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Dienstag, 22. Juli 2014

Adamawa, Zugfahren wie in Deutschland. Fast.

Schule ist vorbei. Der Arbeitswechsel für die nächsten Freiwilligen allmählich am Rollen. Hier in Kamerun gibt es drei Monate Schulferien für die Kinder, Lehrer und Schulleiter. Auch für die Freiwilligen heißt das eine Menge Zeit zum Reisen.

Was auf meiner Liste noch fehlt ist die Fahrt in den Norden. Von Yaounde aus fährt ein Zug nach Ngaoundere. Das wäre doch was!

Zweiter Versuch: Auf nach Ngaoundere.
Also entschieden Laura, Lea und ich uns eine Woche Zeit zu nehmen, die Wanderrucksäcke zu packen und in de Adamawa-Region zu fahren. Nächste Woche. Lea wird Krank. Übernächste Woche. Wir fahren nach Bafoussam, feiern den Geburtstag einer Freiwilligen und wollen nächsten Tag nach Dschang, mit den Dschang Freiwilligen nach Yaounde und den Zug nehmen. Laura wird auch krank. Laura wird von Gregory in Bafoussam abgeholt, nach Bali zurückgebracht und Lea begleitet sie. Ich entscheide mich mit den drei Dschang Freiwilligen nach Ngaoundere zu fahren. Ein Tag wird noch in Dschang verbracht, eine kleine Studentenstadt. Kalt, viele junge Leute, französischsprachig. Aber eine schöne Stadt, mit See, vielen Bars und netter Innenstadt. Am Montag nehmen wir vier, Paul, Anna, Sophie und ich den Nachtbus nach Yaounde. 56 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Weitere 20 Stehplätze werden aber noch im Gang und auf den Treppen vorbereitet. Stellt euch das mal vor, sieben Stunden stehen, Nachts!
Ausruhen auf dem Grünstreifen, rechts das Schild, welches Sport und Hobbies untersagt

In Yaounde um sechs Uhr angekommen wird gleich ein Taxi zum Zugbahnhof genommen, wir kaufen uns Tickets für die zweite Klasse. Nach Ngaoundere macht das 15 Euro für ungefähr 14 Stunden Fahrt. Wir hörten geteilte Meinungen über die Zweite Klasse, Kinder kreischen, Leute sitzen im Gang, teilweise schlafen sie auch auf dem Boden. Es stinkt, der Zug ist zu voll, man wird beklaut. All das würden wir dann um zehn nach sieben erfahren, Abends, wenn der Zug dann losfährt.
Aber erstmal heißt es die zwölf Stunden in Yaounde zu verbringen. Die vorherige Nachtfahrt ermöglichte mir kaum Schlaf, den ganzen Tag den großen Rucksack auf dem Rücken, noch nicht gefrühstückt.
Der Tag in Yaounde war aber wirklich schön, nach einer langen Suche nach einem ordentlichen Frühstück verbrachten wir einige Zeit im schön angelegten Stadtpark, liefen eine Stunde einem Kerl auf dem Zentralen Markt nach, der schöne Schuhe für mich finden sollte, gingen in richtigen Supermärkten shoppen und liesen uns von einem "Polizisten" noch des Staatsstreiches beschuldigen.

Ich erläutere einfach mal kurz wie Polizisten sich von "Weißen" Geld erhoffen und wie das so ablaufen kann:

Wir saßen auf einer kleinen Grünfläche inmitten der Innenstadt, ein Schild wies uns darauf hin, dass es hier verboten sei Sport oder Hobbies auszuführen. Wir waren keineswegs die einzigen, die die Sonne und das weiche Grass genießen wollten, plötzlich kam aber ein Mann zu uns und sprach uns in französisch an. Ich kann nur das wiedergeben, was mir meine französisch sprechenden Mitfreiwilligen übersetzt haben, der Mann reagiert geradezu energisch aggressiv, als ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich eben kein französisch Spreche. Er kam also an und zeigt uns für eine halbe Sekunde lang (vielleicht +/- einige Millisekunden) seinen Polizeiausweis. Ich konnte in der Zeit und dank seines Daumens verdeckt nur "Hygiene" lesen. Sofort sehr aggressiv und einschüchternd meinte er es sei verboten hier zu sitzen. Mal abgesehen von den anderen Menschen die da noch so sitzen, leider aber nicht mehr da saßen... Ich fragt ob ich nochmal seinen Ausweis sehen dürfte, wieder zeigt er ihn nur wenige Millisekunden, verdeckt durch seine Wurstfinger. Nochmal bitte: Police Department of Hygiene. Was ist denn die Abteilung für Hygiene? Oberhausmeister? Nun sammelte er unsere Pässe ein, durchsuchte sie nach Fehlern, abgelaufene Visa oder etwas Unleserlichem.
Er faxte dann nicht lange herum, es ging dann ziemlich schnell um Geld, wer hier sitzt bezahlt eine Strafe. Und dann kam ihm ein Lichtblitz: Die Kamera! Nun haben wir wohl Fotos von Regierungsgebäuden gemacht, wir seien vielleicht Spione, er würde uns zur Polizei schleppen, oder wir bezahlen umgerechnet knapp 300 Euro jetzt und er lässt uns in Ruhe. Die Pässe in seiner Hand, meine Kamera baumelte an der Trageschlaufe immer wieder an sein Knie. Ich meinte, er sollte sie doch einfach bitte festhalten, er könne diese Kamera niemals bezahlen und ein Objektiv sei verdammt sensibel. Er schrie mich an, meinte ich solle doch die Botschaft anrufen. Ich rief an, auch wenn ich auf Deutsch redete, merkte er wohl, dass ich nicht scherzte. Zu meinem Unglück ging nur eine dummer menschlicher Anrufbeantworter dran, es zeigt aber Wirkung, er bat mich aufzulegen und nun reichten ihm ungefähr 75 Euro. Ich, leider aufgelegt, rufte gleich nochmal an. Nun fing er an englisch zu sprechen, eins, zwei Bier würden ja auch reichen, gab uns die Pässe zurück, meine Kamera wollte er noch behalten. Ich rief gleich nochmal den automatischen menschlichen Anrufbeantworter an, redete kaum mit der unnetten Dame sondern sagte nur viele Sätze mit Kamera und Police und Korruption. Der Mann stand auf, gab mir meine Kamera, dann seine Hand und sagte in etwa "Ich bin (Name des Polizisten), wir sind doch gute Freunde." Natürlich in flüssigem englisch. Wir durften gehen, hatten inmitten Yaounde und den vielen Gesichtern einen neuen Freund gefunden. Nicht.

Anna, Max und Sophie vor der Bahn nach Ngaoundere
Direkt hinter mir: Die Hälfte ist gefüllt mit Soldaten
Danach ging es gleich zum Zug, wir aßen noch kurz etwas und dann ging es auch schon los. Hektisch wurden die Zugtickets und Pässe kontrolliert, zum Zugabteil, wir hatten das letzte gaaanz hinten, mussten wir fast rennen. Innerhalb von ungefähr einer Viertel Stunde war der ganze Zug voll, das Gepäck vom Sicherheitsmann richtig verstaut und pünktlicher als die Deutsche Bahn konnten wir um 7:11 (Geplante Abfahrtszeit 7:10!!!) den Bahnhof in Yaounde verlassen. Was passierte uns mal wieder? Wir teilten uns das Zugabteil mit einer großen Gruppe von Brigade-Soldaten. Allesamt mit geladenen automatischen Gewehren und in bester und angetrunkener Laune. Sie wären auf dem Weg die Boko Haram im extremen Norden zu bekämpfen. Boko Haram haben in letzter Zeit gezielt Weiße im extremen Norden Kameruns entführt und grundsätzlich für eine Menge Angst und Schrecken gesorgt. Das heißt doch, dass die vier Weißen im Zug denen Dankbarkeit und ein offenes Ohr schuldete. Wir freundeten uns ziemlich schnell mit ihnen an, scherzten mit ihnen. Man hörte die Angst und Verzweiflung aus dem Gerede der jungen Menschen, sie wussten, dass nicht alle von ihnen wiederkommen würden, wenn überhaupt einer. Schwäche durften sie aber vor ihren Kameraden nicht zeigen, sie ertränkten die Schwäche in Witz und Alkohol. Wir saßen also im Partyzug. Zum Zug selbst: Besser als die zweite Klasse in Deutschland! Man kann sogar die Fenster öffnen, wenns zu warm wird. Der Zug ist aus lauter gegenüberstehenden Sitzreihen aufgebaut, aus lauter "Vierern". Die Sitze und der Zug sauber, Kinder gibt es zwar einige, aber kamerunische Kinder schreien einfach nicht auf reisen, das geklaut wird durch einem Guard an jedem Ausgang unterbunden. Nach jeder Station findet eine Passkontrolle von Polizisten statt. Also alles tipitopi. Einziges Manko: Wir kauften als eine der Ersten unsere Zugkarten, waren also im ersten Abteil direkt am Zug. Der starke Dieselmotor machte einen Lärm, mit dem wir fast die ganze Nacht durch zu kämpfen hatten.
Die Soldaten nochmal ganz.
Dann wurde auch noch gut jede Stunde angehalten, die Fenster auf, Sachen gekauft und weitergefahren. Etwas nervig, aber wie sollte man denn sonst auf 15 Stunden kommen?
Auch diese Nachtfahrt schlief ich nicht viel, ich wusste nicht wohin mit den Beinen, wie sitzt man gemütlich zum Schlafen, dann noch gegen die Fahrtrichtung und ach irgendwie sind diese Nachtfahrten nichts für mich.
Da lacht der Paul noch, freut sich ...
Gegessen wir auf Teppichen. Lecker Ziegenfleisch.
Morgens wachte ich dann ziemlich früh auf und die Landschaft war irgendwie anders. Das Graß saftig grün, mehr flach, wo sind alle Palmen hin? Achja, jetzt sind wir in der Adamawa-Region. Bekannt für den Viehhandel, das gute Fleisch, viele Kühe, Schafe, Ziegen, weniger Landwirtschaft. Und noch eine Veränderung: Nun sind Christen in der Minderheit. Die meisten Menschen im Norden kommen von den Familien der Fulani, Bororo oder Hausa, alles muslimische Völker. Was ist aber schon der unterschied zwischen Muslime und Christen? Die Muslime sind groß, schlacksig, dünn, haben anderes Haar. Sie tragen Körperlange Gewänder, meist in weiß, Meister-Proper-weiß (selbst der Automechaniker ist sauber wie ein sauberes Baby), Muslimenkäppchen und Lederschlappen.
...den Mt. Ngaoundere zu besteigen, dann aber...
...tritt er in einen gut 2cm langen Stachel, aua!
Auch das Feeling am Bahnhof ist ein Anderes. Es ist alles irgendwie entspannter, man wird weniger herumgeschubst, weniger angesprochen, man glaubt kaum noch, weiß zu sein. Taxifahrer rufen nicht mich, sondern ich die Taxifahrer. Taxis gibts eh kaum, eigentlich fahren nur Motorradtaxen. Auch die Motorräder sind anders, fahren geschmeidiger, langsamer, sind viel leiser. Erster Eindruck: WOW!

Das Sekräriat des Lamidat.
Nach einer langen Hotelsuche ohne Frühstück treffen wir einen Freund von Gregory, Derick. Er zeigt uns ein Hotel direkt am Bahnhof, wir entscheiden uns dafür. Sieben Euro für ein Doppelzimmer pro Nacht. Bett und Bad, perfekt für Freiwillige.

Strohbedeckte Häuser im Innenhof des Lamidat.
Ich war fasziniert von Ngaoundere. Kaum zwei Stunden da, schon habe ich mich verliebt. Um 13.30 ging dann das Gesinge los, die Menschen gingen mit ihren Teppichen Richtung Moschee, legten ihren Teppich nebeneinander und beteten zusammen. Der Verkehr fiel flach, Dank Ramadan hatten wir auch Schwierigkeiten Tagsüber etwas zu Essen zu bekommen. Überall gab es dann aber super leckeres Fleisch zu essen, viele Datteln, Lederschuhe, Kinder liefen mit heißem Tee zum Verkaufen herum. Der Kleine Markt, der viel größer ist als der Große Markt, bietet Alles an, was man möchte. Der Große Markt ist eher traditionell gehalten, viele Schneider und Gewänder, Kappen und Schuhe werden dort angeboten. Paul und ich liesen uns von einem Barbier traditionell rasieren. In die Stadt habe ich mich verliebt.

Am Freitag liesen wir uns durch den Palast von Ngaoundere führen, dem Lamidat. Freitag ist ein besonderer Tag, da der Lamido, der König, zur großen Moschee läuft und mit den anderen betet. Ungefähr tausend Menschen beteten da auf den buntesten Teppichen mitten in der Mittagssonne. Danach wurde im Lamidat der Lamido mit einer Knick und dem Berühren des Bodens mit beiden Händen begrüßt und dem Musizieren und Tanzen der Leute zugesehen. Ein wundervolles Erlebnis.
Gut 1000 Männer beten um halb zwei an der großen Moschee.
Schon wird der Lamido zurück in den Lamidat
eskortiert.
Die verrückte Dschang-Crew.
Am Samstag fuhren wir dann zusammen mit Derick in den Benue Nationalpark um ein paar Tiere zu sehen. Nach einer zweistündigen Panne liefen wir dann mit unserem zu kurz geratenen Guide und einer Wache durch den Nationalpark. Die Tiere ließen sich leider nicht so zahlreich blicken, wie gedacht. Wir sahen zwar ein paar Antilopen, Schildkröten, Papageie, Krokodile und Affen, Giraffen, Nilpferde und Hyänen haben sich aber nicht sehen lassen. Trotzdem war es ein schöner wenn auch, dank Panne, nervenzehrender Tag.
Gleich am nächsten Morgen um sieben sollte es dann zurück gehen, nicht mit Bahn sonder mit dem Bus. Über schlecht ausgebauten Straßen fuhren wir ungefähr 24 Stunden über Tibat, Banyo und Foumban nach Bafoussam. Ich nahm dann gleich den Bus weiter nach Bamenda und das Taxi nach Bali. Die Fahrt erlaubte kaum Schlaf oder Ruhe, ich bekam Muskelkater und Poschmerzen, dank ungemütlichen Sitzbänken und noch ungemütlicheren Straßen. 
Sieht man den Affen in der Mitte des Bildes?


Unsere Gruppe im Benue-Park, der Guide unten rechts ist einfach zu klein.
Der Benue-Park, wunderschöne Landschaften
Diesmal eine Antilope.
Von der Busbank auf die nächste Bank in Banyo,
erstmal ausruhen von der Fahrt.
Anschieben mussten wir den Bus zum Glück nur einmal.

Fix und fertig aber mit einer neuen Lieblingsstadt, Ngaoundere, erreichte ich dann mein schönes Haus in Bali am Montag. Und Laura sollte Donnerstag schon zurück nach Deutschland. Lauri war die letzten Monate leider immer wieder krank geworden und entschied sich dann spontan nach Hause zu fliegen, noch eine Woche Fieber, noch mehr Zeit im Bett verbringen, dass wollte sie nicht mehr ertragen.
Das letzte Bild von Lauri. 
Was macht der Typ da?

Ich fuhr nach Lauras abfahrt dann nochmal nach Kumbo, Pauline und Grace besuchen.

Nun sind schon einige Freiwillige weg, die Bafoussam Freiwilligen haben mich noch einmal besucht und das Haus ist ohne Laura doch etwas leer. Jetzt muss noch der Plan für die nächsten Freiwilligen ausgefeilt werden, der Boss ist bestimmt, der Mentor hier in Bali wird Gregory sein. Den Schulleitern der Schulen, an denen die nächsten Freiwilligen nicht mehr unterrichen muss gebeichtet werden, dass sie eben nicht mehr im Programm sind, den Übriggebliebenen muss das neue Konzept vorgestellt werden. Unserer Organisation wurde mittlerweile gut abgesagt, er wartet nur noch auf den letzten Bericht von meiner Seite, die Lust diesen zu schreiben hält sich aber in Grenzen.

Könnte ich mir jetzt nochmal meinen Freiwilligendienst-Einsatzort auswählen, würde ich Ngaoundere auswählen!


Liebste Grüße, ich komme!

Montag, 2. September 2013

Waschtag und auf einmal war es ein Paul

Nun sind wir hier schon eine halbe Woche, in Bali, in unserem Haus in Njenka. Lea wohnt jetzt für die nächsten zwei Wochen bei uns, da ihr Mitfreiwilliger erst später kommt und Patrick möchte, wenigstens in der Eingewöhnungsphase einen Mitbewohner zu haben. Neben dem täglichen Einkauf, Einrichten und Putzen des Hauses und Besuchen des Internetcafés ist nicht viel geschehen, außer: ganz viel Wäsche produziert. Und auch die vorhandenen Lappen und Bettlaken sollten wir doch noch einmal durchwaschen, nach den vier Wochen Abwesenheit der ehemaligen Freiwilligen und der vorherrschenden Luftfeuchtigkeit hat sich langsam aber sicher ein kleiner Muff über alle Stoffe gebildet, Staub gibt es hier in der Regenzeit zum Glück nicht so viel.
Aber Waschen mussten wir trotzdem, Waschmaschinen gibt es eigentlich nicht so viele, Waschsalons sind teuer, das Wasser ist im ganzen Viertel ausgefallen und ein Fluss fließt direkt durch Njenka durch. Also wird der kurze Weg, bewaffnet mit Seife, Waschpulver und Bürste, in Kauf genommen und das halbe Viertel trifft sich am Fluss um die Wäsche zu waschen. Wir konnten von Glück sprechen, dass Ernestine so nett war uns den Weg und auch das Waschen zu zeigen. Lea, Laura und ich durften also das erste mal, sicherlich aber nicht das letzte mal, die Wäsche im Fluss waschen.
Das Prozedere ist ziemlich simpel, Wäsche kurz in Waschmittelwasser einweichen, das löst Flecken und gröberen Dreck an, außerdem riecht die Wäsche dann angenehm und nicht nach der Kernseife, die im nächsten Schritt direkt in das zu waschende Kleidungsstück eingerieben wird. Am anstrengendsten ist dann wohl das „Ausklopfen“ der Wäsche. Dabei nehme ich einen Haufen Wäsche und haue sie mit viel Kraft und Wasser auf einen Stein, solange bis das austretende Wasser nicht mehr braun, sondern seifig ist. hartnäckige Flecken werden zusätzlich noch mit der Bürste ausgeschrubbt. Dann wird die Seife mit viel Wasser wieder ausgewaschen, das Kleidungsstück ausgewrungen und zum trocknen aufgehängt. Klingt einfach, ist es eigentlich auch, trotzdem benötigten wir für einen kleinen Korb mit Wäsche gut zwei Stunden. Arme, Hände und Beine bedankten sich dann am Abend.
Ich fühlte mich ein bisschen schlecht, die Seife und das Waschmittel einfach in den Fluss zu geben. Das ist sicherlich nicht die beste Möglichkeit, aber eigentlich die einzige. Ohne fließend Wasser ist es schwierig um den Fluss herumzukommen und zusätzlich kaum möglich das „verschmutzte“ Wasser ökologisch wiederaufzubereiten. Meines Erachtens nach versuchen die Anwohner hier im Viertel so wenig Seife und Waschmittel wie möglich zu benutzen, alleine auch aus ökonomischen Gründen, ganz umgeht werden kann das aber nicht. Sie wissen, dass viele Menschen abhängig von dem Wasser des Flusses sind und haben das im Hinterkopf. Mir selber fällt auch keine andere Lösung ein, als so wenig Waschmittel wie möglich zu benutzen und so ökonomisch wie möglich Wäsche zu waschen.
Schon rief Patrick an: „Come to Bamenda, we meet at the petrol station!“
Für 1200CFA, also umgerechnet zwei Euro, fuhren wir dann zu dritt in einem Taxi nach Bamenda. „To the petrol station at that big circle“, „Ah, I know“. Dort angekommen trafen wir gleich Patrick und Paul, ein weiterer CAMAAY-Freiwilliger, welcher in Bafoussam, ca. zwei Autostunden von Bamenda entfernt, wohnt. Patrick zeigte uns kurz die Innenstadt von Bamenda, den größten Markt, eine moderne Bäckerei und auch den VISA-Automaten, bei dem wir kostenfrei Geld abheben können. Nebenbei erwähnte der liebe Chef, dass Paul für drei Tage bei uns wohnen würde, weder wir, noch Paul selber wussten davon. Aber Laura, Lea und ich freuen uns über Besuch, also wohnen wir hier eben zu viert.

Und aufeinmal war es ein Paulchen mehr.
Nach einem kurzen und teuren Einkauf saßen wir dann noch kurz in einer Bar. Es gab große Biere, laute Musik und tanzende Kameruner. „The Cameroons know how to party, hehe“, sagte Patrick. Und das stimmte wirklich, ich sehe und höre immer wieder laute Musik aus Anlagen die einfach mitten auf der Straße aufgebaut sind. Die Leute hören, singen und tanzen spontan mit, sie sind einfach immer gut drauf.
Der Fahrer unseres Taxis zurück nach Bali kannte ganz zufällig den ehemaligen Freiwilligen Valentin. Er möge die Deutschen und besonders deutsche Krimiserien, zeigte uns wo wir noch schnell ein paar Avocados kaufen konnten und verriet uns im gleichen Moment noch ein paar leckere Avocadorezepte. Nummer aufgeschrieben, denn so einen netten und hoffentlich auch zuverlässigen Taxifahrer lässt sich nicht immer finden.

Das war der Sonntag, am Montag sollten wir endlich den wichtigen Autoritäten vorgestellt werden. Das fiel leider mehr oder wenig in den Regen, es regnet gerade aus allen Löchern. Das nutzen wir gerade aus und lassen große Gefäße an interessanten Punkten stehen, um sie mit Wasser vollregnen zu lassen, vergleiche ich das mit der Arbeit mit den Kanistern zum Fluss zu laufen, ist das echt entspannend.
Das ist auch schon der ganze Montag, Patrick hat abgesagt und es regnet und regnet. Wir nutzen die Langeweile um zu schreiben, Nottrichter zu basteln und kleine Quiz zu lösen.