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Dienstag, 22. Juli 2014

Adamawa, Zugfahren wie in Deutschland. Fast.

Schule ist vorbei. Der Arbeitswechsel für die nächsten Freiwilligen allmählich am Rollen. Hier in Kamerun gibt es drei Monate Schulferien für die Kinder, Lehrer und Schulleiter. Auch für die Freiwilligen heißt das eine Menge Zeit zum Reisen.

Was auf meiner Liste noch fehlt ist die Fahrt in den Norden. Von Yaounde aus fährt ein Zug nach Ngaoundere. Das wäre doch was!

Zweiter Versuch: Auf nach Ngaoundere.
Also entschieden Laura, Lea und ich uns eine Woche Zeit zu nehmen, die Wanderrucksäcke zu packen und in de Adamawa-Region zu fahren. Nächste Woche. Lea wird Krank. Übernächste Woche. Wir fahren nach Bafoussam, feiern den Geburtstag einer Freiwilligen und wollen nächsten Tag nach Dschang, mit den Dschang Freiwilligen nach Yaounde und den Zug nehmen. Laura wird auch krank. Laura wird von Gregory in Bafoussam abgeholt, nach Bali zurückgebracht und Lea begleitet sie. Ich entscheide mich mit den drei Dschang Freiwilligen nach Ngaoundere zu fahren. Ein Tag wird noch in Dschang verbracht, eine kleine Studentenstadt. Kalt, viele junge Leute, französischsprachig. Aber eine schöne Stadt, mit See, vielen Bars und netter Innenstadt. Am Montag nehmen wir vier, Paul, Anna, Sophie und ich den Nachtbus nach Yaounde. 56 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Weitere 20 Stehplätze werden aber noch im Gang und auf den Treppen vorbereitet. Stellt euch das mal vor, sieben Stunden stehen, Nachts!
Ausruhen auf dem Grünstreifen, rechts das Schild, welches Sport und Hobbies untersagt

In Yaounde um sechs Uhr angekommen wird gleich ein Taxi zum Zugbahnhof genommen, wir kaufen uns Tickets für die zweite Klasse. Nach Ngaoundere macht das 15 Euro für ungefähr 14 Stunden Fahrt. Wir hörten geteilte Meinungen über die Zweite Klasse, Kinder kreischen, Leute sitzen im Gang, teilweise schlafen sie auch auf dem Boden. Es stinkt, der Zug ist zu voll, man wird beklaut. All das würden wir dann um zehn nach sieben erfahren, Abends, wenn der Zug dann losfährt.
Aber erstmal heißt es die zwölf Stunden in Yaounde zu verbringen. Die vorherige Nachtfahrt ermöglichte mir kaum Schlaf, den ganzen Tag den großen Rucksack auf dem Rücken, noch nicht gefrühstückt.
Der Tag in Yaounde war aber wirklich schön, nach einer langen Suche nach einem ordentlichen Frühstück verbrachten wir einige Zeit im schön angelegten Stadtpark, liefen eine Stunde einem Kerl auf dem Zentralen Markt nach, der schöne Schuhe für mich finden sollte, gingen in richtigen Supermärkten shoppen und liesen uns von einem "Polizisten" noch des Staatsstreiches beschuldigen.

Ich erläutere einfach mal kurz wie Polizisten sich von "Weißen" Geld erhoffen und wie das so ablaufen kann:

Wir saßen auf einer kleinen Grünfläche inmitten der Innenstadt, ein Schild wies uns darauf hin, dass es hier verboten sei Sport oder Hobbies auszuführen. Wir waren keineswegs die einzigen, die die Sonne und das weiche Grass genießen wollten, plötzlich kam aber ein Mann zu uns und sprach uns in französisch an. Ich kann nur das wiedergeben, was mir meine französisch sprechenden Mitfreiwilligen übersetzt haben, der Mann reagiert geradezu energisch aggressiv, als ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich eben kein französisch Spreche. Er kam also an und zeigt uns für eine halbe Sekunde lang (vielleicht +/- einige Millisekunden) seinen Polizeiausweis. Ich konnte in der Zeit und dank seines Daumens verdeckt nur "Hygiene" lesen. Sofort sehr aggressiv und einschüchternd meinte er es sei verboten hier zu sitzen. Mal abgesehen von den anderen Menschen die da noch so sitzen, leider aber nicht mehr da saßen... Ich fragt ob ich nochmal seinen Ausweis sehen dürfte, wieder zeigt er ihn nur wenige Millisekunden, verdeckt durch seine Wurstfinger. Nochmal bitte: Police Department of Hygiene. Was ist denn die Abteilung für Hygiene? Oberhausmeister? Nun sammelte er unsere Pässe ein, durchsuchte sie nach Fehlern, abgelaufene Visa oder etwas Unleserlichem.
Er faxte dann nicht lange herum, es ging dann ziemlich schnell um Geld, wer hier sitzt bezahlt eine Strafe. Und dann kam ihm ein Lichtblitz: Die Kamera! Nun haben wir wohl Fotos von Regierungsgebäuden gemacht, wir seien vielleicht Spione, er würde uns zur Polizei schleppen, oder wir bezahlen umgerechnet knapp 300 Euro jetzt und er lässt uns in Ruhe. Die Pässe in seiner Hand, meine Kamera baumelte an der Trageschlaufe immer wieder an sein Knie. Ich meinte, er sollte sie doch einfach bitte festhalten, er könne diese Kamera niemals bezahlen und ein Objektiv sei verdammt sensibel. Er schrie mich an, meinte ich solle doch die Botschaft anrufen. Ich rief an, auch wenn ich auf Deutsch redete, merkte er wohl, dass ich nicht scherzte. Zu meinem Unglück ging nur eine dummer menschlicher Anrufbeantworter dran, es zeigt aber Wirkung, er bat mich aufzulegen und nun reichten ihm ungefähr 75 Euro. Ich, leider aufgelegt, rufte gleich nochmal an. Nun fing er an englisch zu sprechen, eins, zwei Bier würden ja auch reichen, gab uns die Pässe zurück, meine Kamera wollte er noch behalten. Ich rief gleich nochmal den automatischen menschlichen Anrufbeantworter an, redete kaum mit der unnetten Dame sondern sagte nur viele Sätze mit Kamera und Police und Korruption. Der Mann stand auf, gab mir meine Kamera, dann seine Hand und sagte in etwa "Ich bin (Name des Polizisten), wir sind doch gute Freunde." Natürlich in flüssigem englisch. Wir durften gehen, hatten inmitten Yaounde und den vielen Gesichtern einen neuen Freund gefunden. Nicht.

Anna, Max und Sophie vor der Bahn nach Ngaoundere
Direkt hinter mir: Die Hälfte ist gefüllt mit Soldaten
Danach ging es gleich zum Zug, wir aßen noch kurz etwas und dann ging es auch schon los. Hektisch wurden die Zugtickets und Pässe kontrolliert, zum Zugabteil, wir hatten das letzte gaaanz hinten, mussten wir fast rennen. Innerhalb von ungefähr einer Viertel Stunde war der ganze Zug voll, das Gepäck vom Sicherheitsmann richtig verstaut und pünktlicher als die Deutsche Bahn konnten wir um 7:11 (Geplante Abfahrtszeit 7:10!!!) den Bahnhof in Yaounde verlassen. Was passierte uns mal wieder? Wir teilten uns das Zugabteil mit einer großen Gruppe von Brigade-Soldaten. Allesamt mit geladenen automatischen Gewehren und in bester und angetrunkener Laune. Sie wären auf dem Weg die Boko Haram im extremen Norden zu bekämpfen. Boko Haram haben in letzter Zeit gezielt Weiße im extremen Norden Kameruns entführt und grundsätzlich für eine Menge Angst und Schrecken gesorgt. Das heißt doch, dass die vier Weißen im Zug denen Dankbarkeit und ein offenes Ohr schuldete. Wir freundeten uns ziemlich schnell mit ihnen an, scherzten mit ihnen. Man hörte die Angst und Verzweiflung aus dem Gerede der jungen Menschen, sie wussten, dass nicht alle von ihnen wiederkommen würden, wenn überhaupt einer. Schwäche durften sie aber vor ihren Kameraden nicht zeigen, sie ertränkten die Schwäche in Witz und Alkohol. Wir saßen also im Partyzug. Zum Zug selbst: Besser als die zweite Klasse in Deutschland! Man kann sogar die Fenster öffnen, wenns zu warm wird. Der Zug ist aus lauter gegenüberstehenden Sitzreihen aufgebaut, aus lauter "Vierern". Die Sitze und der Zug sauber, Kinder gibt es zwar einige, aber kamerunische Kinder schreien einfach nicht auf reisen, das geklaut wird durch einem Guard an jedem Ausgang unterbunden. Nach jeder Station findet eine Passkontrolle von Polizisten statt. Also alles tipitopi. Einziges Manko: Wir kauften als eine der Ersten unsere Zugkarten, waren also im ersten Abteil direkt am Zug. Der starke Dieselmotor machte einen Lärm, mit dem wir fast die ganze Nacht durch zu kämpfen hatten.
Die Soldaten nochmal ganz.
Dann wurde auch noch gut jede Stunde angehalten, die Fenster auf, Sachen gekauft und weitergefahren. Etwas nervig, aber wie sollte man denn sonst auf 15 Stunden kommen?
Auch diese Nachtfahrt schlief ich nicht viel, ich wusste nicht wohin mit den Beinen, wie sitzt man gemütlich zum Schlafen, dann noch gegen die Fahrtrichtung und ach irgendwie sind diese Nachtfahrten nichts für mich.
Da lacht der Paul noch, freut sich ...
Gegessen wir auf Teppichen. Lecker Ziegenfleisch.
Morgens wachte ich dann ziemlich früh auf und die Landschaft war irgendwie anders. Das Graß saftig grün, mehr flach, wo sind alle Palmen hin? Achja, jetzt sind wir in der Adamawa-Region. Bekannt für den Viehhandel, das gute Fleisch, viele Kühe, Schafe, Ziegen, weniger Landwirtschaft. Und noch eine Veränderung: Nun sind Christen in der Minderheit. Die meisten Menschen im Norden kommen von den Familien der Fulani, Bororo oder Hausa, alles muslimische Völker. Was ist aber schon der unterschied zwischen Muslime und Christen? Die Muslime sind groß, schlacksig, dünn, haben anderes Haar. Sie tragen Körperlange Gewänder, meist in weiß, Meister-Proper-weiß (selbst der Automechaniker ist sauber wie ein sauberes Baby), Muslimenkäppchen und Lederschlappen.
...den Mt. Ngaoundere zu besteigen, dann aber...
...tritt er in einen gut 2cm langen Stachel, aua!
Auch das Feeling am Bahnhof ist ein Anderes. Es ist alles irgendwie entspannter, man wird weniger herumgeschubst, weniger angesprochen, man glaubt kaum noch, weiß zu sein. Taxifahrer rufen nicht mich, sondern ich die Taxifahrer. Taxis gibts eh kaum, eigentlich fahren nur Motorradtaxen. Auch die Motorräder sind anders, fahren geschmeidiger, langsamer, sind viel leiser. Erster Eindruck: WOW!

Das Sekräriat des Lamidat.
Nach einer langen Hotelsuche ohne Frühstück treffen wir einen Freund von Gregory, Derick. Er zeigt uns ein Hotel direkt am Bahnhof, wir entscheiden uns dafür. Sieben Euro für ein Doppelzimmer pro Nacht. Bett und Bad, perfekt für Freiwillige.

Strohbedeckte Häuser im Innenhof des Lamidat.
Ich war fasziniert von Ngaoundere. Kaum zwei Stunden da, schon habe ich mich verliebt. Um 13.30 ging dann das Gesinge los, die Menschen gingen mit ihren Teppichen Richtung Moschee, legten ihren Teppich nebeneinander und beteten zusammen. Der Verkehr fiel flach, Dank Ramadan hatten wir auch Schwierigkeiten Tagsüber etwas zu Essen zu bekommen. Überall gab es dann aber super leckeres Fleisch zu essen, viele Datteln, Lederschuhe, Kinder liefen mit heißem Tee zum Verkaufen herum. Der Kleine Markt, der viel größer ist als der Große Markt, bietet Alles an, was man möchte. Der Große Markt ist eher traditionell gehalten, viele Schneider und Gewänder, Kappen und Schuhe werden dort angeboten. Paul und ich liesen uns von einem Barbier traditionell rasieren. In die Stadt habe ich mich verliebt.

Am Freitag liesen wir uns durch den Palast von Ngaoundere führen, dem Lamidat. Freitag ist ein besonderer Tag, da der Lamido, der König, zur großen Moschee läuft und mit den anderen betet. Ungefähr tausend Menschen beteten da auf den buntesten Teppichen mitten in der Mittagssonne. Danach wurde im Lamidat der Lamido mit einer Knick und dem Berühren des Bodens mit beiden Händen begrüßt und dem Musizieren und Tanzen der Leute zugesehen. Ein wundervolles Erlebnis.
Gut 1000 Männer beten um halb zwei an der großen Moschee.
Schon wird der Lamido zurück in den Lamidat
eskortiert.
Die verrückte Dschang-Crew.
Am Samstag fuhren wir dann zusammen mit Derick in den Benue Nationalpark um ein paar Tiere zu sehen. Nach einer zweistündigen Panne liefen wir dann mit unserem zu kurz geratenen Guide und einer Wache durch den Nationalpark. Die Tiere ließen sich leider nicht so zahlreich blicken, wie gedacht. Wir sahen zwar ein paar Antilopen, Schildkröten, Papageie, Krokodile und Affen, Giraffen, Nilpferde und Hyänen haben sich aber nicht sehen lassen. Trotzdem war es ein schöner wenn auch, dank Panne, nervenzehrender Tag.
Gleich am nächsten Morgen um sieben sollte es dann zurück gehen, nicht mit Bahn sonder mit dem Bus. Über schlecht ausgebauten Straßen fuhren wir ungefähr 24 Stunden über Tibat, Banyo und Foumban nach Bafoussam. Ich nahm dann gleich den Bus weiter nach Bamenda und das Taxi nach Bali. Die Fahrt erlaubte kaum Schlaf oder Ruhe, ich bekam Muskelkater und Poschmerzen, dank ungemütlichen Sitzbänken und noch ungemütlicheren Straßen. 
Sieht man den Affen in der Mitte des Bildes?


Unsere Gruppe im Benue-Park, der Guide unten rechts ist einfach zu klein.
Der Benue-Park, wunderschöne Landschaften
Diesmal eine Antilope.
Von der Busbank auf die nächste Bank in Banyo,
erstmal ausruhen von der Fahrt.
Anschieben mussten wir den Bus zum Glück nur einmal.

Fix und fertig aber mit einer neuen Lieblingsstadt, Ngaoundere, erreichte ich dann mein schönes Haus in Bali am Montag. Und Laura sollte Donnerstag schon zurück nach Deutschland. Lauri war die letzten Monate leider immer wieder krank geworden und entschied sich dann spontan nach Hause zu fliegen, noch eine Woche Fieber, noch mehr Zeit im Bett verbringen, dass wollte sie nicht mehr ertragen.
Das letzte Bild von Lauri. 
Was macht der Typ da?

Ich fuhr nach Lauras abfahrt dann nochmal nach Kumbo, Pauline und Grace besuchen.

Nun sind schon einige Freiwillige weg, die Bafoussam Freiwilligen haben mich noch einmal besucht und das Haus ist ohne Laura doch etwas leer. Jetzt muss noch der Plan für die nächsten Freiwilligen ausgefeilt werden, der Boss ist bestimmt, der Mentor hier in Bali wird Gregory sein. Den Schulleitern der Schulen, an denen die nächsten Freiwilligen nicht mehr unterrichen muss gebeichtet werden, dass sie eben nicht mehr im Programm sind, den Übriggebliebenen muss das neue Konzept vorgestellt werden. Unserer Organisation wurde mittlerweile gut abgesagt, er wartet nur noch auf den letzten Bericht von meiner Seite, die Lust diesen zu schreiben hält sich aber in Grenzen.

Könnte ich mir jetzt nochmal meinen Freiwilligendienst-Einsatzort auswählen, würde ich Ngaoundere auswählen!


Liebste Grüße, ich komme!

Samstag, 25. Januar 2014

Heimbericht, die Zweite

Ich habe mal wieder etwas zu erzählen.

Eine lange Zeit ist vergangen, seit ich meinen letzten Heimbericht veröffentlicht habe. Also handelt der folgende Text darüber, was ich die letzten zwei Monate in Kamerun erlebt habe.


Yaoundé



Die Hauptstadt Kameruns, das politische Zentrum, Regierungssitz, 1.5 Millionen Einwohner. Erster Eindruck mit Parks, Joggern, Yoga- und Aufwärmgruppen, Statuen, Bäumen, Clubs, Einkaufszentren: absolut Positiv! (Gleich noch was zur größten Stadt Douala, welche mir etwas Angst vor Yaoundé gemacht hatte)


Wir hören regelmäßig: "Mein Bruder studiert in Yaoundé" – "Meine Familie wohnt in Yaoundé" – "Mein Onkel ist Anwalt in Yaoundé". Alle Busunternehmer werben mit der Fahrt nach Yaoundé für 5000 CFA, also sollten wir es doch auch einmal probieren und unsere Mitfreiwillige Sabine besuchen.
Abends um sieben schleppten wir uns also mit Isomatte und Schlafsack bepackt zum Busbahnhof "Vatican Express", buchten unsere Fahrt nach Yaoundé und saßen noch bis halb Zehn in einer kleinen Snackbar. Um Zehn sollte der Bus den Motor starten und uns zur Hauptstadt fahren, um elf ging es also "pünktlich" los.
Der Nachtbus: Groß, sauber, schnell, schlafen, keinen ganzen Tag verschwenden... einige Vorteile.
Nachteile: eher unsicher, doch nicht schlafen, den nächsten Tag gerädert verschlafen, man fühlt sich nach jeder langen Fahrt eklig.


Wir kamen trotzdem gut um sechs Uhr morgens an, holten uns ein Taxi und merkten schon: Yaoundé ist riesig, und teuer! Man fährt einfach Stundenlang von A nach B, weil eben alles so weit auseinanderliegt, Öffentliche gibts nur ganz wenig und jeder nimmt ein Taxi, die Straßen sind zu klein und es gibt einfach zu viel Verkehr.


Die Innenstadt ist aber ganz anders, es gibt Eisdielen, Musikläden, Supermärkte, Elektrogeschäfte. Alles total europäisch, daneben aber auch die traditionellen Märkte, die kleinen Restaurants und Shops.


Mein Ausflug nach Yaounde war geprägt durch das Hilton Hotel, das Hilton, eins der besten Hotels mit einer wundervollen Aussicht vom elften Stock. Wir wurden von einer Freundin von Sabine eingeladen zum trinken, dort gab es alle Möglichkeiten von Cocktails und Alkohol, zu Preisen, die auch im elften Stock schwebten. Für die Freundin war das aber kein Problem, sie bezahlte und drängte uns doch noch einen Mojito für 8€ zu nehmen.
Da habe ich richtig gemerkt, das die Schere zwischen Reich und Arm ganz besonders in den Großstädten enorm ist, die einen flüchten aus ihren Dörfern vom Land und suchen in der Stadt nach dem Geld und ein besseres Leben, werden dann von der Stadt vollkommen ausgenommen um Reichen mehr Reichtum zu ermöglichen.


Grüße aus dem Hilton in Yaoundé
Ich merkte diesen Unterschied, weil ich in Bali sonst mit Menschen zu tun habe, die eher wenig betucht sind, sie fragen aber nie nach Geld, sondern sind glücklich und zufrieden mit ihrer Familie, ihrem Compound und ihren Freunden, in Yaounde war ich als weißer der große Geldbeutel, viele fragten mich nach Geld, oder wollten mir unbedingt dies und das verkaufen. Und dabei gibt es Kameruner, die viel mehr Geld haben, schon ihr drittes Haus bauen lassen, ein tolles Auto fahren. Ganz besonders in Yaounde.




 



Douala – Flughafen



Am 21.12 sollte die Mama und Schwester von Laura kommen, wir fragten ein paar befreundete Freiwilligen, ob wir bei ihnen Übernachten dürften und kamen am Tag davor in Douala an, es war heiß! Douala liegt ziemlich nah am Meer, ziemlich tief und durch die große Stadt heizt sich das Gebiet verdammt auf und das bei fast 100% Luftfeuchtigkeit. Es ist wahrlich grausam immer wieder zwischen 40° draußen und 18°C innen bei Klimaanlage zu wechseln.
Um zehn Uhr trafen wir uns mit unserem Fahrer am Flughafen, später sei gefährlich und schwierig mit dem Taxi, um drei Uhr morgens sollte das Flugzeug landen, um sieben Uhr saßen wir dann endlich im Auto nach Bali, neun Stunden warten im Flughafen, super!


Lela



Ein Festival stand an: Lela ist das Neujahrsfestival Balis und regional bekannt und beliebt. Es wird das Ende eines (welcher?!) Krieges gefeiert, die eine Hälfte verkleidet sich als Soldaten, beschmieren sich mit Dreck und Musterfarbe, schießen mit traditionellen Gewehren und tanzen, die andere sieht sich in traditionellen Anzügen wieder, es wird mit Flöten und Trommeln Musik gemacht und getanzt.
Es war echt erstaunlich, man hörte ab vier Uhr Nachmittags viele viele laute Knalle, die Jugendlichen liefen mit Gewehren rum, die Kleinen bastelten sich ihre eigenen Gewehre, welche mit Streichhölzern befeuert werden, aber auch einen unglaublichen Lärm machen.
Lauras Familie war genauso beeindruckt wie ich, hunderte Menschen, alle in traditionell dresses oder Soldatenkostüm, am Palast in Bali, die Luft stank nach verbranntem Schwarzpulver und Feuer.


























Weihnachten



Unser Weihnachtsbaum mit Geschenken
Happy Christmas in advance.
Das sagen unsere Freunde uns schon am ersten Dezember, Fröhliche Weihnachten im Voraus.
Der Adventskalender
Wir Deutschen feiern Weihnachten am 24. Dezember, das wollten wir beibehalten, gerade da Lauras Familie und Lea bei uns wohnten, so kauften Laura und ich nach und nach ein paar Weihnachtssachen zusammen, es gab einen Plastikweihnachtsbaum mit Kunstschnee, Plastikchristbaumkugeln, einen selbstgemachten Adventskranz und selbstgemachte Adventskalender, auf der Straße hörte man lautdröhnend Weihnachtslieder und die 30°C tagsüber störten dann auch nicht mehr.
Am 24. waren wir zusammen noch ein kleines muslimisches Dorf namens Baba besuchen, die Dorfbewohner sind gute Freunde von Gregory und er wollte uns einfach einmal eine kleine und total nette Dorfgemeinschaft zeigen, wie idyllisch das doch war!





Baba


Das ist Gregory

Baba


 
Marie mit einem drei Tage altem Mädchen
Der Stolz einer jeden Familie, Töpfe

Grüße auch aus Baba


 Weihnachtsabend



Das Weihnachtsessen
Am Abend fanden wir uns zum kochen zusammen, jeder kochte etwas, was er gut konnte, am Ende kamen dann gefüllte Pfannkuchen zusammen. An Füllung gab es Bohnen in Weißweinsoße, karamellisierte Karotten, Basilikumpesto, eine Olivenöl-Senf Soße, Mais, Oliven gebratene Paprika, allerlei Gemüse und Käse! Nach zwei von den Köstlichkeiten war man dann auch schon satt, es sollte ja noch ein paar Geschenke geben.
Wir bauten alle Geschenke in Tetris-Manier vor dem Weihnachtsbaum auf, die Lichterkette blinkte und ich führte die mosigsche Tradition des "man-muss-schon-eine-6-würfeln-um-ein-Geschenk-zu-bekommens-!" ein.
Nach der reichlichen Bescherung (zugegeben, die letzten Geschenke waren alle für Laura) war es auch schon eins, wir gingen alle mit unseren Geschenken ins Bett, ich mit meinen neuen Masken.


Kamerunisch Weihnachten wird wie überall anders auf der Welt am 25. mit Familie und Freunden gefeiert. Gregory lud uns ein, wir sollten lecker essen und gut quatschen, seine Familie kennenlernen und Weihnachten bei ihm genießen.




Weihnachtsshopping


Frohe Weihnachten an Daniela und Valentin



Jujus in unserem Compound!



Gregory sieht sich ganz oft verantwortlich für alles, er nennt uns Son und Daughter und wir ihn Papa, er meint, solange er die Möglichkeit hat sich um uns zu kümmern, will er das auch tun und schon einige Biere gehen auf seine Rechnung, mit der Ankunft Lauras Familie sah er sich neuen Aufgaben konfrontiert und entschied kurzerhand: Es müssen Jujus für Sabine und Marie tanzen!
Den Tag beschreibe ich einfach in Bildern:

Klickt mal aufs Bild, dann seht ihr mehr Details


Unser Wasserfall



Die ganze Gruppe ist erstaunt
In Bali gibt es einen Wasserfall, das wussten wir zwar schon, waren aber noch nie dort gewesen, wir packten Schwimmsachen und Nachbarkinder ein und fuhren los, ein Traum! Im eiskalten Wasser kann geschwommen werden, die Lage ist wunderschön und auch die Jugendlichen genießen ihn. Der Wasserfall ist einfach ein Traum und wir haben uns versprochen öfters dorthin zu gehen, selbst zu Fuß brauchen wir nur ungefähr fünfzehn Minuten.

 
















Matterhorn



Wir waren wieder oben, diesmal bei etwas mehr Sonne und ein paar mehr Freunden, eine wundervolle Aussicht.



















Max war traurig, weil er sein
 Feuerzeug vergessen hatte

Liebe Grüße von oben


















La Kribienne und Bonne Année


am 31. Dezember sollte es für Marie und Sabine auch schon wieder nach zurück nach Deutschland gehen, wir nahmen früh einen Bus nach Douala, kamen spät in unserem Hotel an und wurden um drei zum Flughafen gebracht, es wurde sich kurz verabschiedet und wir wurden per Shuttle gleich zum Busbahnhof nach Kribi gefahren, um vier Uhr morgens sollte der erste Bus ja schließlich schon losfahren. Natürlich fährt so ein Bus erst, wenn er voll ist und so kamen wir dann um acht oder neun von Douala los und fuhren weiter südlich nach Kribi.
Wir machten eine Wette daraus, wer zuerst das Meer sieht, ich war natürlich der erste, der das blaue Wasser, den Strand und die vielen Palmen ausfindig machte, wir waren an Silvester am Meer, ein tolles Gefühl.
Das Hotel lag am Anfang von Kribi, hat eine wunderschöne Anlage und nette Zimmer mit Klimaanlage und, was das alles noch viel schöner macht: es liegt 200 Meter vom Strand entfernt. Was hielt uns also auf, völlig unausgeschlafen im Meer herumzutollen? Nichts!


Und Kribi ist einfach wundervoll, es ist eine normale Stadt, es gibt einen täglichen Markt, normale Bars und daneben stehen ein paar Hotels. Es ist wenig wie ein Touristenzentrum, Touristen schlafen mehr oder wenig in unmittelbarer Nähe von Bewohnern Kribis. Der Strand wird von allen genutzt, man sieht Pärchen, Jogger und Jugendliche die schwimmen, daneben uns Weiße, die genau das gleiche machen.
Einzig eins störte die Idylle, wir wurden vorgewarnt, das in Kribi oft Taschen gestohlen werden, das passierte uns auch, eine Tasche, ein Handy und eine Kette ein bisschen Geld hier und da liesen sich entwenden, Lauras Tasche wurde sogar von der Flut entwendet. Trotzdem war der Strand der Ort, unser Frühstück, Mittagessen und Abendessen wurde alles in Meeresnähe abgehalten, wollte man mal billiger Essen, gab es was auf dem Markt oder eine Kokosnuss von einer Mami.


Silvester feierten wir mit fast allen Freiwilligen an einem Hotel, es wurde getrunken, teuer gegessen und beim Überschreiten der "12" im Meer mit einem Bierchen angestoßen, danach in Handtuch und Badehose von Vorsätzen und übers alte Jahr geschwärmt.


Wir blieben bis zum 4.01. in Kribi, genossen den Strand, aßen Avocadosalat und frisches Baguette und liesen es uns einfach mal gut gehen, Ferien machen in Kamerun. Die vier Übernachtungen gingen viel zu schnell um, plötzlich saßen wir schon wieder im Bus nach Bamenda und froren eine kalte nach in Bali.
Frühstück am Strand
 

Die Lobé-Wasserfälle, eine der wenigen Wasserfälle
 auf der Welt, die direkt ins Meer Rauschen


Heimbericht Nummer Zwei, fertig.