Hier in Bali, und ich denke in Kamerun generell, gehört Glauben eben zum täglichen Leben. Ich wurde bis jetzt netterweiße verschont mit Kirchgängen, hitzigen Diskussionen, warum ich nicht in die Kirche gehe, und und und.

Im Folgenden gleichzeitig Stundenplan und eine kleine Beschreibung zu den Schulen, jedenfalls soviel, wie ich nach zwei Wochen aufschnappen konnte.

Montag
P.S. Njenka – Presbyterianische Schule Njenka
9.00 – 10.00 ICT (Informationen & Communication Technology)
10.00 – 11.00 Sport

15.00 – 17.00 Time2be auf dem Platz der P.S. Njenka

Die P.S. Njenka ist eine kirchliche Privatschule. Auf dem Komplex befinden sich die Klassen 1-6, eine Kindergartenklasse, eine große Wiese und ein von den ersten Freiwilligen in Bali gebauter Spielplatz. Der Schulleiter ist ein sehr netter Mann, der aber auch einmal durchgreifen kann. Der Unterricht gestaltet sich als eher schwierig, da viele Schüler, besonders in Lauras 5. Klasse, nur schlecht lesen und schreiben können. Die Kinder sind aber aufgeweckt und gut drauf und haben im Sportunterricht alles gegeben.
Diese Schule verdient einen Pluspunkt, weil sie nur etwa zehn Minuten gemächlicher Fußweg von uns entfernt liegt und die meisten Kinder in unserer direkten Umgebung wohnen.

Time2be war wie oben beschrieben eine tolle Erfahrung und ein guter Start. Es waren gut 100 Kinder gekommen und alle haben gut miteinander gespielt, es wurde fast zwei Stunden lang Fußball gespielt, gemalt, und gerannt. So kann das gerne weitergehen!

Dienstag
BNPS Alpha – Zweisprachiger Kindergarten und Grundschule Alpha
9.00 – 10.00 ICT
10.00 – 11.00 Sportunterricht

Diese Schule ist ein großer Gegensatz zu der Schule am Montag, die Kinder können gut lesen und schreiben, berichtigen sogar den Lehrer bei Fehlern, nehmen aktiv am Unterricht teil und bearbeiten Aufgaben schnell und korrekt. Mit ihnen macht das Unterrichten sehr viel Spaß.
Der Sportunterricht war hingegen fast eine Katastrophe. Ein Wettkampf wurde wirklich zum Kampf und allzuviel Autorität hat ein mancher nicht, wenn er keinen Fußball herzaubert. Dort müssen wir uns noch etwas überlegen, noch so eine Horrorstunde möchte ich nicht haben. Unsere Rallye jedenfalls wurde nach ein paar Anläufen etwas umgekehrt, am Ende gab es eben keine vier Teams, die gegeneinander antraten, sondern eine lange Reihe. Jedes der 60 Kinder rannte einmal im gewünschten Schritt und alle haben gewonnen. So war es schon viel besser.
Nach dem Sport, lied uns der Schulleiter Peter zu einem Palmwein ein. Palmwein wird hier gerne früh getrunken, 11 Uhr ist eine gute Uhrzeit, da er dann noch frisch und süß schmeckt und noch wenig Alkoholanteil hat. Im Verlaufe des Tages gärt der Palmwein und wird sauer und mit guten 20% bestückt.

Mittwoch
G.S. Bali Town Group II – Staatliche Schule Bali Gruppe II
9.00 – 10.00 ICT

Wuhuuuu, der Schulleiter ist ein ganz komische Kauz. Er wartet gut und gerne mal 20 Sekunden, bis er dir antwortet, redet etwas verwaschen und nuschelig und hat dann noch so eine komische Mimik.Wie sollen denn dann bitte die Kinder sein? Super! Die Kinder sind toll, machen gut mit und haben „Lust“ auf dich. Auch der komische Kauz ist eigentlich ein netter komischer Kauz, komischerweise. Trotzdem möchte ich mit diesem Schulleiter am wenigsten zu tun haben. Die anderen Lehrer sind nett und bis jetzt ist alles Paletti. Hier findet Time2be am Donnerstag statt.

Holy Infant School – Heiliges Kleinkind Schule(ob das wirklich eine gute Übersetzung ist?)
10.30 – 11.30 ICT
Diese Schule ist unbeschreiblich ….. schön gelegen. Der Schulhof ist ein kleines Plateau, welches einen wunderschönen Blick in Richtung Berge und Tal öffnet (ich vermute Richtung Westen). Man sieht den großen Berg Oku, ein paar kleinere Hügel und eine weite weite Landschaft, Regenweld wohin das Auge reicht. Und dort turnen die Kinder mit ihren Pink-Türkisenen-Schuluniformen. An die Farbenkombination werde ich mich so schnell nicht gewöhnen aber zum Glück ist es dunkel im Klassenraum.
Zu der Klasse kann ich noch nicht viel sagen, da ich Klasse 5 und 6 beim letzten mal unterrichtet habe. Der Schulleiter und die Lehrer sind aber sehr nett und wirken familiär freundlich. Valentin, der Schulleiter ist noch Jung und könnte auch ein echt guter Freund sein.

Donnerstag
G.S. Bali Town Group I – Staatliche Schule Bali Gruppe I
8.30 – 9.30 ICT

Direkt gegenüber von G.S. Bali Town Group II und ähnlicher Aufbau. Der Schulleiter ist nett und sehr engagiert und interessiert in das Gartenprojekt. Ansonsten ist alles gut, nichts negatives zu berichten. Der Vorteil dieser Schule: sie teilt sich mit Group II ein großes Fußballfeld mit Toren und liegt zentral direkt am Markt. Wann immer wir in der Stadt sind, findet sich ein Kind aus Group I & II das uns Hallo sagt.

G.S. Njenka (Mom) - Staatliche Schule Njenka
10.00 – 11.00 ICT

„Ab in den Busch!“ haben unsere ehemaligen Freiwilligen zu dieser Schule gesagt. Da dachten wir uns, laufen wir doch einmal hin, über Stock und Stein, mehreren Flüssen und Ameisenverkehrsstraßen durch den tiefsten Regenwald durch, irgendwann nach gut 30 Minuten Marsch erreicht man die G.S. Njenka, die aber von jedem irgendwie G.S. Mom genannt wird. Der Schulleiter ist wieder nett und heiß uns herzlich willkommen, eine Lehrerin hat eine geeignete Ehefrau für mich und die Kinder sind schüchtern aber interessiert. Die Aussicht ist hier wieder herrlich. Max kann den Berg Oku dann von einer anderen Perspektive sehen und halb Bali beobachten.

Time2be an der G.S. Bali Town Group II
15.00 – 17.00

Zweimal in der Woche ist Time2be. Am Donnerstag dann auf dem großen Fußballfeld am Markt. Dieses Time2be steht noch aus, und ist für Kinder, die eher im Zentrum von Bali leben und Njenka zu weit entfernt ist.

Freitag
G.S. Gungong
13.00 – 14.00 ICT

Die böse Inspektorschule. Wieso böse? Weil sie gut eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt liegt. Der Inspektor of basic education, auf deutsch etwa Grundschul-Inspektor, ging auf diese Schule, lebt in der Nähe und möchte der Schule zeigen, dass auch sie einen Nutzen davon hat, dass er nun Inspektor ist. Da er das letzte Wort hat an welchen Schulen wir unterrichten, aber auch wirklich nett ist, unterrichten wir also auch am äußersten Rand von Bali, der Gungong. An dieser Schule sind dir die ersten Freiwilligen und deutschen Lehrer. ICT wurde sonst vom Klassenlehrer unterrichtet und nun komme ich und lass ihre Äuglein scheinen. Die Kinder scheinen interessiert zu sein, wissen aber noch kaum etwas über ICT. Da ich sonst mit sechs gleichen Niveaus rechne, muss ich mir für diese Schule wahrscheinlich ein ganz neues Programm ausdenken und von ganz vorne anfangen. Mal schauen, vielleicht bekommen sie in der nächsten Stunde ja einen Geistesblitz.

Und am Wochenende dann erleben, erleben und essen. Gegessen wird hier eh sehr viel, habe ich das Gefühl, und wie ich das gerade Schreibe, habe ich gegessen und schon wieder hunger. Bratkartoffeln aus Süßkartoffeln gab es, sehr lecker!

Apropos Essen, ich möchte noch einmal an den Rezeptewettkampf erinnern.
Klickt einfach auf „Rezeptewettkampf“ und hinterlasst ein leckeres Rezept in den Kommentaren, was wir dann nachkochen und in unser Rezeptebuch eintragen können. Es wird jedes Rezept ausprobiert und ordentlich dokumentiert!

Die deutsche Botschaft in Paris


Vor gut zwei Wochen erreichte mich eine e-mail der Deutschen Botschaft in Paris. Sie fragten mich, ob sie im Rahmen der überregionalen Öffentlichkeitsarbeit Deutschlands und ihrer Zuständigkeit für die französischsprachigen Subsahara-Staaten ausgewählte Artikel von mir in französische Übersetzten und auf ihrer Internetseite veröffentlichen können.

Nach ein bisschen e-mail Kontakt, habe ich herausgefunden, dass eine zuständige Redakteurin den HNA-Artikel über mich und mein Auslandjahr gelesen hat.
Die Artikel werden von einer Muttersprachlerin ins französische übersetzt und auf http://www.allemagne-afrique.diplo.de/ mit Angabe meines Blogs als Quelle veröffentlicht.

Mal sehen inwiefern ich da etwas von mitbekomme, ist ja alles auf französisch. Ich hoffe nur, dass die Zusammenarbeit reibungslos und ohne Komplikationen vonstatten geht.

Gut gefühlt habe ich mich bei Interesse von der Botschaft schon ein bisschen. ;)




Donnerstag, 5. September 2013

„Je ne parle pas le francais"

Da Paul ja noch da war und unser Chef Patrick uns irgendwann Bafoussam zeigen wollte, entschieden wir vier uns, die kurze Reise aufzunehmen und nach Bafoussam zu fahren. An der Hauptstraße trafen wir einen netten Studenten, da die meisten Taxis vom Zentrum Balis losfahren und in Njenka, unserem Einstiegsort, schon voll sind, fuhr er kurz mit einem Okada (ein Motorradtaxi) ins Zentrum und besorgte ein Taxi für uns alle. Angekommen am Hospital Roundabout in Bamenda, der Ein- und Ausstiegstelle für alle Fahrten in die Umgebung, fuhren wir dann mit Student zur Bamenda Busstation, es gießte in strömen und der Student bezahlte nicht nur die Taxifahrt, sondern zeigte uns auch den Ticketschalter und unseren Bus nach Bafoussam.

Wir wurden „gewarnt“, wir sollten auf die Interaktion und Umgehensweise mit Fremden aufpassen. In großen Städten dreht sich viel um Geld, und Weiße werden durch Fernsehen und Medien immer als reich dargestellt. Der Warnung nach freunden sich deshalb einige mit dir an, um Gegenleistungen zu sehen, geben dir ein Bier aus, um zwei zurückzubekommen und so weiter.
Das Gefühl hatte ich bei dem netten Studenten ganz und gar nicht, er hat uns nicht nach unseren Namen, Adressen oder Handynummern gefragt, wollte keine Gegenleistung und war total erfreut uns und unsere Geschichte zu hören. Es blieb bei einem netten Tschüss und er wünschte uns eine schöne Reise.

Die Reise in dem öffentlichen Bus war … sagen wir es knackig ;) Es regnete immer noch, das tat dem Überfahren der Schlaglöcher mit ungefähr 120 km/h aber keinen Abbruch. Drei Stunden sollte die Fahrt durch die Berge, über schöne Landschaften und durch einigen Polizeikontrollen dauern, in guten zweieinhalb standen wir inmitten Bafoussam. Und diese zweieinhalb Stunden reichen schon und ich verstehe kein Wort mehr. Jetzt heißt es zu den unzähligen Straßenverkäufern nicht mehr „No, thank you“ sondern „No, merci“. Lea war mir so nett und brachte mir „Je ne parle pas le francais“, also „Ich spreche kein französisch“, bei. Selbst die Fahrt zum King's Palace zur Pauls Wohnung hätte ich wahrscheinlich nicht arrangieren können.
(Das Blödeste was mir mit dieser Sprachbarriere passiert ist, ist wohl das Antworten mit „Bonjour“ auf „la belle blanche“ … der Kerl hat komisch geguckt ;) )

Hunger macht erfinderisch, also gab es zum Abend Baguette belegt mit gebratenen Spaghetti in Ei, welches wir so auch am Busbahnhof von Bamenda gesehen hatten. Dazu noch Avocadocreme und Streichkäse. Getrunken wurde Tee oder Wasser aus dem Wasserfilter.

Pauls eigene Treppe


Und irgendetwas von dem da oben genannten (ich vermute mal die Avocado!!!) lies mich den nächsten Tag lange lange schlafen, ich war krank. Mit Übelkeit und ohne Power verbrachte ich meine ersten Krankheitstag in Kamerun in Pauls Bett in einer fremden Stadt mit einer fremden Sprache. Bafoussam sammelte Unsympathien, eine Menge negative Punkte die sich dort anhäufen.
Patrick bewertete meine Bettlägerichkeit mit einem lachenden „Welcome to Cameroon, hehe“.
Das war auch schon alles was ich von diesem Donnerstag mitbekommen habe, ich hab gepennt und gepennt.
Am Freitag sollte es dann zurück nach Bali gehen, der Elektriker sollte kommen und wir bekamen selber Besuch. Extra früh aufgestanden, extra schnell gefrühstückt, extra schnell am Busbahnhof gewesen für: eine Stunde warten am Bahnhof. Der Bus kommt eben dann wenn er kommt, bin ich in Eile und verhalte mich hektisch und genervt, dann kommt er eben noch eine halbe Stunde später. Man lernt eine gewisse kamerunische Ruhe lernen und lieben, auch eine Stunde stehen machen mir mittlerweile gar nichts mehr (und ich bin erst zwei Wochen hier!!!).
Dann die ganze Strecke zurück, mit 23 Leuten, davon vier Kleinkinder, über die Polizeikontrollen, die Landschaft, die Berge, den Busbahnhof in Bamenda, Hospital Roundabout und Njenka. Da sitzen sie schon, vier Besucher aus Kumbo. Wenn ich mich recht erinnere, dann standen da eigentlich nur drei, Charlotts Okadafahrer war übereifrig und brachte sie angeblich direkt zu unserem Haus. Wo war Charlott also, so ganz ohne Handy und Ahnung wo was ist in Bali?
Sie war wirklich bei uns zuhause, der Okadafahrer war so nett und hat sie direkt vor unserem Haus abgestellt.
So hatten wir also schön Besuch von Pauline, Jule, Moritz und Charlott, tranken ein bisschen Bier und Wein, aßen gemeinsam und ließen den Abend gemütlich mit unserer Nachbarin Ernestine ausklingen.
Lecker Frühstücken, auf dem größten Tisch der Welt, der Boden. In der Cola-Flasche ist nebenbei Honig!


Lea und Lauri waren so froh über diesen Besuch, dass auch sie sich einen Tag im Bett freinahmen. „Welcome to Cameroon, hehe“ sagte Patrick mal wieder... jaja willkommen, ich bin doch schon daha!

Dann nimmt man sich eben zwei andere Mädels, nämlich Pauline und Jule, und zeigt denen Bali. Dort ist der Markt, hier das Zentrum, hier ist der Palast des Fons.

Was ist ein Fon? Ein Fon (woher der Name kommt weiß ich gar nicht genau...) ist der traditionelle „König“ einer Kulturgruppe. Noch vor wenigen hundert Jahren gab es einen großen Bürgerkrieg in Kamerun, die Balianer ergriffen die Flucht und suchten eine neue Region. Eine Frau namens Nanyonga führte ihr Volk dann zu dem Feld, wo heute der Palast des Fons von Bali steht. Dort wurde Bali gegründet und der jetzige Fon ist der fünfte. Dieses Chiefdom (so heißt es, auch Fondom) ist stark respektiert und wird deshalb auch vom Staat und der Regierung akzeptiert und als Gewalt benutzt. Ein Volk hört auf seinen Fon und seine Anweisungen.

Immanuel, der Rezeptionist des Fons führte uns kurzerhand durch den Palast und erklärte uns die Verhaltensweisen im Palast. Mit Flip-Flops reinzugehen ist zum Beispiel nicht erlaubt, um zum Fon zu gelangen muss man ihn erst durch Klatschen seine Aufmerksamkeit erlangen und in der Anwesenheit des Fons läuft man gebückt,bis er einen gestattet gerade zu laufen.
Darauf erzählte uns Immanuel, den wir anrufen müssen, falls wir mit dem Fon sprechen möchten, kurz die Geschichte Balis und die Funktionsweise der traditionellen Gewalt.

Am Dienstag kam Patrick, um mit uns die zukünftigen Projekte und unseren Stundenplan mit uns zu besprechen. Dazu mehr im nächsten Post.
Darauf ging es zur Vorstellungsrunde an den sieben Schulen und einigen wichtigen Autoritäten.
Die Vorstellungen liefen alle ungefähr so ab: Wir sind die neuen Freiwilligen, Laura und Max, das ist Lea, sie wird in Batibo leben und arbeiten, und eine kurze Vorstellung der angepeilten Projekte. Vier Schulen in Njenka und im Zentrum Bali wurden abgeklappert, der Bürgermeister war nicht anzutreffen, also stellten wir uns beim Sekretär vor, dann der Zuständige für die Grundschulen und Mittelstufen, den Inspector of basic education. Er hatte sich gedacht, dass wir doch auch an der Schule unterrichten könnten, an der er selbst als Kind war, also fuhren wir ca. 15km auswärts, immer noch in Bali, um seiner Schule und den Lehrern vorgestellt zu werden. Und die Lehrer waren froh, das kann ich euch erzählen. Zuerst wussten sie nicht recht, was sie mit den drei Weißen machen sollen, als sie dann hörten, wir würden zukünftig auch an ihrer Schule unterrichten, fingen sie an zu singen und zu rufen. In ihren Augen konnte man ernsthafte Freude sehen, sie begrüßten uns herzlich mit Handschlag und Danken. Auch der Direktor der Schule war sprachlos als er von uns erfuhr. Das war ein schönes Gefühl, so nett und freudig empfangen zu werden. Da dürfen wir jetzt also jeden Freitag hin, die Fahrt wird uns zum Glück bezahlt.
Nach einem netten Bier mit dem Inspector und einem Direktor einer anderen Schule um 12 Uhr fuhren wir wieder zurück nach Bali Zentrum.
Die Schultour war aber noch nicht vorbei und als wir dann ziemlich kaputt und müde zu Hause ankamen, hatten wir am Donnerstag noch zwei weitere Schulen und den zuständigen Politiker für Bali vor uns.

Am nächsten Tag, etwas verregnet und grau, ging es dann zu Regierungsschule in Njenka. Und das Njenka größer ist als gedacht, erfuhren wir über den ca. 20 Minuten langen Fußmarsch durch den Urwald durch. Diese Schule steht auf einem Plateau mit herrlicher Aussicht, der Schulleiter ist sehr nett und offen für uns. Wir wurden natürlich gleich wieder allen freudig vorgestellt, lernten Lehrer und Schüler kennen und eine Lehrerin hätte für mich sogar eine Tochter zum heiraten. Alles ist abgesichert hier ;) (Kuss an Caro!)
Die letzte Schule, mit sehr jungem Schulleiter hat mir bis jetzt am besten gefallen, alle Kinder kamen raus, stellten sich auf den Hof in Reih und Glied, begrüßten uns mit Gesang und Tanz. Und das alles komplett spontan.
Der zuständige Politiker, der Subdivisional Officer of Bali Subdivision (D.O.), war leider in einer Besprechung und hatte erst am nächsten Tag um 10 Uhr Zeit für uns. Nach Hause, Schlafen, Aufstehen und wieder zu viert auf einem Okada zum D.O.
Und dann das: Der Politiker erzählt uns kurz und knackig über das politische System Kameruns, seine Rolle, die Rollen der anderen Autoritäten, des Fons, eine kurze Geschichte, sichert und Unterstützung und Sicherheit zu, nebenbei Smalltalk und ein paar Handyanrufe. „Life is easy, why should I make it difficult?“. So ungefähr seine Lebenseinstellung. Er sagte uns wir sollen Spaß haben, Bierchen trinken, wenn uns Bierchen angeboten werden, Tänzchen tanzen, wenn wir tanzen wollen, lud uns ein, in seinem Haus zu speißen an einem wichtigen Tag in Bali (welcher, kann ich nicht ganz reproduzieren), fragte uns ob wir denn nicht einen netten Kameruner oder Kamerunerin heiraten wollen, und wenn wir für immer in Bali leben wollen, so sollen wir das gerne tun.
Zusätzlich gab er uns seine Nummer, und die Nummern von Polizei und der Brigade. Wenn irgendetwas sein sollte, sollen wir ihn oder die ihm Untergestellten anrufen und es wird geklärt.
Der Ba D.O. ist meiner Meinung nach eine super nette Person, mit der ich gerne gesprochen habe und froh bin, mich ihm vorgestellt zu haben.

Ba D.O. Es gibt in Kamerun „Respekttitel“ wie Herr und Frau in Deutschland. Besonders ältere Personen werden mit Ni und Ma angesprochen. Also Ma Laura und Ni Max. Noch mehr Respekt zollt man Personen indem man ein Ba vor ihren Namen setzt, in dem Fall also Ba Kamara Divine Kamara. Aber auch Aunt Laura und Uncle Max sind ein Zeichen des Respekts und werden besonders von Kindern gebraucht.

Noch in dem Büro des D.O. kamen eine Peacecorp-Freiwillige und eine Mami (Mamis sind alle älteren Damen) dazu und der D.O. erzählte ihnen ungefähr das gleiche. Diese Freiwillige kommt aus den Vereinigten Staaten von Amerika und ist eine ehemalige Lehrerin, also auch schon eine Mami. Sie wird in Zukunft in einer Bank arbeiten, weiß aber auch noch nicht so recht, was und wie.
Carter, das ist ihr Name, ist jedenfalls sehr nett und wohnt sogar in unserer Nähe.

Wir fuhren dann auch gleich mit den beiden Mamis mit und versuchten uns bei Polizei und Brigade vorzustellen, die wichtigen Personen waren aber jeweils nicht anzutreffen.
Schon ist ein Tag vorbei und man sitzt in seinem Haus und wartet auf den Elektriker und das fließende Wasser. Patrick hat uns zugesichert, dass das Wasser „very, very soon“ zum laufen gebracht wird. Wir haben jedenfalls für heute unsere Vorräte aufgebraucht und warten nun auf unsere Nachbarin, die uns mal wieder dabei hilft an Wasser zu kommen. Das nimmt schon einiges der Energie in kauf, sich um Wasser zu kümmern. Unser Gesammeltes Wasser verstauen wir in 1,5Liter PET-Flaschen. Das ist der einfachste Weg viel Wasser handlich aufzubewahren, zeigt aber auch an den leeren Flaschen, wieviel man täglich wirklich verbraucht, und das ist eine Menge. Mittlerweile kann ich schon mit einer Hand voll Wasser duschen und mit einem halben Liter zwei Liter Suppe zaubern, macht mir das mal einer nach ;)

Das waren die Erlebnisse der letzten Tage, wir warten jetzt noch auf Besuch von Pauline, Jule und Charlott, um dann morgen im geliebten Bafoussam Jamilas Geburtstag zu feiern.

Ich hab einen Post ergänzt, den ich eigentlich schon länger schreiben wollte und versuche jetzt noch die alten Posts mit Bildern zu bestücken.

Ich hoffe euch geht es allen gut, mir geht es Bombe hier ;)

Montag, 2. September 2013

Waschtag und auf einmal war es ein Paul

Nun sind wir hier schon eine halbe Woche, in Bali, in unserem Haus in Njenka. Lea wohnt jetzt für die nächsten zwei Wochen bei uns, da ihr Mitfreiwilliger erst später kommt und Patrick möchte, wenigstens in der Eingewöhnungsphase einen Mitbewohner zu haben. Neben dem täglichen Einkauf, Einrichten und Putzen des Hauses und Besuchen des Internetcafés ist nicht viel geschehen, außer: ganz viel Wäsche produziert. Und auch die vorhandenen Lappen und Bettlaken sollten wir doch noch einmal durchwaschen, nach den vier Wochen Abwesenheit der ehemaligen Freiwilligen und der vorherrschenden Luftfeuchtigkeit hat sich langsam aber sicher ein kleiner Muff über alle Stoffe gebildet, Staub gibt es hier in der Regenzeit zum Glück nicht so viel.
Aber Waschen mussten wir trotzdem, Waschmaschinen gibt es eigentlich nicht so viele, Waschsalons sind teuer, das Wasser ist im ganzen Viertel ausgefallen und ein Fluss fließt direkt durch Njenka durch. Also wird der kurze Weg, bewaffnet mit Seife, Waschpulver und Bürste, in Kauf genommen und das halbe Viertel trifft sich am Fluss um die Wäsche zu waschen. Wir konnten von Glück sprechen, dass Ernestine so nett war uns den Weg und auch das Waschen zu zeigen. Lea, Laura und ich durften also das erste mal, sicherlich aber nicht das letzte mal, die Wäsche im Fluss waschen.
Das Prozedere ist ziemlich simpel, Wäsche kurz in Waschmittelwasser einweichen, das löst Flecken und gröberen Dreck an, außerdem riecht die Wäsche dann angenehm und nicht nach der Kernseife, die im nächsten Schritt direkt in das zu waschende Kleidungsstück eingerieben wird. Am anstrengendsten ist dann wohl das „Ausklopfen“ der Wäsche. Dabei nehme ich einen Haufen Wäsche und haue sie mit viel Kraft und Wasser auf einen Stein, solange bis das austretende Wasser nicht mehr braun, sondern seifig ist. hartnäckige Flecken werden zusätzlich noch mit der Bürste ausgeschrubbt. Dann wird die Seife mit viel Wasser wieder ausgewaschen, das Kleidungsstück ausgewrungen und zum trocknen aufgehängt. Klingt einfach, ist es eigentlich auch, trotzdem benötigten wir für einen kleinen Korb mit Wäsche gut zwei Stunden. Arme, Hände und Beine bedankten sich dann am Abend.
Ich fühlte mich ein bisschen schlecht, die Seife und das Waschmittel einfach in den Fluss zu geben. Das ist sicherlich nicht die beste Möglichkeit, aber eigentlich die einzige. Ohne fließend Wasser ist es schwierig um den Fluss herumzukommen und zusätzlich kaum möglich das „verschmutzte“ Wasser ökologisch wiederaufzubereiten. Meines Erachtens nach versuchen die Anwohner hier im Viertel so wenig Seife und Waschmittel wie möglich zu benutzen, alleine auch aus ökonomischen Gründen, ganz umgeht werden kann das aber nicht. Sie wissen, dass viele Menschen abhängig von dem Wasser des Flusses sind und haben das im Hinterkopf. Mir selber fällt auch keine andere Lösung ein, als so wenig Waschmittel wie möglich zu benutzen und so ökonomisch wie möglich Wäsche zu waschen.
Schon rief Patrick an: „Come to Bamenda, we meet at the petrol station!“
Für 1200CFA, also umgerechnet zwei Euro, fuhren wir dann zu dritt in einem Taxi nach Bamenda. „To the petrol station at that big circle“, „Ah, I know“. Dort angekommen trafen wir gleich Patrick und Paul, ein weiterer CAMAAY-Freiwilliger, welcher in Bafoussam, ca. zwei Autostunden von Bamenda entfernt, wohnt. Patrick zeigte uns kurz die Innenstadt von Bamenda, den größten Markt, eine moderne Bäckerei und auch den VISA-Automaten, bei dem wir kostenfrei Geld abheben können. Nebenbei erwähnte der liebe Chef, dass Paul für drei Tage bei uns wohnen würde, weder wir, noch Paul selber wussten davon. Aber Laura, Lea und ich freuen uns über Besuch, also wohnen wir hier eben zu viert.

Und aufeinmal war es ein Paulchen mehr.
Nach einem kurzen und teuren Einkauf saßen wir dann noch kurz in einer Bar. Es gab große Biere, laute Musik und tanzende Kameruner. „The Cameroons know how to party, hehe“, sagte Patrick. Und das stimmte wirklich, ich sehe und höre immer wieder laute Musik aus Anlagen die einfach mitten auf der Straße aufgebaut sind. Die Leute hören, singen und tanzen spontan mit, sie sind einfach immer gut drauf.
Der Fahrer unseres Taxis zurück nach Bali kannte ganz zufällig den ehemaligen Freiwilligen Valentin. Er möge die Deutschen und besonders deutsche Krimiserien, zeigte uns wo wir noch schnell ein paar Avocados kaufen konnten und verriet uns im gleichen Moment noch ein paar leckere Avocadorezepte. Nummer aufgeschrieben, denn so einen netten und hoffentlich auch zuverlässigen Taxifahrer lässt sich nicht immer finden.

Das war der Sonntag, am Montag sollten wir endlich den wichtigen Autoritäten vorgestellt werden. Das fiel leider mehr oder wenig in den Regen, es regnet gerade aus allen Löchern. Das nutzen wir gerade aus und lassen große Gefäße an interessanten Punkten stehen, um sie mit Wasser vollregnen zu lassen, vergleiche ich das mit der Arbeit mit den Kanistern zum Fluss zu laufen, ist das echt entspannend.
Das ist auch schon der ganze Montag, Patrick hat abgesagt und es regnet und regnet. Wir nutzen die Langeweile um zu schreiben, Nottrichter zu basteln und kleine Quiz zu lösen.





Samstag, 24. August 2013

Bali Nyonga Hausa – auf ins Njenka!



Das Ankunftsseminar war die Lite-Version Kameruns, und darüber bin ich jetzt im Endeffekt ziemlich froh. Auch wenn ich im Freibad gerne einfach ins kalte Wasser springe, hätte ich mich ohne dem sanften Duschen davor in Kamerun wahrscheinlich schön auf die Nase gelegt.
In kleinen Dosen und immer mit einer "Führerin" dabei, die Fragen beantwortete und mich und meine Mitfreiwilligen für einige Situationen sensibilisierte, lernte ich die Art- und Weise mich zu verhalten und mit den Menschen in Kamerun zu interagieren langsam und sicher kennen. Es gibt Dinge, die sind ein Unding in Kamerun, die mir nie einfallen würden, andererseits gibt es Dinge, die sie gerne sehen und eben Dinge über die sie sich gar kein Kopf machen, wir aber eben schon.

Dazu eine kleine Liste über die eben genannten Dinge, die wir beachten können, die uns nahegelegt wurden im Verlauf des Seminars:
          Don'ts:
·         Fußkettchen (Tragen oft Prostituierte und ist ein Zeichen dafür)
·         Flip-Flops in der Öffentlichkeit (Saubere Schuhe sind Kamerunern sehr wichtig, deshalb ist es saubere, feste Schuhe in der Öffentlichkeit zu tragen, symbolisiert Hygiene und Reichtum. Flip-Flops sind keine richtigen Schuhe)
·         Schlabberhosen (Schlabberhosen sind für Zuhause und gehören nicht in die Straßen)
·         Rauchen in der Öffentlichkeit (Rauchern sagt man nach, auch Drogen zu nehmen. Das ist aber streng verschmäht, da Drogen vom wahren Leben ablenken.)
          Don't Worry:
·         Kurz und Knapp und ausgefallen (Frauen wollen zeigen was sie haben, da wird nichts verschleiert oder kaschiert. Eine Frau will auffallen)
·         Ein weißer sein (Die Kameruner sind seeehr interessiert in uns. Ich wurde schon oft angesprochen, woher ich denn komme, wie es mir geht, das ich Willkommen bin in Kamerun. Die Menschen hier sind sehr gastfreundlich und auch wenn man hört "Whi'Man" (White Man) ist das nicht auf Weißenhass zurückzuführen, sondern eine Art des Respekts. Außerdem kommen dann viele, besonders Kinder, aus ihren Häusern und begrüßen einen Lieb.)
·         Macht man etwas "Falsch" nehmen die Kameruner das mit Humor, sie wissen das man Neu ist und helfen dir gerne weiter
·         Komm wann du willst und sei Willkommen (Die Kameruner heben Gastfreundschaft auf ein höheres Niveau. Du kannst unangemeldet kommen und bleiben, die Türe steht für Freunde immer offen.)
          Do's:
·         Ältere Menschen werden Respektiert in Begrüßung und Interaktion
·         Traditionelle und Politische Autoritäten werden gleichermaßen respektiert und man muss sich vorstellen und sich mit ihnen gut stellen
·         Bleib Ruhig (Die Kameruner sind alles andere als Aggressiv. Sie lieben die Ruhe und lassen sich gerne für alles Zeit. Komme ich dann als ungeduldiger hektischer Weißer daher lassen sie sich eben noch mehr Zeit. Unruhe ist nicht gern gesehen.)
Ich kann zu den meisten Sachen noch gar nicht viel sagen und kann auch für ihre Richtigkeit nicht bürgen. So trägt eine unserer Nachbarinnen zum Beispiel eine Fußkette, ist aber auf keinen Fall eine Prostituierte. Auch das Rauchen ist in meinem Umfeld kein Problem und es wird nur darauf hingewiesen, dass es ungesund ist. Schicke Flip-Flops werden auch gerne in der Öffentlichkeit getragen, weil sie praktisch und gemütlich sind. Es ist eben schwierig so etwas zu pauschalisieren und es ist auch nicht richtig dies zu tun. Wir sollen es nur beachten und uns darüber Gedanken machen. Den „Kameruner“ gibt es nicht, es ist nur einfacher eine Volksgruppe in bestimmten Klischees einzubinden. Ich versuche hiermit das ganze etwas aufzulockern.

Zwei Fahrer der Rainbow School in Dschang holten uns am Mittwoch, den 21.08.2013, vom Ankunftsseminar in Nkongsamba ab. Der Direktor der Rainbow School hatte sich stark dafür eingesetzt, dass wir, die Freiwilligen, nicht ganz ohne Ahnung und Plan die mehrere Stunden Fahrt zu unseren Projektorten antreten müssen und arrangierte Bus und Fahrer um uns über Dschang nach Bamenda zu fahren, und all das, ohne das einer von uns in seinem Projekt arbeitet. Das ist eine sehr nette Geste und ich denke, dass wir alle mehr als dankbar dafür waren. Die Straßen nach Bamenda waren ... abwechslungsreich. Bergauf, bergab, scharfe Linkskurve, und rechts, dort ein Killerhubbel und hier einer. Ich hätte für die Strecke bestimmt dreimal solange gebraucht, aber Kameruner fahren eben sicher und bestimmt. Sie kennen ihr Auto, die Position der Reifen, Breite und Höhe und nutzen dieses Wissen um nicht lange im Stau zu stehen, sondern eben diese kleine Lücke da zu benutzen um halb am Rand, halb auf der Straße genau dem zu entkommen.
         
Gleich anbei ein wenig zum Verkehr. Der Stärkere hat Vorfahrt! Die Rangliste ist ganz easy: Max, Motorroller, Auto, Bus, Jeep, LKW. Dann gibt es noch Hupe (= Achtung ich komme, pass auf) und Lichthupe (= Geh weg, das ist meine Straße). Ziemlich einfach eigentlich.

Angekommen an einen Busbahnhof in Bamenda, einer riesigen Stadt in North-West Kamerun, also schon dem englischsprachigen Teil Kameruns, trafen wir den Zuständigen für die Greencare-Freiwilligen Hilbert. Hilbert ist ein sehr offener und netter Mensch, der sich dann auch noch bemüht hat, Laura und mich an unseren Treffpunkt mit Patrick zu schicken. Also ging es für Laura und mich weiter durch Bamenda, an einer Tankstelle gabelten wir Patrick, den Leiter von CAMAAY, meinen Chef, auf und fuhren, noch einmal quer durch Bamenda, zu einer anderen Tankstelle an einem großen Kreisel und Geschäftsstraße in Bamenda. Kurz darauf saßen Laura und ich mit fünf anderen Kamerunern in einem Taxi: auf nach Bali!

(Sieben Menschen nehmen also Platz in einem Taxi ein. Drei vorne, inklusive Fahrer, vier weitere Hinten. Wieso? Weil es passt! Die Menschen in Kamerun fahren nicht Auto weil es Spaß macht oder zu zeigen was für ein tolles Auto eine Person alleine fahren kann, sondern es wird benutzt. Sitzplätze, Kofferraum, Dächer werden beladen, mit Menschen, Einkäufen oder auch Tieren, weil es praktisch ist wenige Strecken zu fahren, und weil eine "Strecke" in Kamerun sehr sehr viel größer sein kann. Zusätzlich sind Kameruner, wie ich sie kennengelernt habe, nie gerne allein, in dem Taxi wird geredet, gequatscht und gelacht.)

Zehn Minuten Fahrt in dem Clownstaxi später standen wir dann mit Gepäck und Patrick in Bali, mitten an der Hauptstraße, rechts und links ein kleines Restaurant, eine Apotheke, ein Supermarkt, Essensstände und drei oder vier Bars: "We have to go a little bit, this way."

Dabei eine kleine Zwischenzeile: Der rote Boden ist herrlich! Die reiche grüne Pflanzenwelt ergibt mit dem roten Sand zusammen einen wundervollen Kontrast, und der Weg zu unseren Haus schneidet einen roten Strich in das saftige Grün.
Der Weg von der Hauptstraße zu meinem Haus


Und da steht inmitten der Dämmerung auf einmal ein großes graues Haus mit hohen Mauern und einem schwarzen, schweren Tor. Meine Heimat für mein Jahr in Bali, North-West Kamerun.
Nicht ganz, das ist das Haus der Nachbarn, Missverständnis. Aber noch in eben diesen Mauern, hinter dem genannten großen Haus, ist ein kleineres Bungalow ähnliches Haus, das ist es!
Was haben wir denn alles hier so? Einen schönen Flur, das Wohn- und Esszimmer mit Couch und Musikanlage, eine verhältnismäßig große und europäische Küche, zwei fast identische Zimmer und ein eigenes Bad (wobei die Tür dort mehr als stört. Entweder die Türe ist zu oder das Bad ist kaum zu benutzen. Eine Türe die nach Außen aufgeht hätte es doch auch getan ;-) ) Der Boden des gesamten Hauses ist gefliest, also einfach sauber zu halten. Die Wände sind in hellem Gelb, welches dreckige Finger und andere Abdrücke leider stark anzieht, die Schlafzimmerwände in hellem Türkis, Geschmackssache.
Ausgestattet sind die Räume mit Regalen und Hockern aus starken Ästen, so fühle ich mich wohl! Die Schlafzimmer haben Doppelbetten und große, schicke Schränke. Selbst die Gardinen spiegeln meine Freude wieder und zeigen Feen bei einem Fest oder so. Die Wohnung ist der Traum!
Unser Wohnzimmer, mit Laura als Deko

Mein noch undekoriertes Zimmer, in echt sieht die Farbe nerviger aus.

Unsere Küche. Mittlerweile haben wir noch eine Pfanne und ein Brettchen gekauft.


Und jetzt das "Aber": Wo kommt denn nun das Wasser her? Das fehlt nämlich. Vor "kurzer" Zeit haben Bauarbeiten an einer Straße die Wasserzufuhr für das ganze Viertel gestoppt. Seitdem leben die Menschen hier eben ohne fließend Wasser, für das Wasserrohr fehlen die Gelder. Das scheint aber für die Menschen vor Ort überhaupt kein Problem zu sein, sie helfen einander das Wasser vom Fluss zu ihren Häusern zu bringen, sammeln Regenwasser und sparen eben wo man kann. Die vorherigen Freiwilligen waren so nett und haben eine Menge Wasser vom Fluss in der Küche in unzähligen Wasserflaschen und Kanistern verstaut, das sollte für ein paar Tage reichen. Geht es uns aus, hat unsere Nachbarin uns Hilfe von einem Freund von ihr mit Auto zugesichert. Er wird uns helfen unsere Wasserreserven aufzufüllen.

Überquert man den kleinen Innenhof, in dem sich die Nachbarn mit Freunden und Verwandten zum täglichen Leben treffen, Wäsche waschen, das Essen vorbereiten, Einkäufe verteilen, ober eben wie zu der Zeit in der ich diesen Text schreibe, zum Haare waschen, pflegen und zurechtmachen.

Noch am Abend unserer Ankunft in Bali besuchte und Ernestine mit ihrem Sohn Ferdinand. Ernestine wohnt ca. 20 Meter von uns in einer kleinen Hütte und ist die nette Nachbarin von der uns von den ehemaligen Freiwilligen erzählt wurde. Und sie ist wirklich eine besondere Person. Sie nimmt sich Zeit für uns, erzählt uns vieles über Bali und seine Geschichte, zeigt uns den Markt, die Preise für Tomaten und Okada (Rollertaxi) und vieles vieles mehr.

Jetzt weiß ich auch, dass ich im Viertel Njenka (sprich Djenka) wohne und der         genauere Bereich "keep right" heißt. Hier gibt es ganz ganz witzige aber logische           Namen für Bereiche und Straßen. Keep right heißt keep right, weil ein Schild in der Nähe darauf hinweist die rechte Spur der Straße zu benutzen. Eben einfach und logisch.

Am Abend gab es also noch Reis mit einer Tomatensoße. Dazu Teigbällchen namens "Pof-Pof", aus Weizen und Hefe in Palmöl frittiert. Eben wie unsere Quarkbällchen nur nicht ganz so süß.

Am nächsten Tag dann erst einmal schön Duschen. Nichts da! Kein Wasser. Also Eimer her und improvisieren.
Ernestine rief uns dann an und fragte uns wo wir bleiben, wir wollten doch zum Markt. Also auf, Tasche und Geld eingepackt und zusammen mit ihr zum Markt.
Früchte, Wurzeln, Gemüse, Gewürze, Naturheilmittel, Gerichte, Gebackenes, Dinge zum alltäglichen Leben, Töpfe, Kleidung, und so viele Sachen, mit denen ich noch gar nichts anfangen kann. Man bekommt einfach alles auf dem Markt. Und die Anzahl der Lebensmittel die ich kenne kann ich mit einer Hand abzählen.
Ernestine half uns dann ein paar grundlegende Sachen zu kaufen: Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Knoblauch, Brot, Ananas, Spaghetti, Avocados, leckere Stangen aus Gebäck, die nach Erdnüssen schmecken, Passionsfrüchte, Suppengrün, Eier, etc.
Dabei werden die Zutaten immer gestapelt und gehäuft, ein Haufen Tomaten kostet 150F (Franc, 150F = 22ct) ein großer Haufen eben 200F.
Nach besuchen des Palastes und einer schönen Handwerkstatt (Handicraft...), wo Kameruner aus Holz benutzbare Kunstwerke wie Höcker, Stühle, Tische und Dekoration fertigen und dies dort lernen, fuhren wir dann zu viert auf dem Okada zurück nach Hause und beendeten den Tag mit Kochen, Putzen und Schlafen.
Jetzt ist es schon Freitag, morgen kommen Lea und Paul, und ich hoffe ich kann den Text heute veröffentlichen, mal schauen wo das Internetcafé ist.

Liebste Grüße aus Bali

Ein Satz mit X, das war wohl nix, oder wars Max...?
Das Internetcafé jedenfalls hatte ein paar Problemchen uns mit dem World Wide Web zu verbinden, Balianer lieben Bali eben und bleiben gerne dort. Schlecht für mich, ich muss den Text dann wohl ein andermal veröffentlichen. Aber wenn Ihr das hier lest, dann hat es wohl funktioniert. ;-)