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Samstag, 25. Januar 2014

Heimbericht, die Zweite

Ich habe mal wieder etwas zu erzählen.

Eine lange Zeit ist vergangen, seit ich meinen letzten Heimbericht veröffentlicht habe. Also handelt der folgende Text darüber, was ich die letzten zwei Monate in Kamerun erlebt habe.


Yaoundé



Die Hauptstadt Kameruns, das politische Zentrum, Regierungssitz, 1.5 Millionen Einwohner. Erster Eindruck mit Parks, Joggern, Yoga- und Aufwärmgruppen, Statuen, Bäumen, Clubs, Einkaufszentren: absolut Positiv! (Gleich noch was zur größten Stadt Douala, welche mir etwas Angst vor Yaoundé gemacht hatte)


Wir hören regelmäßig: "Mein Bruder studiert in Yaoundé" – "Meine Familie wohnt in Yaoundé" – "Mein Onkel ist Anwalt in Yaoundé". Alle Busunternehmer werben mit der Fahrt nach Yaoundé für 5000 CFA, also sollten wir es doch auch einmal probieren und unsere Mitfreiwillige Sabine besuchen.
Abends um sieben schleppten wir uns also mit Isomatte und Schlafsack bepackt zum Busbahnhof "Vatican Express", buchten unsere Fahrt nach Yaoundé und saßen noch bis halb Zehn in einer kleinen Snackbar. Um Zehn sollte der Bus den Motor starten und uns zur Hauptstadt fahren, um elf ging es also "pünktlich" los.
Der Nachtbus: Groß, sauber, schnell, schlafen, keinen ganzen Tag verschwenden... einige Vorteile.
Nachteile: eher unsicher, doch nicht schlafen, den nächsten Tag gerädert verschlafen, man fühlt sich nach jeder langen Fahrt eklig.


Wir kamen trotzdem gut um sechs Uhr morgens an, holten uns ein Taxi und merkten schon: Yaoundé ist riesig, und teuer! Man fährt einfach Stundenlang von A nach B, weil eben alles so weit auseinanderliegt, Öffentliche gibts nur ganz wenig und jeder nimmt ein Taxi, die Straßen sind zu klein und es gibt einfach zu viel Verkehr.


Die Innenstadt ist aber ganz anders, es gibt Eisdielen, Musikläden, Supermärkte, Elektrogeschäfte. Alles total europäisch, daneben aber auch die traditionellen Märkte, die kleinen Restaurants und Shops.


Mein Ausflug nach Yaounde war geprägt durch das Hilton Hotel, das Hilton, eins der besten Hotels mit einer wundervollen Aussicht vom elften Stock. Wir wurden von einer Freundin von Sabine eingeladen zum trinken, dort gab es alle Möglichkeiten von Cocktails und Alkohol, zu Preisen, die auch im elften Stock schwebten. Für die Freundin war das aber kein Problem, sie bezahlte und drängte uns doch noch einen Mojito für 8€ zu nehmen.
Da habe ich richtig gemerkt, das die Schere zwischen Reich und Arm ganz besonders in den Großstädten enorm ist, die einen flüchten aus ihren Dörfern vom Land und suchen in der Stadt nach dem Geld und ein besseres Leben, werden dann von der Stadt vollkommen ausgenommen um Reichen mehr Reichtum zu ermöglichen.


Grüße aus dem Hilton in Yaoundé
Ich merkte diesen Unterschied, weil ich in Bali sonst mit Menschen zu tun habe, die eher wenig betucht sind, sie fragen aber nie nach Geld, sondern sind glücklich und zufrieden mit ihrer Familie, ihrem Compound und ihren Freunden, in Yaounde war ich als weißer der große Geldbeutel, viele fragten mich nach Geld, oder wollten mir unbedingt dies und das verkaufen. Und dabei gibt es Kameruner, die viel mehr Geld haben, schon ihr drittes Haus bauen lassen, ein tolles Auto fahren. Ganz besonders in Yaounde.




 



Douala – Flughafen



Am 21.12 sollte die Mama und Schwester von Laura kommen, wir fragten ein paar befreundete Freiwilligen, ob wir bei ihnen Übernachten dürften und kamen am Tag davor in Douala an, es war heiß! Douala liegt ziemlich nah am Meer, ziemlich tief und durch die große Stadt heizt sich das Gebiet verdammt auf und das bei fast 100% Luftfeuchtigkeit. Es ist wahrlich grausam immer wieder zwischen 40° draußen und 18°C innen bei Klimaanlage zu wechseln.
Um zehn Uhr trafen wir uns mit unserem Fahrer am Flughafen, später sei gefährlich und schwierig mit dem Taxi, um drei Uhr morgens sollte das Flugzeug landen, um sieben Uhr saßen wir dann endlich im Auto nach Bali, neun Stunden warten im Flughafen, super!


Lela



Ein Festival stand an: Lela ist das Neujahrsfestival Balis und regional bekannt und beliebt. Es wird das Ende eines (welcher?!) Krieges gefeiert, die eine Hälfte verkleidet sich als Soldaten, beschmieren sich mit Dreck und Musterfarbe, schießen mit traditionellen Gewehren und tanzen, die andere sieht sich in traditionellen Anzügen wieder, es wird mit Flöten und Trommeln Musik gemacht und getanzt.
Es war echt erstaunlich, man hörte ab vier Uhr Nachmittags viele viele laute Knalle, die Jugendlichen liefen mit Gewehren rum, die Kleinen bastelten sich ihre eigenen Gewehre, welche mit Streichhölzern befeuert werden, aber auch einen unglaublichen Lärm machen.
Lauras Familie war genauso beeindruckt wie ich, hunderte Menschen, alle in traditionell dresses oder Soldatenkostüm, am Palast in Bali, die Luft stank nach verbranntem Schwarzpulver und Feuer.


























Weihnachten



Unser Weihnachtsbaum mit Geschenken
Happy Christmas in advance.
Das sagen unsere Freunde uns schon am ersten Dezember, Fröhliche Weihnachten im Voraus.
Der Adventskalender
Wir Deutschen feiern Weihnachten am 24. Dezember, das wollten wir beibehalten, gerade da Lauras Familie und Lea bei uns wohnten, so kauften Laura und ich nach und nach ein paar Weihnachtssachen zusammen, es gab einen Plastikweihnachtsbaum mit Kunstschnee, Plastikchristbaumkugeln, einen selbstgemachten Adventskranz und selbstgemachte Adventskalender, auf der Straße hörte man lautdröhnend Weihnachtslieder und die 30°C tagsüber störten dann auch nicht mehr.
Am 24. waren wir zusammen noch ein kleines muslimisches Dorf namens Baba besuchen, die Dorfbewohner sind gute Freunde von Gregory und er wollte uns einfach einmal eine kleine und total nette Dorfgemeinschaft zeigen, wie idyllisch das doch war!





Baba


Das ist Gregory

Baba


 
Marie mit einem drei Tage altem Mädchen
Der Stolz einer jeden Familie, Töpfe

Grüße auch aus Baba


 Weihnachtsabend



Das Weihnachtsessen
Am Abend fanden wir uns zum kochen zusammen, jeder kochte etwas, was er gut konnte, am Ende kamen dann gefüllte Pfannkuchen zusammen. An Füllung gab es Bohnen in Weißweinsoße, karamellisierte Karotten, Basilikumpesto, eine Olivenöl-Senf Soße, Mais, Oliven gebratene Paprika, allerlei Gemüse und Käse! Nach zwei von den Köstlichkeiten war man dann auch schon satt, es sollte ja noch ein paar Geschenke geben.
Wir bauten alle Geschenke in Tetris-Manier vor dem Weihnachtsbaum auf, die Lichterkette blinkte und ich führte die mosigsche Tradition des "man-muss-schon-eine-6-würfeln-um-ein-Geschenk-zu-bekommens-!" ein.
Nach der reichlichen Bescherung (zugegeben, die letzten Geschenke waren alle für Laura) war es auch schon eins, wir gingen alle mit unseren Geschenken ins Bett, ich mit meinen neuen Masken.


Kamerunisch Weihnachten wird wie überall anders auf der Welt am 25. mit Familie und Freunden gefeiert. Gregory lud uns ein, wir sollten lecker essen und gut quatschen, seine Familie kennenlernen und Weihnachten bei ihm genießen.




Weihnachtsshopping


Frohe Weihnachten an Daniela und Valentin



Jujus in unserem Compound!



Gregory sieht sich ganz oft verantwortlich für alles, er nennt uns Son und Daughter und wir ihn Papa, er meint, solange er die Möglichkeit hat sich um uns zu kümmern, will er das auch tun und schon einige Biere gehen auf seine Rechnung, mit der Ankunft Lauras Familie sah er sich neuen Aufgaben konfrontiert und entschied kurzerhand: Es müssen Jujus für Sabine und Marie tanzen!
Den Tag beschreibe ich einfach in Bildern:

Klickt mal aufs Bild, dann seht ihr mehr Details


Unser Wasserfall



Die ganze Gruppe ist erstaunt
In Bali gibt es einen Wasserfall, das wussten wir zwar schon, waren aber noch nie dort gewesen, wir packten Schwimmsachen und Nachbarkinder ein und fuhren los, ein Traum! Im eiskalten Wasser kann geschwommen werden, die Lage ist wunderschön und auch die Jugendlichen genießen ihn. Der Wasserfall ist einfach ein Traum und wir haben uns versprochen öfters dorthin zu gehen, selbst zu Fuß brauchen wir nur ungefähr fünfzehn Minuten.

 
















Matterhorn



Wir waren wieder oben, diesmal bei etwas mehr Sonne und ein paar mehr Freunden, eine wundervolle Aussicht.



















Max war traurig, weil er sein
 Feuerzeug vergessen hatte

Liebe Grüße von oben


















La Kribienne und Bonne Année


am 31. Dezember sollte es für Marie und Sabine auch schon wieder nach zurück nach Deutschland gehen, wir nahmen früh einen Bus nach Douala, kamen spät in unserem Hotel an und wurden um drei zum Flughafen gebracht, es wurde sich kurz verabschiedet und wir wurden per Shuttle gleich zum Busbahnhof nach Kribi gefahren, um vier Uhr morgens sollte der erste Bus ja schließlich schon losfahren. Natürlich fährt so ein Bus erst, wenn er voll ist und so kamen wir dann um acht oder neun von Douala los und fuhren weiter südlich nach Kribi.
Wir machten eine Wette daraus, wer zuerst das Meer sieht, ich war natürlich der erste, der das blaue Wasser, den Strand und die vielen Palmen ausfindig machte, wir waren an Silvester am Meer, ein tolles Gefühl.
Das Hotel lag am Anfang von Kribi, hat eine wunderschöne Anlage und nette Zimmer mit Klimaanlage und, was das alles noch viel schöner macht: es liegt 200 Meter vom Strand entfernt. Was hielt uns also auf, völlig unausgeschlafen im Meer herumzutollen? Nichts!


Und Kribi ist einfach wundervoll, es ist eine normale Stadt, es gibt einen täglichen Markt, normale Bars und daneben stehen ein paar Hotels. Es ist wenig wie ein Touristenzentrum, Touristen schlafen mehr oder wenig in unmittelbarer Nähe von Bewohnern Kribis. Der Strand wird von allen genutzt, man sieht Pärchen, Jogger und Jugendliche die schwimmen, daneben uns Weiße, die genau das gleiche machen.
Einzig eins störte die Idylle, wir wurden vorgewarnt, das in Kribi oft Taschen gestohlen werden, das passierte uns auch, eine Tasche, ein Handy und eine Kette ein bisschen Geld hier und da liesen sich entwenden, Lauras Tasche wurde sogar von der Flut entwendet. Trotzdem war der Strand der Ort, unser Frühstück, Mittagessen und Abendessen wurde alles in Meeresnähe abgehalten, wollte man mal billiger Essen, gab es was auf dem Markt oder eine Kokosnuss von einer Mami.


Silvester feierten wir mit fast allen Freiwilligen an einem Hotel, es wurde getrunken, teuer gegessen und beim Überschreiten der "12" im Meer mit einem Bierchen angestoßen, danach in Handtuch und Badehose von Vorsätzen und übers alte Jahr geschwärmt.


Wir blieben bis zum 4.01. in Kribi, genossen den Strand, aßen Avocadosalat und frisches Baguette und liesen es uns einfach mal gut gehen, Ferien machen in Kamerun. Die vier Übernachtungen gingen viel zu schnell um, plötzlich saßen wir schon wieder im Bus nach Bamenda und froren eine kalte nach in Bali.
Frühstück am Strand
 

Die Lobé-Wasserfälle, eine der wenigen Wasserfälle
 auf der Welt, die direkt ins Meer Rauschen


Heimbericht Nummer Zwei, fertig.



Samstag, 16. November 2013

Komm mit, wir gehen tanzen!

Da ist Max nun in Kamerun, erlebt hier und da etwas neues, erfährt dann und wann ein neues Wort in Mungaka und bekommt ohne wenn und aber neue Geschmackseindrücke präsentiert, trotzdem muss er eines feststellen: Hier gibt es viel zu viele Weiße...


Die letzte Woche war mal wieder sehr Schwarz-Weiß-gemixt (damit versuche ich zu sagen, dass wir durch diese Weißen, viel kamerunische Kultur mitbekommen haben).
Es fing damit an, das Benjamin, ein junger Schweizer, der mit seiner Familie für zwei Wochen durch Kamerun gereist ist und alleine noch eine weitere Wochen in Bamenda blieb, uns am Samstag besuchen kommen wollte. Das kam er dann ja schließlich auch, sogar mit eigenem Fahrer. Wir drei gingen gleich nach dem Frühstück los, wir wollten Benjamin etwas von Bali zeigen, den Palast, Ntangfoang, den Markt und so weiter.
Benjamin ist zum ersten mal Okada gefahren, fand es leider nur "interessant", und wir entschieden uns als ersten Zwischenstopp den Palast aufzusuchen.
Wir wurden wie immer gleich für eine Führung überredet, der Rezeptionist Immanuel wollte gleich mal fragen, ob der Fon auch noch für uns Zeit hätte, und dann ging es aufeinmal ganz schnell, Immanueal kam angehechtet und meinte: "schnell, schnell, der Fon kann euch Empfangen, hat aber nur ganz kurz Zeit!". Dann saßen wir auch schon vor dem Thron und klopften mit fünf immer leiser werdenden Klatschern den Fon herbei.

Der Sitz des Fons mit Muscheln geschmückt

Fon Ganyonga


Wenn der Fon steht, haben alle Gäste zu stehen, sitzt der Fon so darf man sich hinsetzten, Gäste dürfen nur gebückt die Treppe zum Thron hochlaufen, genauso dürfen Gäste ohne Einwilligung des Fons nicht ihre Beine überkreuzen und und und. Diese ganzen Regeln wurden uns ganz kurz und ganz auf Englisch vom Immanuel im Ganzen erzählt, Max konnte sich diese ganz und gar nicht merken.

Aber der Fon sah das alles nicht allzu eng, er fragte gleich nach unseren Namen, unser Alter und fand es gut, dass wir so spontan ihn besuchen kamen. Erst das ganze auf Englisch, dann nahm er einen wichtigen Anruf entgegen und dann sprach er weiter in fließender deutscher Sprache. Der Fon von Bali hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt und dort auch studiert, hat eine deutsche Frau und alles ist mal wieder Deutsch. Wir haben schon viele Leute getroffen, die ein paar deutsche Phrasen oder Sätze sprechen können, meist eher gebrochen, mit einigen kann man sich aber gut unterhalten. So auch mit unserem Fon, wir quatschten über dies und das und er war nett und versprach uns, uns bald wieder zu empfangen, er hätte heute nicht viel Zeit, wegen den vergangenen Wahlen.
Er sagte aber, wir sollen noch hierbleiben und bei ihm speißen, das liesen wir uns nicht entgehen und es gab Yamyams mit Jamajama und gegrilltem Fisch, (Yamyams sind Kartoffelähnliche Wurzeln, wenn ich Essen gehe, versuche ich immer Yamyams zu bekommen, Jamajama ist ähnlich Spinat und ist wohl Lauras Liebling hier, auch ich kann kaum genug bekommen davon) im Jamajama war außerdem noch noch gegrilltes Fleisch (arme Laura). Insgesamt war das Essen sehr lecker, wir bekamen noch ein Bier und die Frauen des Fons fragten uns immer wieder, ob alles zu unserer Zufriedenheit sei.
Der Innenhof des Palastes
Einige alte traditionelle Handwerke


Der Rest von Bali war dann schnell gezeigt, Benjamin musste dann auch bald und vor Dunkelheit gehen, wir entschieden uns uns am Dienstag wiederzutreffen, er wollte nämlich einmal eine Primary School von Innen sehen.

Also kam er ganz früh dienstag, wir stiegen auf unsere Okadas, ich schrieb mit meiner Klasse an der BNPS Alpha den Test, Benjamin schaute zu und war im Endeffekt etwas erstaunt, wie ich das aushalte, besonders den Sportunterricht, der mehr als wild ist.

Benjamin wollte nur einmal kurz Gregory hallo sagen. Gregory ist ein kameruner und arbeitet viel mit der Organisation Ashia zusammen. Seine Aufgabe ist die Koordination vor Ort und außerdem ist er noch bekannt als guter und verlässlicher Fahrer. Und so kam Benjamin an Gregory, seine Familie hat ihn für die zwei Wochen als Fahrer engagiert. Nun sollten wir auch Gregory kennenlernen, seine Nummer stand schon in unserem Freiwilligenbuch, er sei nett und helfe uns beim Wassersammeln, hier hängen überall Ashia-Kalender und in der Freiwilligenbuch-Karte ist der Ashia-Shop eingezeichnet, der Gregory gehört.

So kam also Gregory mit seinem Allrad-Pickup, rot mit weißer ashia.ch-Aufschrift, und zwei weiteren Weißen im Gepäck.
Na toll, da wollen wir Gregory kennenlernen und treffen zwei weitere Deutsche, Joel und Lukas. Joel hat die ersten fünf seiner Lebensjahre in Kamerun gelebt, und hat sich einen Freund gepackt um mal wieder in Kamerun rumzureisen.
Gregory lädt uns gleich zu einem kühlen Getränk ein, schon kommt noch ein Joel. Auch wieder weiß, aus der Schweiz, 67 Jahre alt, lebt mit seiner kamerunischen Frau in Kamerun, und baut mit seinem Verein Brunnen in Regionen wo Wasserknappheit herrscht.

Wir wollten doch nur kurz Gregory hallo sagen und dann nach Bamenda: "Nein, ihr könnt nicht nach Bamenda, wir sind alle auf einer Beerdigung eingeladen." Aber...aber...aber....

Bei Gregory gibt es keine abers, wir sind eingeladen, so gehen wir dann auch dort hin.

Also alle eingestiegen, eigentlich eher aufgestiegen, Laura und ich wollten nähmlich hinten auf der Ladefläche mitfahren. Als dann immer mehr Kisten mit Getränken und Bier aufgeladen, noch ein paar Mamis mitgenommen wurden und alle weißen hinten auf der Ladefläche saßen fuhren wir glücklich zur Beerdigung. (Jetzt denkt nicht böse über mich, weil ich glücklich war, hier werden Beerdigungen noch richtig gefeiert!)

Die Beerdigung


Auf der Fahrt schnappte ich auf, dass die Verstorbenen durch ein paar Trauertage und dann mächtigen und lauten Feiern geehrt werden. Auch der Nachfolger im weißen Gewand steht bei den Feiern schon mit im Mittelpunkt.
Auf zur Beerdigung, in Alltagsanzug
An dem Grundstück, wo Gregory dann anhielt, saßen schon ein paar Gäste, außerdem steckte ein Stock mit einer Puppe am oberen Ende, der Stock verziert, die Puppe bunt und ein Körper aus abstehendenem Stroh, als Symbol für den Tod eines Familienmitglieds, im Boden.
Immanuel, ein nahestehender Verwandter des Verstorbenen und Architekt (er sagte er habe das und das und jenes Gebäude entworfen und bauen lassen, fast halb Bali war von ihm erbaut, ein paar Tage darauf haben wir auch einen Okadafahrer und Bauarbeiter getroffen, der diese ganzen Gebäude mit seiner Firma für Immanuel baute), war die Person auf die unsere Einladung zurück ging. Wir wurden auch sofort vom Pick-Up auf eine Bank beordert und mit Speiß und Trank umgarnt. Die älteren Mamis staunten nicht schlecht, als Laura anfing zusammen mit einer Kamerunerin das Geschirr vorm Haus abzuwaschen.
Auch Laura freut sich riesig
Noch ein kurzes Päusschen und schon fing, erst langsam dann immer wilder, Trommel- und Xylophonspiel an. Gregory meinte wir warten noch auf die Tanzgruppe, und da erschien auch schon eine, in traditionellen Gewändern und bunt geschmückt, Trommeln, Gongs, Ban und riesige Holzxylophone im Schlepptau. Immer wieder liefen „wichtige Baliman“ an uns vorbei zum Hauptort der Beerdigung, sie erkennt man an einer traditionellen schwarzen Mütze in die verschiedene Federn gesteckt werden.
Lukas, Benjamin und ich, das schönste Foto
Da warteten wir nicht lange, folgten der Beerdigung und kamen auf ein Compound mit zwei Plätzen. Auf diesen Plätzen bildeten sich, nach und nach und immer wieder neu, zwei Tanzzentren mit eigener Trommelmusik und Xylophongespiele.

Getanzt wird auf Beerdigungen so:
Einer der Tanzzentren
Es wird in einer sich in einer Schlange gereiht und im Takt mit einer komplizierten aber langsamen Schrittfolge „weitergetanzt“, es geht also bei jedem Takt einen kleinen Schritt weiter, die Reihe bildet einen Kreis und umtanzt weitere Personen, vermutlich die Angehörigen. In dem Kreis befinden sich dann die großen und geschmückten Trommeln und Drum ( eine aus einem ganzen Baumstamm gefertigte Trommel mit zwei Klangfeldern und riesigen Knüppeln als Schlagstöckern, aber unendlichen Möglichkeiten), Gongs ( eine Art Glocke mit zwei Klangfeldern auf die mit einem kleinen Stock getrommelt wird) Ban ( eine Art Vase mit einem großen Loch oben, welche entweder mit der flachen Hand oder einem Knüppel mit Kissen gespielt wird) und die wild tanzenden Menschen. Zu dem ganzen Getanze wird dann noch gesungen, alle im Chor und manchmal auch einer alleine.

Das große Runde ist eine Drum
Schon dieses Tanzen, da gab es die Gruppe links und die andere rechts, in verschiedenen Takten, verschiedene Melodien und unterschiedliche Instrumente, war herrlich anzusehen. Selbst die ältesten der Alten und die Verrücktesten der Verrückten nahmen Teil an diesem Spektakel und auch ich wurde freudig empfangen mitzutanzen und mitzufeiern.

Plötzlich hieß und Gregory dort zu stehen - nein lieber dort, eigentlich ist es dort am besten und haltet eure Kameras bereit! - die Jujus kommen.

Alle gute Jujus
Jujus, so wussten wir bereits, sind eine Art von Geistern, in den Jujus stecken keine Menschen, sondern irgendwie die Seelen von den Ahnen oder so. Etwas verwirrend wenn man früher noch gar keinen Kontakt mit solchen Jujus hatte, den Sinn und die Idee hinter dieser Tradition zu verstehen. Ich kann nicht viel genaues zu ihnen sagen, alles was ich jetzt schreibe ist wie ich es verstanden habe.

Es gibt jedenfalls gute und böse Jujus.
In Kumbo laufen nach dem Tod eines Angehörigen gerne einmal böse Jujus rum, sie werfen Stöcke oder schlagen mit diesen, wirst du von ihnen berührt, bist du verflucht und musst dich bei dem Fon freikaufen, tust du dies nicht, so wirst du verrückt oder stirbst einen plötzlichen Tod. Läuft einer dieser bösen Jujus durch die Stadt, so legt er den gesamten Verkehr und die Arbeitswelt für die Dauer seiner Anwesenheit lahm, die Kinder laufen schreiend und heulend weg und selbst die Ältesten die mit ihrem Stock so daherhumpeln kriegen auf einmal neue Hüftgelenke und verstecken sich in den unmöglichsten Verstecken.
Für mich ist es eher unglaublich, die Menschen glauben aber fest daran.

Da kamen also die Jujus, Gregory lachte, als wir fragten ob auch böse Jujus kommen und meinte diese seien einzig für die Unterhaltung der Gäste da.

Und da kamen sie, in ihren schwarzen Gewändern, mit Kastagnetten ähnlichen Rasseln an den Waden, einem Pferdeschweif und verzierten Stock und ihren Tiermasken aus dunklem Holz. Ein Drumspieler hat schon angefangen die wildesten Rythmen auf seinem Instrument zu schlagen, die Jujus tanzen herein und legen die wildeste, atemberaubendste Tanzshow ab, die ich jemals verfolgen durft. Ihre Stöcke wurden immer wieder in anderer Ordnung in die Mitte gelegt, die Schweife machten einen Geräusch, das Fegen ähnlich ist, und die Rasseln an ihren Füßen rasselten sich wild und fuchsig. Staub wurde durch die sechs gleichzeitig stampfenden Jujus aufgewirbelt, die Haare des Pferdeschweifs rasten auf dich zu und traten durch einen kräftigen aber geplanten Ruck des Jujus wie eine Peitsche den Rückweg an, die Jujus warfen sich zu Boden und tanzten im Kreis, drehten sich um ihre eigene Achse und tanzten immer wieder, gefährlich nahekommend, die Gäste und Zuschauer an. Ist man zufrieden mit der Show der Jujus, will in eine glückliche Zukunft investieren, oder möchte die Jujus unterstützen, so gibt man ihnen unauffällig Geld, steckt ein Juju einen Stock vor deine Füße und Tanzt, dich mit seiner Maske anschauend, so musst du Geld geben. (Da handelt es sich um 100CFA also ~17ct, keine Angst!)
Auch auf dem Po wird getanzt
Da grinst uns Kingsley an
Einer der Jujus machte „ksss, Max, it's me“. Super, unter der Maske weiß ich auch wer it's me ist, „I'm Kingsley, Okada, you know?“, Kingsley unser lieblings Okada Fahrer war das da unter der Maske? Aufeinmal erkannte ich sein breites Grinsen, ich wusste sofort, wem ich eine kleine Spende geben, unser Kingsley ein Juju, verrückt.

Die verzierten Stäbe mit den Puppen wurden mit den Bildern
des Verstorbenen mit zum Tanzen genommen
Nach der zweiten Runde der Jujus, umgezogen und beim zweiten Platz, traf ich dann Immanuel, den Rezeptionisten des Palastes und er war ganz froh mich zu sehen. Er prahlte gleich mit „wie gefällt dir meine Tanzgruppe? Wir hatten schon Auftritte in Osteuropa und in Frankreich und Spanien.“
Wie? Immanuel trainiert die Jujus, die schon in Europa tanzten und Kingsley ist einer von ihnen? Was sollte denn jetzt noch kommen?

Der ist wohl am ehesten ein Böser
Beendet wurde die Beerdigung für uns dann mit ein paar Planten (Kochbananen) und einem bösen Juju. Es hatte sich wie in windeseile herumgesprochen, das auf der Beerdigung ein böser Juju rumläuft, den Frauen nicht sehen dürfen, es liegen gut 100 Frauen in das Haus hinein, vor dem wir gerade aßen, Laura wurde mehr oder weniger hereingezerrt und mit dem Gesicht gegen die Wand stehen gelassen.
Gregory und der alte Joel
Ich als Mann durfte ihn sehen, also bin ich auf zur Quelle des Unsinns und erfuhr nur, das jemand sich einen Scherz erlaubt hatte. Ich fragte Gregory, warum ihn Frauen nicht sehen dürfen, Männer aber schon, er lachte wiedermal und meinte, der böse Juju sei ein nackter Mann. Warum wollte ich den doch gleich unbedingt sehen?

Die deutsche Familie


Was ein Tag. Ab ins Bettchen, dachte sich Max, Gregory fuhr uns zum Ntangfoang, wir brachten Benjamin zum Taxi und wir sollten noch schnell Diane besuchen, weil Gregory ihr was bringen wollte. Diane ist die Frau des Prescraft-Managers in Bali und lebt auf dem Grundstück des Prescraft mit ihrem Mann und zwei echt süßen Kindern. Diane meinte, Mona und Florian wollten uns unbedingt kennenlernen, sie sind Deutsche und wohnen hier in Bali.
Gregory nahm sich das zum Anlass, uns gleich zu ihnen zu fahren. Mona ist Hebamme und Papa Florian ist Kinderarzt, Juri ist gerade drei Jahre alt und Eda genau eins. Sie leben im Viertel Jamjam und haben dort ein schickes Häusschen und einen wundervollen Garten. Die beiden sind jetzt wohl Mitte dreißig, wirken aber einige Jahre jünger und sind beide total liebe und nette Menschen. Wir versprachen uns mal zu treffen und gingen dann noch mit Gregory, Lukas und Joel ein Bettbierchen trinken.

Das war ein Tag. Der Tag. Man hat nichts böses im Kopf,will nur kurz nach Bamenda und erlebt durch Zufall soviel Kultur und Spaß auf einmal. Nicht das das etwas besonderes sei, lebe einfach in den Tag hinein und bleib spontan, flexibel und laufe mit offenen Augen durch Bali, so passieren dir immer wieder unerwartete Dinge, die den Aufenthalt hier in Kamerun unvergesslich machen werden.