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Dienstag, 22. Juli 2014

Adamawa, Zugfahren wie in Deutschland. Fast.

Schule ist vorbei. Der Arbeitswechsel für die nächsten Freiwilligen allmählich am Rollen. Hier in Kamerun gibt es drei Monate Schulferien für die Kinder, Lehrer und Schulleiter. Auch für die Freiwilligen heißt das eine Menge Zeit zum Reisen.

Was auf meiner Liste noch fehlt ist die Fahrt in den Norden. Von Yaounde aus fährt ein Zug nach Ngaoundere. Das wäre doch was!

Zweiter Versuch: Auf nach Ngaoundere.
Also entschieden Laura, Lea und ich uns eine Woche Zeit zu nehmen, die Wanderrucksäcke zu packen und in de Adamawa-Region zu fahren. Nächste Woche. Lea wird Krank. Übernächste Woche. Wir fahren nach Bafoussam, feiern den Geburtstag einer Freiwilligen und wollen nächsten Tag nach Dschang, mit den Dschang Freiwilligen nach Yaounde und den Zug nehmen. Laura wird auch krank. Laura wird von Gregory in Bafoussam abgeholt, nach Bali zurückgebracht und Lea begleitet sie. Ich entscheide mich mit den drei Dschang Freiwilligen nach Ngaoundere zu fahren. Ein Tag wird noch in Dschang verbracht, eine kleine Studentenstadt. Kalt, viele junge Leute, französischsprachig. Aber eine schöne Stadt, mit See, vielen Bars und netter Innenstadt. Am Montag nehmen wir vier, Paul, Anna, Sophie und ich den Nachtbus nach Yaounde. 56 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Weitere 20 Stehplätze werden aber noch im Gang und auf den Treppen vorbereitet. Stellt euch das mal vor, sieben Stunden stehen, Nachts!
Ausruhen auf dem Grünstreifen, rechts das Schild, welches Sport und Hobbies untersagt

In Yaounde um sechs Uhr angekommen wird gleich ein Taxi zum Zugbahnhof genommen, wir kaufen uns Tickets für die zweite Klasse. Nach Ngaoundere macht das 15 Euro für ungefähr 14 Stunden Fahrt. Wir hörten geteilte Meinungen über die Zweite Klasse, Kinder kreischen, Leute sitzen im Gang, teilweise schlafen sie auch auf dem Boden. Es stinkt, der Zug ist zu voll, man wird beklaut. All das würden wir dann um zehn nach sieben erfahren, Abends, wenn der Zug dann losfährt.
Aber erstmal heißt es die zwölf Stunden in Yaounde zu verbringen. Die vorherige Nachtfahrt ermöglichte mir kaum Schlaf, den ganzen Tag den großen Rucksack auf dem Rücken, noch nicht gefrühstückt.
Der Tag in Yaounde war aber wirklich schön, nach einer langen Suche nach einem ordentlichen Frühstück verbrachten wir einige Zeit im schön angelegten Stadtpark, liefen eine Stunde einem Kerl auf dem Zentralen Markt nach, der schöne Schuhe für mich finden sollte, gingen in richtigen Supermärkten shoppen und liesen uns von einem "Polizisten" noch des Staatsstreiches beschuldigen.

Ich erläutere einfach mal kurz wie Polizisten sich von "Weißen" Geld erhoffen und wie das so ablaufen kann:

Wir saßen auf einer kleinen Grünfläche inmitten der Innenstadt, ein Schild wies uns darauf hin, dass es hier verboten sei Sport oder Hobbies auszuführen. Wir waren keineswegs die einzigen, die die Sonne und das weiche Grass genießen wollten, plötzlich kam aber ein Mann zu uns und sprach uns in französisch an. Ich kann nur das wiedergeben, was mir meine französisch sprechenden Mitfreiwilligen übersetzt haben, der Mann reagiert geradezu energisch aggressiv, als ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich eben kein französisch Spreche. Er kam also an und zeigt uns für eine halbe Sekunde lang (vielleicht +/- einige Millisekunden) seinen Polizeiausweis. Ich konnte in der Zeit und dank seines Daumens verdeckt nur "Hygiene" lesen. Sofort sehr aggressiv und einschüchternd meinte er es sei verboten hier zu sitzen. Mal abgesehen von den anderen Menschen die da noch so sitzen, leider aber nicht mehr da saßen... Ich fragt ob ich nochmal seinen Ausweis sehen dürfte, wieder zeigt er ihn nur wenige Millisekunden, verdeckt durch seine Wurstfinger. Nochmal bitte: Police Department of Hygiene. Was ist denn die Abteilung für Hygiene? Oberhausmeister? Nun sammelte er unsere Pässe ein, durchsuchte sie nach Fehlern, abgelaufene Visa oder etwas Unleserlichem.
Er faxte dann nicht lange herum, es ging dann ziemlich schnell um Geld, wer hier sitzt bezahlt eine Strafe. Und dann kam ihm ein Lichtblitz: Die Kamera! Nun haben wir wohl Fotos von Regierungsgebäuden gemacht, wir seien vielleicht Spione, er würde uns zur Polizei schleppen, oder wir bezahlen umgerechnet knapp 300 Euro jetzt und er lässt uns in Ruhe. Die Pässe in seiner Hand, meine Kamera baumelte an der Trageschlaufe immer wieder an sein Knie. Ich meinte, er sollte sie doch einfach bitte festhalten, er könne diese Kamera niemals bezahlen und ein Objektiv sei verdammt sensibel. Er schrie mich an, meinte ich solle doch die Botschaft anrufen. Ich rief an, auch wenn ich auf Deutsch redete, merkte er wohl, dass ich nicht scherzte. Zu meinem Unglück ging nur eine dummer menschlicher Anrufbeantworter dran, es zeigt aber Wirkung, er bat mich aufzulegen und nun reichten ihm ungefähr 75 Euro. Ich, leider aufgelegt, rufte gleich nochmal an. Nun fing er an englisch zu sprechen, eins, zwei Bier würden ja auch reichen, gab uns die Pässe zurück, meine Kamera wollte er noch behalten. Ich rief gleich nochmal den automatischen menschlichen Anrufbeantworter an, redete kaum mit der unnetten Dame sondern sagte nur viele Sätze mit Kamera und Police und Korruption. Der Mann stand auf, gab mir meine Kamera, dann seine Hand und sagte in etwa "Ich bin (Name des Polizisten), wir sind doch gute Freunde." Natürlich in flüssigem englisch. Wir durften gehen, hatten inmitten Yaounde und den vielen Gesichtern einen neuen Freund gefunden. Nicht.

Anna, Max und Sophie vor der Bahn nach Ngaoundere
Direkt hinter mir: Die Hälfte ist gefüllt mit Soldaten
Danach ging es gleich zum Zug, wir aßen noch kurz etwas und dann ging es auch schon los. Hektisch wurden die Zugtickets und Pässe kontrolliert, zum Zugabteil, wir hatten das letzte gaaanz hinten, mussten wir fast rennen. Innerhalb von ungefähr einer Viertel Stunde war der ganze Zug voll, das Gepäck vom Sicherheitsmann richtig verstaut und pünktlicher als die Deutsche Bahn konnten wir um 7:11 (Geplante Abfahrtszeit 7:10!!!) den Bahnhof in Yaounde verlassen. Was passierte uns mal wieder? Wir teilten uns das Zugabteil mit einer großen Gruppe von Brigade-Soldaten. Allesamt mit geladenen automatischen Gewehren und in bester und angetrunkener Laune. Sie wären auf dem Weg die Boko Haram im extremen Norden zu bekämpfen. Boko Haram haben in letzter Zeit gezielt Weiße im extremen Norden Kameruns entführt und grundsätzlich für eine Menge Angst und Schrecken gesorgt. Das heißt doch, dass die vier Weißen im Zug denen Dankbarkeit und ein offenes Ohr schuldete. Wir freundeten uns ziemlich schnell mit ihnen an, scherzten mit ihnen. Man hörte die Angst und Verzweiflung aus dem Gerede der jungen Menschen, sie wussten, dass nicht alle von ihnen wiederkommen würden, wenn überhaupt einer. Schwäche durften sie aber vor ihren Kameraden nicht zeigen, sie ertränkten die Schwäche in Witz und Alkohol. Wir saßen also im Partyzug. Zum Zug selbst: Besser als die zweite Klasse in Deutschland! Man kann sogar die Fenster öffnen, wenns zu warm wird. Der Zug ist aus lauter gegenüberstehenden Sitzreihen aufgebaut, aus lauter "Vierern". Die Sitze und der Zug sauber, Kinder gibt es zwar einige, aber kamerunische Kinder schreien einfach nicht auf reisen, das geklaut wird durch einem Guard an jedem Ausgang unterbunden. Nach jeder Station findet eine Passkontrolle von Polizisten statt. Also alles tipitopi. Einziges Manko: Wir kauften als eine der Ersten unsere Zugkarten, waren also im ersten Abteil direkt am Zug. Der starke Dieselmotor machte einen Lärm, mit dem wir fast die ganze Nacht durch zu kämpfen hatten.
Die Soldaten nochmal ganz.
Dann wurde auch noch gut jede Stunde angehalten, die Fenster auf, Sachen gekauft und weitergefahren. Etwas nervig, aber wie sollte man denn sonst auf 15 Stunden kommen?
Auch diese Nachtfahrt schlief ich nicht viel, ich wusste nicht wohin mit den Beinen, wie sitzt man gemütlich zum Schlafen, dann noch gegen die Fahrtrichtung und ach irgendwie sind diese Nachtfahrten nichts für mich.
Da lacht der Paul noch, freut sich ...
Gegessen wir auf Teppichen. Lecker Ziegenfleisch.
Morgens wachte ich dann ziemlich früh auf und die Landschaft war irgendwie anders. Das Graß saftig grün, mehr flach, wo sind alle Palmen hin? Achja, jetzt sind wir in der Adamawa-Region. Bekannt für den Viehhandel, das gute Fleisch, viele Kühe, Schafe, Ziegen, weniger Landwirtschaft. Und noch eine Veränderung: Nun sind Christen in der Minderheit. Die meisten Menschen im Norden kommen von den Familien der Fulani, Bororo oder Hausa, alles muslimische Völker. Was ist aber schon der unterschied zwischen Muslime und Christen? Die Muslime sind groß, schlacksig, dünn, haben anderes Haar. Sie tragen Körperlange Gewänder, meist in weiß, Meister-Proper-weiß (selbst der Automechaniker ist sauber wie ein sauberes Baby), Muslimenkäppchen und Lederschlappen.
...den Mt. Ngaoundere zu besteigen, dann aber...
...tritt er in einen gut 2cm langen Stachel, aua!
Auch das Feeling am Bahnhof ist ein Anderes. Es ist alles irgendwie entspannter, man wird weniger herumgeschubst, weniger angesprochen, man glaubt kaum noch, weiß zu sein. Taxifahrer rufen nicht mich, sondern ich die Taxifahrer. Taxis gibts eh kaum, eigentlich fahren nur Motorradtaxen. Auch die Motorräder sind anders, fahren geschmeidiger, langsamer, sind viel leiser. Erster Eindruck: WOW!

Das Sekräriat des Lamidat.
Nach einer langen Hotelsuche ohne Frühstück treffen wir einen Freund von Gregory, Derick. Er zeigt uns ein Hotel direkt am Bahnhof, wir entscheiden uns dafür. Sieben Euro für ein Doppelzimmer pro Nacht. Bett und Bad, perfekt für Freiwillige.

Strohbedeckte Häuser im Innenhof des Lamidat.
Ich war fasziniert von Ngaoundere. Kaum zwei Stunden da, schon habe ich mich verliebt. Um 13.30 ging dann das Gesinge los, die Menschen gingen mit ihren Teppichen Richtung Moschee, legten ihren Teppich nebeneinander und beteten zusammen. Der Verkehr fiel flach, Dank Ramadan hatten wir auch Schwierigkeiten Tagsüber etwas zu Essen zu bekommen. Überall gab es dann aber super leckeres Fleisch zu essen, viele Datteln, Lederschuhe, Kinder liefen mit heißem Tee zum Verkaufen herum. Der Kleine Markt, der viel größer ist als der Große Markt, bietet Alles an, was man möchte. Der Große Markt ist eher traditionell gehalten, viele Schneider und Gewänder, Kappen und Schuhe werden dort angeboten. Paul und ich liesen uns von einem Barbier traditionell rasieren. In die Stadt habe ich mich verliebt.

Am Freitag liesen wir uns durch den Palast von Ngaoundere führen, dem Lamidat. Freitag ist ein besonderer Tag, da der Lamido, der König, zur großen Moschee läuft und mit den anderen betet. Ungefähr tausend Menschen beteten da auf den buntesten Teppichen mitten in der Mittagssonne. Danach wurde im Lamidat der Lamido mit einer Knick und dem Berühren des Bodens mit beiden Händen begrüßt und dem Musizieren und Tanzen der Leute zugesehen. Ein wundervolles Erlebnis.
Gut 1000 Männer beten um halb zwei an der großen Moschee.
Schon wird der Lamido zurück in den Lamidat
eskortiert.
Die verrückte Dschang-Crew.
Am Samstag fuhren wir dann zusammen mit Derick in den Benue Nationalpark um ein paar Tiere zu sehen. Nach einer zweistündigen Panne liefen wir dann mit unserem zu kurz geratenen Guide und einer Wache durch den Nationalpark. Die Tiere ließen sich leider nicht so zahlreich blicken, wie gedacht. Wir sahen zwar ein paar Antilopen, Schildkröten, Papageie, Krokodile und Affen, Giraffen, Nilpferde und Hyänen haben sich aber nicht sehen lassen. Trotzdem war es ein schöner wenn auch, dank Panne, nervenzehrender Tag.
Gleich am nächsten Morgen um sieben sollte es dann zurück gehen, nicht mit Bahn sonder mit dem Bus. Über schlecht ausgebauten Straßen fuhren wir ungefähr 24 Stunden über Tibat, Banyo und Foumban nach Bafoussam. Ich nahm dann gleich den Bus weiter nach Bamenda und das Taxi nach Bali. Die Fahrt erlaubte kaum Schlaf oder Ruhe, ich bekam Muskelkater und Poschmerzen, dank ungemütlichen Sitzbänken und noch ungemütlicheren Straßen. 
Sieht man den Affen in der Mitte des Bildes?


Unsere Gruppe im Benue-Park, der Guide unten rechts ist einfach zu klein.
Der Benue-Park, wunderschöne Landschaften
Diesmal eine Antilope.
Von der Busbank auf die nächste Bank in Banyo,
erstmal ausruhen von der Fahrt.
Anschieben mussten wir den Bus zum Glück nur einmal.

Fix und fertig aber mit einer neuen Lieblingsstadt, Ngaoundere, erreichte ich dann mein schönes Haus in Bali am Montag. Und Laura sollte Donnerstag schon zurück nach Deutschland. Lauri war die letzten Monate leider immer wieder krank geworden und entschied sich dann spontan nach Hause zu fliegen, noch eine Woche Fieber, noch mehr Zeit im Bett verbringen, dass wollte sie nicht mehr ertragen.
Das letzte Bild von Lauri. 
Was macht der Typ da?

Ich fuhr nach Lauras abfahrt dann nochmal nach Kumbo, Pauline und Grace besuchen.

Nun sind schon einige Freiwillige weg, die Bafoussam Freiwilligen haben mich noch einmal besucht und das Haus ist ohne Laura doch etwas leer. Jetzt muss noch der Plan für die nächsten Freiwilligen ausgefeilt werden, der Boss ist bestimmt, der Mentor hier in Bali wird Gregory sein. Den Schulleitern der Schulen, an denen die nächsten Freiwilligen nicht mehr unterrichen muss gebeichtet werden, dass sie eben nicht mehr im Programm sind, den Übriggebliebenen muss das neue Konzept vorgestellt werden. Unserer Organisation wurde mittlerweile gut abgesagt, er wartet nur noch auf den letzten Bericht von meiner Seite, die Lust diesen zu schreiben hält sich aber in Grenzen.

Könnte ich mir jetzt nochmal meinen Freiwilligendienst-Einsatzort auswählen, würde ich Ngaoundere auswählen!


Liebste Grüße, ich komme!

Sonntag, 8. Juni 2014

Ringroadrowdies, Mami, Henni und die Zucchinisoße

Die Ringroad, direkt vor der Haustür und doch haben wir sie erst Anfang April befahren. Das ist doch immer so: Man fährt hier und dort hin, um dies und das zu sehen, seine eigene Heimat kennt man noch gar nicht.

Die Ringroad, eine 367 Kilometer lange ringförmige Route, liegt nordöstlich von Bamenda und führt an einigen der schönsten Landschaften und kulturreichsten Örtchen Kameruns vorbei, an Wasserfällen, riesigen Palästen, rollenden Hügeln, Teletubbi-Landschaften und herrlichen Landstrichen.
Die Ringroad: Bamenda, Menchum, Befang, Wum, Nyos, Nkambe, Ndu, Kumbo, Bamenda

Aber von Anfang an:


Wir Freiwilligen Lea, Laura und Max plus eine Freundin Lauras, die Juli, entschieden uns ganz spontan, so wie Freiwillige sein sollten, noch eine Julia, Auslandspraktikantin im Bamenda Regional Hospital, kurzfristig zu überreden, mit uns doch einfach einmal die Ringroad zu erklimmen.
Saftiges Grün und Berge: Die North-West-Highlands
Da wurde dann unter einem Flexibilitätsrausch auch nicht lange herrumdiskutiert und es ging los: Drei Unterhösschen, T-shirts und Kamera in den Rucksack, ein Taxi nach Bamenda genommen und dort um 7 Uhr auf Julia gewartet. Dann ziemlich flott ein Taxi nach Bafut, in Bafut steht ein gut 1200 Jahre (müssten jetzt schon gut 1214 Jahre sein) alter Palast der Königsfamilie, der wurde aber ignoriert und nicht besichtigt, der kommt ein ander mal. Über alte Brücken, scharfen Kurven, einigen engen Überholmanövern fuhren wir dann mit unserem Shared-Taxi Richtung Befang zu unser ersten Station.
Im Taxi noch überlegten wir uns einen Namen für unsere Gruppe: Nachdem die Ringroadfairies (Ringroadfeen) fast einstimmig gegen die Ringroadrowdies verloren, konnten wir schon die erste Pause genießen:

Menchum Wasserfälle


Die Menchum Wasserfälle
Dürfte ich schätzen, würde ich sagen: die sind größer als ich! Um einiges, gut 30 bis 40 mal größer als ich. Auf einer alten, etwas heruntergekommen Besichtigungsplattform durften wir uns also kurz ausruhen, das laute Rauschen des Wasserfalls genießen und uns auf einem alten umgestürzten Baum gemütlich machen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Kraft Wasser haben kann, wie schön die Spritzer im Sonnenlicht funkeln, wie laut das bisschen Wasser werden kann. Ein schöner Anblick, irgendwie idyllisch da mitten auf dem Weg: ein Wasserfall, ein paar Bänke.

Die RingRoadRowdies bei den Menchum-Falls
Die Ruhe wurde dann etwas gestört, als eine Gruppe Kameruner vor dem Wasserfall posierte und im Endeffekt uns interessanter als den Wasserfall fand. Wir entschieden uns bei bestem Wetter den Fußmarsch von ungefähr einer Stunde nach Befang anzugehen. Die Sonne war stechend, jeder Schatten eine Wohltat. Die Rucksäcke waren nicht schwer, es gab keine nennenswerten Steigungen oder schwieriges Gelände, es war einfach zu heiß zum wandern.

Ein netter Empfang in Befang

Befang


(Befang liegt in der Karte etwas unter dem Knick unter Wum.)
In Befang erlaubten wir uns also erst einmal ein kühlendes Getränk.
Ich und meine Mädels mussten wirklich erstaunlich wirken: der Weiße mit den vier weißen Frauen. Die Männer wurden von diesem Phänomen geradezu angelockt, wir waren Gesprächsstoff für die nächste halbe Stunde, wieso gibt der Weiße da keine von seinen Frauen ab? Testosteron sprudelte aus jeder Ecke und Kante, ich fühlte mich wohl, soviel Anerkennung habe ich schon lange nicht mehr bekommen, meine Mädchen eher eingeengt.

Folge der roten Straße: Die Ringroad
Ich versprach, dass ich mein Allerbestes geben werde, alle Frauen wieder nach Hause zu bringen, einfach war das aber nicht. Manchmal muss man halt an der Polizeikontrolle, oder in jener Bar ein Fraulein abgeben, um seinen Weg fortsetzen zu können.

In Befang wurden dann Okadas gesucht, drei Leute auf ein Motorrad und ab die Berge hoch. Die Landschaft war Waldig, die Steigung teilweise 13°, die Kurven enger den je.

Wir wollten nach Wum, es war schönes Wetter, die Straße sah gut aus. Die Fahrt mit dem Moped war schön, aber auch genauso anstrengend. Drei Leute auf einem Okada, dauerhaft Bergauf, festhalten, Gepäck, entgegenkommende Autos, Bergab, zu schnell.

Wum


Ein paar beindruckende Formationen und Aussichten
In Wum fiel Laura mehr oder weniger vom Okada, ihr Bein war eingeschlafen, die Muskeln vom Festhalten völlig erschöpft, aber eine schöne Aussicht! Wir machten wieder Pause, entschieden uns aber die Nacht nicht in Wum zu verbringen. Weiter ging es also, zum Autobahnhof, ein Taxi nach Nkambe finden.
Das Interessante ist nun: es ist billiger von Wum über Befang, Bamenda, Kumbo nach Nkambe zu fahren, als von Wum über Nyos. Die Straßen seien schlecht, man verbraucht mehr Sprit und mehr Zeit. Das hieß für uns, viel viel Geld und ein Taxi für den Tag mieten, dafür konnten wir dann Lake Nyos besichtigen und in Nkambe noch ein Hotel suchen.

Auf also nach

Lake Nyos


Lake Nyos, Lake Nyos, ein Mörder.
Der liebe See hat ein ganzes Dorf ausgerottet, hunderte Menschen getötet und einen großen Landstrich unfruchtbar gemacht. Wieso, darüber streiten sich die Forscher. Entweder es war eine Gasblase zwischen Gesteinsschichten unter dem Grund, hervorgerufen durch verwesendes Kleingetier und Algen, oder eine Gasblase eines inaktiven Vulkans. Jedenfalls ist der See, die umliegende Landschaft und die gestorbenen Menschen jetzt tot.
Lake Nyos, der braune Kratersee, der Mörder
Der Kratersee hat sich daraufhin gelb gefärbt, was einen spektakulären Anblick bietet: zwischen Klippen und Felsvorsprüngen liegt die ruhige gelbe Flüssigkeit, oben auf dem Berg eine Labor- und Militäreinrichtung. In Richtung Tal, wo das gefilterte Wasser abfließt, ist ein wunderschöner Wald. Verrückte Welt!

Wir wurden persönlich von Generalissimo und ein paar Soldaten an den See geführt, sie hatten plötzlich alle Waffen in der Hand, teilweise auch noch ein Stück gegrillte Schlange, verlangten unsere Reisepässe und führten uns gezwungenermaßen den Weg zum See hinunter. Nach der kurzen Führung empfahl uns dann unser Fahrer, der auch um seinen Führerschein bangte, den Jungs doch ein bisschen Geld für Bier dazulassen, sonst könnte sich das noch etwas in die Länge ziehen. Die muskelbepackten Jungs saßen gemütlich mit ihren Kalaschnikows im Schatten und grillten sich eine riesige Würgeschlange, die sie irgendwo auf dem Weg gefangen haben. In welchem Film war ich da eigentlich? Der General bat mich dann noch in Nkambe für ihm Handyguthaben aufzuladen, gab mir 500F und wünschte uns einen schönen Tag. Weiter ging es nach Nkambe.


Nkambe


Über Teletubbiland mit komischen Ameisenbauten kamen wir dann bei Sonnenuntergang in Nkambe an. Hunger und ahnungslos über unseren nächtlichen verbleib, triezten wir unseren Fahrer, vom Zentrum zur Kirche, von da wieder ins Zentrum und zu einer anderen Kirche um schließlich ein Hotel im Zentrum zu finden. Nach einem ausgelassenem Essen und Bier mit dem Fahrer gingen wir dann ins Stundenhotel, Laura und Juli und Lea, Julia und ich, zu dritt aus Angst vorm Alleineschlafen.

Ndu-Tea-Estate, Teepflanzen soweit das Auge reicht

Ndu


Marsch durchs Teefeld
Morgens ging es dann schon weiter: Wir nahem ein Taxi nach Ndu, direkt zu den Tee Plantagen: Grüne Büsche soweit das Auge reicht. Kilometerlang nur Tee, Tee und Tee. Dabei bin ich gar nicht so ein Fan von Tee. Besichtigen wollten wir die Plantage trotzdem, der Sonntag machte uns aber einen Strich durch die Rechnung. Keiner Arbeitet am Sonntag, außer die Wächter, die sind aber nicht befugt, uns in die Teeplantage einzulassen. Der Manager war nicht zu erreichen, wir liefen die fünf Kilometer Richtung Ndu zurück, machten zwischendurch Pause und Picknick in den Teeplantagen, die man einfach betreten konnte, und hatten trotzdem einen schönen Einblick in die Büsche. Statt Tee wurde aber Wasser getrunken.

Kumbo


Kumbo von den Antennen
Die letzte Strecke wollten wir dann noch mit Okadas fahren: nach Kumbo, der nächste Ort, wo IB-Freiwillige wohnen. Kumbo liegt gut 2200 Meter über dem Meeresspiegel, wenn die Sonne scheint ist es warm, wenn nicht, dann bitterkalt. Nachts fast unerträglich Deutsch.
In Kumbo wurden dann noch ein paar schöne Tage verbracht, unsere Mitfreiwilligen getroffen, es wurde auf einem Berg bei den Antennen mit Aussicht über ganz Kumbo gegrillt und auch ein paar Versöhnungsbiere getrunken.

Na was ist denn das mitten in Kumbo?
Von Kumbo ging es dann direkt nach Bamenda zurück nach Bali: 367 Kilometer schlechte Straße in drei Tagen, eine ansehnliche Bilanz, die Arterien wurden freigeschüttelt und der Kopf hatte ein paar Beulen mehr vom Anstoßen am Autodach. Insgesamt aber eine sehr empfehlenswerte Route, schöne Landschaften, unglaubliche Aussichten, tolle Eindrücke. Insgesamt ist die Straße sicherlich auch gut mit dem Fahrrad zu meistern, wer also demnächst eine Fahrradtour plant: ab nach Kamerun.

Hendrik - Erika - Max

Erika und Henner


Wir sind dann an einem Dienstag in Bamenda gewesen, abends, müde von der Fahrt, erschöpft von der Ringroad. Gerade am Busbahnhof angekommen, ich hatte geplant, den Mittwoch zu entspannen, das Haus zu putzen und am Donnerstag dann nach Douala zu fahren um meine Mutter Erika und meinen großen Bruder Hendrik vom Flughafen abzuholen, klingelt mein Handy. Eine deutsche Nummer, kann nur meine Mutter sein:

"Du ich freue mich so, morgen sind wir in Kamerun!" - "Wie bitte? Morgen? Du meinst Übermorgen, Donnerstag!" - "Nein, wir kommen morgen, Mittwoch."

Die zwei Brüder
Ich bin gleich Rückwärts zurück in den Bus gefallen.
Dann hieß es ein Busticket nach Douala für Mittwoch kaufen, Hotel umbuchen, Fahrer anrufen, Zimmer aufräumen, Rucksack packen, spät schlafen gehen, früh aufstehen und ab nach Douala.

Am Ende ist aber alles super gelaufen, ich hatte noch einen schönen Tag in Douala, habe mir die Haare schneiden lassen und die Innenenstadt angeschaut (eine von den vielen Innenstädten), und am Abend Hendrik und Erika empfangen. Noch am Abend fuhren wir mit meinem Freund Edwin, der ein schickes und schnelles Autochen hat, nach Limbe zum Strand.
(Im Endeffekt waren wir alle ganz schön verplant gewesen, mein Bruder hatte mir im Januar das Reisedatum gesagt, das wäre dann der Donnerstag gewesen. Sie haben dann aber doch früher gebucht, am Mittwoch, es ist aber irgendwie untergegangen und mir hat es niemand gesagt. Ich habe auch nie nachgefragt, wir sprachen oft davon, dass sie bald kommen, aber nicht über das wann. Stress für mich, aber dafür habe ich meine Familie auch einen Tag früher sehen können.)

Nach Haiahaia dann die ersten Sonnenstrahlen, Hendrik und Erika sind gerade in Kamerun, ein wunderschöner Tag, Strand, Meeresluft, alle Menschen sind schwarz, die Häuser sehen ganz anders aus.
Fisch, Krabben, Krebs,...?
Meiner Mutter gefällts! Sie will gleich in die Stadt, frühstücken, einkaufen, rumschauen, schnuppern, Fotos schießen. Mein Bruder geht da etwas ruhiger dran, beobachtet, lacht über lustige Andersheiten, genießt.
Der Erdbeerbananen-Smoothie ist schon verdrückt, deswegen grinse ich so.
Nach einem eher ungewöhnlichem Frühstück, Fischsuppe mit Yams, lecker!, die Brotkultur wie wir sie in Deutschland kennen gibt es hier halt nicht so, dann noch in ein Cafe, Tee und Kaffee trinken, und ab zum Strand!

Der Sand schwarz, das Wasser warm, Palmen, Sonne, das kann man Osterferien nennen.

Der Fischermarkt in Limbe bei Sonnenuntergang
Lea, Juli, Laura, Erika, Hendrik im Affenzoo
Neben Strand und genießen wurde dann nach Limbe angeschaut, der Affenzoo "Wildlife-Center" in Limbe besucht, der Botanische Garten besichtigt und für meine Mutter ganz wichtig: der Markt. Meine Familie liebt Märkte, da wurde dann auch gleich der erste Stoff gekauft und zur Schneiderin geschickt. Limbe als Hafenstadt hat auch einen Fischmarkt, also ab zum nächsten Markt, es riecht nach Fisch, die Boote und Netze, es wird Fisch in Eis gelegt verkauft, daneben auch gleich für die gegrillt, dazu gibt es eine grüne und eine rote Soße. Der Fisch ist guuuut! In Bali kriegt man eigentlich nur tiefgefrorenen Fisch, 500 Kilometer vom Meer ist es halt schwierig an frischem Fisch zu kommen, besonders bei dem feuchtwarmen Klima hier.
Jeden Abend, manchmal auch mittags gab es also Fisch, Fisch, Fisch, meine Mutter fands gut.

Dann Richtung Bali, der Rücken und die Nase schmerzten vor Sonnenbrand, Julius fuhr uns mal wieder. Kurz nach Douala trafen wir dann auch Gregory zufällig an der Straße, mein African Papa, kurz nach Bafoussam bewunderten wir die Wasserfälle, bei Sonnenuntergang ging es dann von Bamenda nach Bali über das schöne Hochland der Nordwest-Region.

Gackern wie die Hühner: Ma Comfort, Erika und Ernestine
Viel Zeit blieb uns dann in Bali nicht, wir erklommen den Matterhorn ein weiteres, wir engagierten eine Juju-Tanzgruppe für Erika und Hendrik, besuchten die Nachbarn, besichtigten Bali und Bamenda, die verschiedenen Märkte, Laura, Lea und ich wurden krank, dann ging es schon wieder nach Limbe, ein paar Tage Entspannungsstrand und dann wieder zurück in den Flieger.
Freunde hat meine Mutter in der Nachbarschaft gefunden, besonders in Ma Comfort. Die beiden Mami saßen zusammen und quatschten, auch wenn meine Mutter nur gebrochenes Englisch spricht, verstanden haben die beiden sich mühelos.
Mama tanzt sogar mit mehr Schwung als die Jujus
Seit dem Zeitpunkt fragen viele nach meiner Mama, wie geht es ihr, dass ich sie grüßen soll.
Insgesamt hatte ich eine wunderschöne Zeit mit meiner Familie, gedaddelt mit dem Bruder, Mutter machte große Teile der Hausarbeit "Genieß es, die nächsten Monate hast du erstmal keine Mutter mehr", ich durfte ihnen mein Leben in Kamerun zeigen, wie schön es hier ist, was mir hier gefällt.
Nun kriege ich oft Nachrichten von meiner Mutter wie "ich will wieder nach Kameruuun!"
Irgendwann!






Was wächst, das wächst...wunderbar!


Nun ists drei Monate her, da wir den Schulgarten der G.S. Bali Town gr.I mit Samen bestückt haben. Und das was wächst, das wächst wunderbar! Brokkoli geht nicht an, Zucchini wächst wie verrückt, Rettich hat zwar Schwierigkeiten gegen den harten Boden anzukämpfen, wird aber groß wie große Karotten, Salat und Kohl wachsen, und lassen auf sich warten.

Zucchini was ist das? Wenn ich Zucchini kaufen möchte, dann muss ich in die Tiefen der Gemüseverkäufer in Bamenda gehen und einen hohen Preis bezahlen, darum kennen viele Leute, die wenigsten Kinder, Zucchini gar nicht. Zucchini aber wächst wie verrückt, da hielten wir es für angebracht den Kindern mal zu zeigen, was für ein tolles Gemüse das doch ist. Und wie lässt sich das besser beweisen als durchs Essen selbst?
Was macht der Whiteman da?!?
Wir planten also eine Kochstunde. Wir kauften Teller, Öl, Reis und einige andere Zutaten, ließe uns vor der Schule zwei Feuerstellen herrichten, einen Tisch anschleppen und die Kinder kommen und planten eine Reis mit einer roten Zucchinisoße. Zwei Kinder kümmerten sich ums Feuer, zwei um Reinheit, gut 20 Kinder schnippelten Tomaten, Zucchini, Zwiebeln. Zwei Chefkochs kümmerten sich dann um Reis und das Wohlbefinden der Soße. Gegessen wurde im Klassenraum, je zwei bis drei Kinder mussten sich einen Teller teilen, Salat aus Rettich, Karotten, Zucchini und Salat, alles aus dem Garten, gab es leider nur für die Lehrer. Insgesamt war dies ein toller Tag, die Kinder waren begeistert und halfen kräftig mit, die Lehrer fanden die Aktion gut und am Ende waren gut 50 Mäuler gestopft, ein voller Erfolg.

Ein Zucchini-Sößchen
Nun haben wir schon Anfang Juni, die Schule schließt in diesen Wochen. Wir sind gerade auf Abschied von den Schulen gestimmt, manchmal bin ich ganz froh, bei einigen würde ich doch gerne noch weiter Unterrichten und die Kinder sehen. Dazu behalten wir eine Tradition der Bali-Freiwilligen bei, wir schießen Fotos von unseren Klassen und den Lehrern, gestalten ein Plakat für die Schule, besonders schöne Fotos gibt es dann auch nochmal für die einzelnen Lehrer. Die Abschlussparties der Grundschulen sind für mich eher ein Graus, den Kindern gefällts. Es gibt Programm, Beten, Tanzen, Singen, Überreichen von Preisen, das Überreichen der Zertifikate etc. Da kann man auch mal fünf bis sechs Stunden dort sitzen, rausgehen ist zum Glück erlaubt.
Die Kinder finden es gut, das ist ihr Tag, dafür sitzen die auch gerne von Acht Uhr bis Sechs Uhr. Zugegeben, nicht alle.

Liebe Grüße und Ndiba mbumbo. (Eine Zigarette bitte.)



Samstag, 16. November 2013

Komm mit, wir gehen tanzen!

Da ist Max nun in Kamerun, erlebt hier und da etwas neues, erfährt dann und wann ein neues Wort in Mungaka und bekommt ohne wenn und aber neue Geschmackseindrücke präsentiert, trotzdem muss er eines feststellen: Hier gibt es viel zu viele Weiße...


Die letzte Woche war mal wieder sehr Schwarz-Weiß-gemixt (damit versuche ich zu sagen, dass wir durch diese Weißen, viel kamerunische Kultur mitbekommen haben).
Es fing damit an, das Benjamin, ein junger Schweizer, der mit seiner Familie für zwei Wochen durch Kamerun gereist ist und alleine noch eine weitere Wochen in Bamenda blieb, uns am Samstag besuchen kommen wollte. Das kam er dann ja schließlich auch, sogar mit eigenem Fahrer. Wir drei gingen gleich nach dem Frühstück los, wir wollten Benjamin etwas von Bali zeigen, den Palast, Ntangfoang, den Markt und so weiter.
Benjamin ist zum ersten mal Okada gefahren, fand es leider nur "interessant", und wir entschieden uns als ersten Zwischenstopp den Palast aufzusuchen.
Wir wurden wie immer gleich für eine Führung überredet, der Rezeptionist Immanuel wollte gleich mal fragen, ob der Fon auch noch für uns Zeit hätte, und dann ging es aufeinmal ganz schnell, Immanueal kam angehechtet und meinte: "schnell, schnell, der Fon kann euch Empfangen, hat aber nur ganz kurz Zeit!". Dann saßen wir auch schon vor dem Thron und klopften mit fünf immer leiser werdenden Klatschern den Fon herbei.

Der Sitz des Fons mit Muscheln geschmückt

Fon Ganyonga


Wenn der Fon steht, haben alle Gäste zu stehen, sitzt der Fon so darf man sich hinsetzten, Gäste dürfen nur gebückt die Treppe zum Thron hochlaufen, genauso dürfen Gäste ohne Einwilligung des Fons nicht ihre Beine überkreuzen und und und. Diese ganzen Regeln wurden uns ganz kurz und ganz auf Englisch vom Immanuel im Ganzen erzählt, Max konnte sich diese ganz und gar nicht merken.

Aber der Fon sah das alles nicht allzu eng, er fragte gleich nach unseren Namen, unser Alter und fand es gut, dass wir so spontan ihn besuchen kamen. Erst das ganze auf Englisch, dann nahm er einen wichtigen Anruf entgegen und dann sprach er weiter in fließender deutscher Sprache. Der Fon von Bali hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt und dort auch studiert, hat eine deutsche Frau und alles ist mal wieder Deutsch. Wir haben schon viele Leute getroffen, die ein paar deutsche Phrasen oder Sätze sprechen können, meist eher gebrochen, mit einigen kann man sich aber gut unterhalten. So auch mit unserem Fon, wir quatschten über dies und das und er war nett und versprach uns, uns bald wieder zu empfangen, er hätte heute nicht viel Zeit, wegen den vergangenen Wahlen.
Er sagte aber, wir sollen noch hierbleiben und bei ihm speißen, das liesen wir uns nicht entgehen und es gab Yamyams mit Jamajama und gegrilltem Fisch, (Yamyams sind Kartoffelähnliche Wurzeln, wenn ich Essen gehe, versuche ich immer Yamyams zu bekommen, Jamajama ist ähnlich Spinat und ist wohl Lauras Liebling hier, auch ich kann kaum genug bekommen davon) im Jamajama war außerdem noch noch gegrilltes Fleisch (arme Laura). Insgesamt war das Essen sehr lecker, wir bekamen noch ein Bier und die Frauen des Fons fragten uns immer wieder, ob alles zu unserer Zufriedenheit sei.
Der Innenhof des Palastes
Einige alte traditionelle Handwerke


Der Rest von Bali war dann schnell gezeigt, Benjamin musste dann auch bald und vor Dunkelheit gehen, wir entschieden uns uns am Dienstag wiederzutreffen, er wollte nämlich einmal eine Primary School von Innen sehen.

Also kam er ganz früh dienstag, wir stiegen auf unsere Okadas, ich schrieb mit meiner Klasse an der BNPS Alpha den Test, Benjamin schaute zu und war im Endeffekt etwas erstaunt, wie ich das aushalte, besonders den Sportunterricht, der mehr als wild ist.

Benjamin wollte nur einmal kurz Gregory hallo sagen. Gregory ist ein kameruner und arbeitet viel mit der Organisation Ashia zusammen. Seine Aufgabe ist die Koordination vor Ort und außerdem ist er noch bekannt als guter und verlässlicher Fahrer. Und so kam Benjamin an Gregory, seine Familie hat ihn für die zwei Wochen als Fahrer engagiert. Nun sollten wir auch Gregory kennenlernen, seine Nummer stand schon in unserem Freiwilligenbuch, er sei nett und helfe uns beim Wassersammeln, hier hängen überall Ashia-Kalender und in der Freiwilligenbuch-Karte ist der Ashia-Shop eingezeichnet, der Gregory gehört.

So kam also Gregory mit seinem Allrad-Pickup, rot mit weißer ashia.ch-Aufschrift, und zwei weiteren Weißen im Gepäck.
Na toll, da wollen wir Gregory kennenlernen und treffen zwei weitere Deutsche, Joel und Lukas. Joel hat die ersten fünf seiner Lebensjahre in Kamerun gelebt, und hat sich einen Freund gepackt um mal wieder in Kamerun rumzureisen.
Gregory lädt uns gleich zu einem kühlen Getränk ein, schon kommt noch ein Joel. Auch wieder weiß, aus der Schweiz, 67 Jahre alt, lebt mit seiner kamerunischen Frau in Kamerun, und baut mit seinem Verein Brunnen in Regionen wo Wasserknappheit herrscht.

Wir wollten doch nur kurz Gregory hallo sagen und dann nach Bamenda: "Nein, ihr könnt nicht nach Bamenda, wir sind alle auf einer Beerdigung eingeladen." Aber...aber...aber....

Bei Gregory gibt es keine abers, wir sind eingeladen, so gehen wir dann auch dort hin.

Also alle eingestiegen, eigentlich eher aufgestiegen, Laura und ich wollten nähmlich hinten auf der Ladefläche mitfahren. Als dann immer mehr Kisten mit Getränken und Bier aufgeladen, noch ein paar Mamis mitgenommen wurden und alle weißen hinten auf der Ladefläche saßen fuhren wir glücklich zur Beerdigung. (Jetzt denkt nicht böse über mich, weil ich glücklich war, hier werden Beerdigungen noch richtig gefeiert!)

Die Beerdigung


Auf der Fahrt schnappte ich auf, dass die Verstorbenen durch ein paar Trauertage und dann mächtigen und lauten Feiern geehrt werden. Auch der Nachfolger im weißen Gewand steht bei den Feiern schon mit im Mittelpunkt.
Auf zur Beerdigung, in Alltagsanzug
An dem Grundstück, wo Gregory dann anhielt, saßen schon ein paar Gäste, außerdem steckte ein Stock mit einer Puppe am oberen Ende, der Stock verziert, die Puppe bunt und ein Körper aus abstehendenem Stroh, als Symbol für den Tod eines Familienmitglieds, im Boden.
Immanuel, ein nahestehender Verwandter des Verstorbenen und Architekt (er sagte er habe das und das und jenes Gebäude entworfen und bauen lassen, fast halb Bali war von ihm erbaut, ein paar Tage darauf haben wir auch einen Okadafahrer und Bauarbeiter getroffen, der diese ganzen Gebäude mit seiner Firma für Immanuel baute), war die Person auf die unsere Einladung zurück ging. Wir wurden auch sofort vom Pick-Up auf eine Bank beordert und mit Speiß und Trank umgarnt. Die älteren Mamis staunten nicht schlecht, als Laura anfing zusammen mit einer Kamerunerin das Geschirr vorm Haus abzuwaschen.
Auch Laura freut sich riesig
Noch ein kurzes Päusschen und schon fing, erst langsam dann immer wilder, Trommel- und Xylophonspiel an. Gregory meinte wir warten noch auf die Tanzgruppe, und da erschien auch schon eine, in traditionellen Gewändern und bunt geschmückt, Trommeln, Gongs, Ban und riesige Holzxylophone im Schlepptau. Immer wieder liefen „wichtige Baliman“ an uns vorbei zum Hauptort der Beerdigung, sie erkennt man an einer traditionellen schwarzen Mütze in die verschiedene Federn gesteckt werden.
Lukas, Benjamin und ich, das schönste Foto
Da warteten wir nicht lange, folgten der Beerdigung und kamen auf ein Compound mit zwei Plätzen. Auf diesen Plätzen bildeten sich, nach und nach und immer wieder neu, zwei Tanzzentren mit eigener Trommelmusik und Xylophongespiele.

Getanzt wird auf Beerdigungen so:
Einer der Tanzzentren
Es wird in einer sich in einer Schlange gereiht und im Takt mit einer komplizierten aber langsamen Schrittfolge „weitergetanzt“, es geht also bei jedem Takt einen kleinen Schritt weiter, die Reihe bildet einen Kreis und umtanzt weitere Personen, vermutlich die Angehörigen. In dem Kreis befinden sich dann die großen und geschmückten Trommeln und Drum ( eine aus einem ganzen Baumstamm gefertigte Trommel mit zwei Klangfeldern und riesigen Knüppeln als Schlagstöckern, aber unendlichen Möglichkeiten), Gongs ( eine Art Glocke mit zwei Klangfeldern auf die mit einem kleinen Stock getrommelt wird) Ban ( eine Art Vase mit einem großen Loch oben, welche entweder mit der flachen Hand oder einem Knüppel mit Kissen gespielt wird) und die wild tanzenden Menschen. Zu dem ganzen Getanze wird dann noch gesungen, alle im Chor und manchmal auch einer alleine.

Das große Runde ist eine Drum
Schon dieses Tanzen, da gab es die Gruppe links und die andere rechts, in verschiedenen Takten, verschiedene Melodien und unterschiedliche Instrumente, war herrlich anzusehen. Selbst die ältesten der Alten und die Verrücktesten der Verrückten nahmen Teil an diesem Spektakel und auch ich wurde freudig empfangen mitzutanzen und mitzufeiern.

Plötzlich hieß und Gregory dort zu stehen - nein lieber dort, eigentlich ist es dort am besten und haltet eure Kameras bereit! - die Jujus kommen.

Alle gute Jujus
Jujus, so wussten wir bereits, sind eine Art von Geistern, in den Jujus stecken keine Menschen, sondern irgendwie die Seelen von den Ahnen oder so. Etwas verwirrend wenn man früher noch gar keinen Kontakt mit solchen Jujus hatte, den Sinn und die Idee hinter dieser Tradition zu verstehen. Ich kann nicht viel genaues zu ihnen sagen, alles was ich jetzt schreibe ist wie ich es verstanden habe.

Es gibt jedenfalls gute und böse Jujus.
In Kumbo laufen nach dem Tod eines Angehörigen gerne einmal böse Jujus rum, sie werfen Stöcke oder schlagen mit diesen, wirst du von ihnen berührt, bist du verflucht und musst dich bei dem Fon freikaufen, tust du dies nicht, so wirst du verrückt oder stirbst einen plötzlichen Tod. Läuft einer dieser bösen Jujus durch die Stadt, so legt er den gesamten Verkehr und die Arbeitswelt für die Dauer seiner Anwesenheit lahm, die Kinder laufen schreiend und heulend weg und selbst die Ältesten die mit ihrem Stock so daherhumpeln kriegen auf einmal neue Hüftgelenke und verstecken sich in den unmöglichsten Verstecken.
Für mich ist es eher unglaublich, die Menschen glauben aber fest daran.

Da kamen also die Jujus, Gregory lachte, als wir fragten ob auch böse Jujus kommen und meinte diese seien einzig für die Unterhaltung der Gäste da.

Und da kamen sie, in ihren schwarzen Gewändern, mit Kastagnetten ähnlichen Rasseln an den Waden, einem Pferdeschweif und verzierten Stock und ihren Tiermasken aus dunklem Holz. Ein Drumspieler hat schon angefangen die wildesten Rythmen auf seinem Instrument zu schlagen, die Jujus tanzen herein und legen die wildeste, atemberaubendste Tanzshow ab, die ich jemals verfolgen durft. Ihre Stöcke wurden immer wieder in anderer Ordnung in die Mitte gelegt, die Schweife machten einen Geräusch, das Fegen ähnlich ist, und die Rasseln an ihren Füßen rasselten sich wild und fuchsig. Staub wurde durch die sechs gleichzeitig stampfenden Jujus aufgewirbelt, die Haare des Pferdeschweifs rasten auf dich zu und traten durch einen kräftigen aber geplanten Ruck des Jujus wie eine Peitsche den Rückweg an, die Jujus warfen sich zu Boden und tanzten im Kreis, drehten sich um ihre eigene Achse und tanzten immer wieder, gefährlich nahekommend, die Gäste und Zuschauer an. Ist man zufrieden mit der Show der Jujus, will in eine glückliche Zukunft investieren, oder möchte die Jujus unterstützen, so gibt man ihnen unauffällig Geld, steckt ein Juju einen Stock vor deine Füße und Tanzt, dich mit seiner Maske anschauend, so musst du Geld geben. (Da handelt es sich um 100CFA also ~17ct, keine Angst!)
Auch auf dem Po wird getanzt
Da grinst uns Kingsley an
Einer der Jujus machte „ksss, Max, it's me“. Super, unter der Maske weiß ich auch wer it's me ist, „I'm Kingsley, Okada, you know?“, Kingsley unser lieblings Okada Fahrer war das da unter der Maske? Aufeinmal erkannte ich sein breites Grinsen, ich wusste sofort, wem ich eine kleine Spende geben, unser Kingsley ein Juju, verrückt.

Die verzierten Stäbe mit den Puppen wurden mit den Bildern
des Verstorbenen mit zum Tanzen genommen
Nach der zweiten Runde der Jujus, umgezogen und beim zweiten Platz, traf ich dann Immanuel, den Rezeptionisten des Palastes und er war ganz froh mich zu sehen. Er prahlte gleich mit „wie gefällt dir meine Tanzgruppe? Wir hatten schon Auftritte in Osteuropa und in Frankreich und Spanien.“
Wie? Immanuel trainiert die Jujus, die schon in Europa tanzten und Kingsley ist einer von ihnen? Was sollte denn jetzt noch kommen?

Der ist wohl am ehesten ein Böser
Beendet wurde die Beerdigung für uns dann mit ein paar Planten (Kochbananen) und einem bösen Juju. Es hatte sich wie in windeseile herumgesprochen, das auf der Beerdigung ein böser Juju rumläuft, den Frauen nicht sehen dürfen, es liegen gut 100 Frauen in das Haus hinein, vor dem wir gerade aßen, Laura wurde mehr oder weniger hereingezerrt und mit dem Gesicht gegen die Wand stehen gelassen.
Gregory und der alte Joel
Ich als Mann durfte ihn sehen, also bin ich auf zur Quelle des Unsinns und erfuhr nur, das jemand sich einen Scherz erlaubt hatte. Ich fragte Gregory, warum ihn Frauen nicht sehen dürfen, Männer aber schon, er lachte wiedermal und meinte, der böse Juju sei ein nackter Mann. Warum wollte ich den doch gleich unbedingt sehen?

Die deutsche Familie


Was ein Tag. Ab ins Bettchen, dachte sich Max, Gregory fuhr uns zum Ntangfoang, wir brachten Benjamin zum Taxi und wir sollten noch schnell Diane besuchen, weil Gregory ihr was bringen wollte. Diane ist die Frau des Prescraft-Managers in Bali und lebt auf dem Grundstück des Prescraft mit ihrem Mann und zwei echt süßen Kindern. Diane meinte, Mona und Florian wollten uns unbedingt kennenlernen, sie sind Deutsche und wohnen hier in Bali.
Gregory nahm sich das zum Anlass, uns gleich zu ihnen zu fahren. Mona ist Hebamme und Papa Florian ist Kinderarzt, Juri ist gerade drei Jahre alt und Eda genau eins. Sie leben im Viertel Jamjam und haben dort ein schickes Häusschen und einen wundervollen Garten. Die beiden sind jetzt wohl Mitte dreißig, wirken aber einige Jahre jünger und sind beide total liebe und nette Menschen. Wir versprachen uns mal zu treffen und gingen dann noch mit Gregory, Lukas und Joel ein Bettbierchen trinken.

Das war ein Tag. Der Tag. Man hat nichts böses im Kopf,will nur kurz nach Bamenda und erlebt durch Zufall soviel Kultur und Spaß auf einmal. Nicht das das etwas besonderes sei, lebe einfach in den Tag hinein und bleib spontan, flexibel und laufe mit offenen Augen durch Bali, so passieren dir immer wieder unerwartete Dinge, die den Aufenthalt hier in Kamerun unvergesslich machen werden.