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Sonntag, 8. Juni 2014

Ringroadrowdies, Mami, Henni und die Zucchinisoße

Die Ringroad, direkt vor der Haustür und doch haben wir sie erst Anfang April befahren. Das ist doch immer so: Man fährt hier und dort hin, um dies und das zu sehen, seine eigene Heimat kennt man noch gar nicht.

Die Ringroad, eine 367 Kilometer lange ringförmige Route, liegt nordöstlich von Bamenda und führt an einigen der schönsten Landschaften und kulturreichsten Örtchen Kameruns vorbei, an Wasserfällen, riesigen Palästen, rollenden Hügeln, Teletubbi-Landschaften und herrlichen Landstrichen.
Die Ringroad: Bamenda, Menchum, Befang, Wum, Nyos, Nkambe, Ndu, Kumbo, Bamenda

Aber von Anfang an:


Wir Freiwilligen Lea, Laura und Max plus eine Freundin Lauras, die Juli, entschieden uns ganz spontan, so wie Freiwillige sein sollten, noch eine Julia, Auslandspraktikantin im Bamenda Regional Hospital, kurzfristig zu überreden, mit uns doch einfach einmal die Ringroad zu erklimmen.
Saftiges Grün und Berge: Die North-West-Highlands
Da wurde dann unter einem Flexibilitätsrausch auch nicht lange herrumdiskutiert und es ging los: Drei Unterhösschen, T-shirts und Kamera in den Rucksack, ein Taxi nach Bamenda genommen und dort um 7 Uhr auf Julia gewartet. Dann ziemlich flott ein Taxi nach Bafut, in Bafut steht ein gut 1200 Jahre (müssten jetzt schon gut 1214 Jahre sein) alter Palast der Königsfamilie, der wurde aber ignoriert und nicht besichtigt, der kommt ein ander mal. Über alte Brücken, scharfen Kurven, einigen engen Überholmanövern fuhren wir dann mit unserem Shared-Taxi Richtung Befang zu unser ersten Station.
Im Taxi noch überlegten wir uns einen Namen für unsere Gruppe: Nachdem die Ringroadfairies (Ringroadfeen) fast einstimmig gegen die Ringroadrowdies verloren, konnten wir schon die erste Pause genießen:

Menchum Wasserfälle


Die Menchum Wasserfälle
Dürfte ich schätzen, würde ich sagen: die sind größer als ich! Um einiges, gut 30 bis 40 mal größer als ich. Auf einer alten, etwas heruntergekommen Besichtigungsplattform durften wir uns also kurz ausruhen, das laute Rauschen des Wasserfalls genießen und uns auf einem alten umgestürzten Baum gemütlich machen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Kraft Wasser haben kann, wie schön die Spritzer im Sonnenlicht funkeln, wie laut das bisschen Wasser werden kann. Ein schöner Anblick, irgendwie idyllisch da mitten auf dem Weg: ein Wasserfall, ein paar Bänke.

Die RingRoadRowdies bei den Menchum-Falls
Die Ruhe wurde dann etwas gestört, als eine Gruppe Kameruner vor dem Wasserfall posierte und im Endeffekt uns interessanter als den Wasserfall fand. Wir entschieden uns bei bestem Wetter den Fußmarsch von ungefähr einer Stunde nach Befang anzugehen. Die Sonne war stechend, jeder Schatten eine Wohltat. Die Rucksäcke waren nicht schwer, es gab keine nennenswerten Steigungen oder schwieriges Gelände, es war einfach zu heiß zum wandern.

Ein netter Empfang in Befang

Befang


(Befang liegt in der Karte etwas unter dem Knick unter Wum.)
In Befang erlaubten wir uns also erst einmal ein kühlendes Getränk.
Ich und meine Mädels mussten wirklich erstaunlich wirken: der Weiße mit den vier weißen Frauen. Die Männer wurden von diesem Phänomen geradezu angelockt, wir waren Gesprächsstoff für die nächste halbe Stunde, wieso gibt der Weiße da keine von seinen Frauen ab? Testosteron sprudelte aus jeder Ecke und Kante, ich fühlte mich wohl, soviel Anerkennung habe ich schon lange nicht mehr bekommen, meine Mädchen eher eingeengt.

Folge der roten Straße: Die Ringroad
Ich versprach, dass ich mein Allerbestes geben werde, alle Frauen wieder nach Hause zu bringen, einfach war das aber nicht. Manchmal muss man halt an der Polizeikontrolle, oder in jener Bar ein Fraulein abgeben, um seinen Weg fortsetzen zu können.

In Befang wurden dann Okadas gesucht, drei Leute auf ein Motorrad und ab die Berge hoch. Die Landschaft war Waldig, die Steigung teilweise 13°, die Kurven enger den je.

Wir wollten nach Wum, es war schönes Wetter, die Straße sah gut aus. Die Fahrt mit dem Moped war schön, aber auch genauso anstrengend. Drei Leute auf einem Okada, dauerhaft Bergauf, festhalten, Gepäck, entgegenkommende Autos, Bergab, zu schnell.

Wum


Ein paar beindruckende Formationen und Aussichten
In Wum fiel Laura mehr oder weniger vom Okada, ihr Bein war eingeschlafen, die Muskeln vom Festhalten völlig erschöpft, aber eine schöne Aussicht! Wir machten wieder Pause, entschieden uns aber die Nacht nicht in Wum zu verbringen. Weiter ging es also, zum Autobahnhof, ein Taxi nach Nkambe finden.
Das Interessante ist nun: es ist billiger von Wum über Befang, Bamenda, Kumbo nach Nkambe zu fahren, als von Wum über Nyos. Die Straßen seien schlecht, man verbraucht mehr Sprit und mehr Zeit. Das hieß für uns, viel viel Geld und ein Taxi für den Tag mieten, dafür konnten wir dann Lake Nyos besichtigen und in Nkambe noch ein Hotel suchen.

Auf also nach

Lake Nyos


Lake Nyos, Lake Nyos, ein Mörder.
Der liebe See hat ein ganzes Dorf ausgerottet, hunderte Menschen getötet und einen großen Landstrich unfruchtbar gemacht. Wieso, darüber streiten sich die Forscher. Entweder es war eine Gasblase zwischen Gesteinsschichten unter dem Grund, hervorgerufen durch verwesendes Kleingetier und Algen, oder eine Gasblase eines inaktiven Vulkans. Jedenfalls ist der See, die umliegende Landschaft und die gestorbenen Menschen jetzt tot.
Lake Nyos, der braune Kratersee, der Mörder
Der Kratersee hat sich daraufhin gelb gefärbt, was einen spektakulären Anblick bietet: zwischen Klippen und Felsvorsprüngen liegt die ruhige gelbe Flüssigkeit, oben auf dem Berg eine Labor- und Militäreinrichtung. In Richtung Tal, wo das gefilterte Wasser abfließt, ist ein wunderschöner Wald. Verrückte Welt!

Wir wurden persönlich von Generalissimo und ein paar Soldaten an den See geführt, sie hatten plötzlich alle Waffen in der Hand, teilweise auch noch ein Stück gegrillte Schlange, verlangten unsere Reisepässe und führten uns gezwungenermaßen den Weg zum See hinunter. Nach der kurzen Führung empfahl uns dann unser Fahrer, der auch um seinen Führerschein bangte, den Jungs doch ein bisschen Geld für Bier dazulassen, sonst könnte sich das noch etwas in die Länge ziehen. Die muskelbepackten Jungs saßen gemütlich mit ihren Kalaschnikows im Schatten und grillten sich eine riesige Würgeschlange, die sie irgendwo auf dem Weg gefangen haben. In welchem Film war ich da eigentlich? Der General bat mich dann noch in Nkambe für ihm Handyguthaben aufzuladen, gab mir 500F und wünschte uns einen schönen Tag. Weiter ging es nach Nkambe.


Nkambe


Über Teletubbiland mit komischen Ameisenbauten kamen wir dann bei Sonnenuntergang in Nkambe an. Hunger und ahnungslos über unseren nächtlichen verbleib, triezten wir unseren Fahrer, vom Zentrum zur Kirche, von da wieder ins Zentrum und zu einer anderen Kirche um schließlich ein Hotel im Zentrum zu finden. Nach einem ausgelassenem Essen und Bier mit dem Fahrer gingen wir dann ins Stundenhotel, Laura und Juli und Lea, Julia und ich, zu dritt aus Angst vorm Alleineschlafen.

Ndu-Tea-Estate, Teepflanzen soweit das Auge reicht

Ndu


Marsch durchs Teefeld
Morgens ging es dann schon weiter: Wir nahem ein Taxi nach Ndu, direkt zu den Tee Plantagen: Grüne Büsche soweit das Auge reicht. Kilometerlang nur Tee, Tee und Tee. Dabei bin ich gar nicht so ein Fan von Tee. Besichtigen wollten wir die Plantage trotzdem, der Sonntag machte uns aber einen Strich durch die Rechnung. Keiner Arbeitet am Sonntag, außer die Wächter, die sind aber nicht befugt, uns in die Teeplantage einzulassen. Der Manager war nicht zu erreichen, wir liefen die fünf Kilometer Richtung Ndu zurück, machten zwischendurch Pause und Picknick in den Teeplantagen, die man einfach betreten konnte, und hatten trotzdem einen schönen Einblick in die Büsche. Statt Tee wurde aber Wasser getrunken.

Kumbo


Kumbo von den Antennen
Die letzte Strecke wollten wir dann noch mit Okadas fahren: nach Kumbo, der nächste Ort, wo IB-Freiwillige wohnen. Kumbo liegt gut 2200 Meter über dem Meeresspiegel, wenn die Sonne scheint ist es warm, wenn nicht, dann bitterkalt. Nachts fast unerträglich Deutsch.
In Kumbo wurden dann noch ein paar schöne Tage verbracht, unsere Mitfreiwilligen getroffen, es wurde auf einem Berg bei den Antennen mit Aussicht über ganz Kumbo gegrillt und auch ein paar Versöhnungsbiere getrunken.

Na was ist denn das mitten in Kumbo?
Von Kumbo ging es dann direkt nach Bamenda zurück nach Bali: 367 Kilometer schlechte Straße in drei Tagen, eine ansehnliche Bilanz, die Arterien wurden freigeschüttelt und der Kopf hatte ein paar Beulen mehr vom Anstoßen am Autodach. Insgesamt aber eine sehr empfehlenswerte Route, schöne Landschaften, unglaubliche Aussichten, tolle Eindrücke. Insgesamt ist die Straße sicherlich auch gut mit dem Fahrrad zu meistern, wer also demnächst eine Fahrradtour plant: ab nach Kamerun.

Hendrik - Erika - Max

Erika und Henner


Wir sind dann an einem Dienstag in Bamenda gewesen, abends, müde von der Fahrt, erschöpft von der Ringroad. Gerade am Busbahnhof angekommen, ich hatte geplant, den Mittwoch zu entspannen, das Haus zu putzen und am Donnerstag dann nach Douala zu fahren um meine Mutter Erika und meinen großen Bruder Hendrik vom Flughafen abzuholen, klingelt mein Handy. Eine deutsche Nummer, kann nur meine Mutter sein:

"Du ich freue mich so, morgen sind wir in Kamerun!" - "Wie bitte? Morgen? Du meinst Übermorgen, Donnerstag!" - "Nein, wir kommen morgen, Mittwoch."

Die zwei Brüder
Ich bin gleich Rückwärts zurück in den Bus gefallen.
Dann hieß es ein Busticket nach Douala für Mittwoch kaufen, Hotel umbuchen, Fahrer anrufen, Zimmer aufräumen, Rucksack packen, spät schlafen gehen, früh aufstehen und ab nach Douala.

Am Ende ist aber alles super gelaufen, ich hatte noch einen schönen Tag in Douala, habe mir die Haare schneiden lassen und die Innenenstadt angeschaut (eine von den vielen Innenstädten), und am Abend Hendrik und Erika empfangen. Noch am Abend fuhren wir mit meinem Freund Edwin, der ein schickes und schnelles Autochen hat, nach Limbe zum Strand.
(Im Endeffekt waren wir alle ganz schön verplant gewesen, mein Bruder hatte mir im Januar das Reisedatum gesagt, das wäre dann der Donnerstag gewesen. Sie haben dann aber doch früher gebucht, am Mittwoch, es ist aber irgendwie untergegangen und mir hat es niemand gesagt. Ich habe auch nie nachgefragt, wir sprachen oft davon, dass sie bald kommen, aber nicht über das wann. Stress für mich, aber dafür habe ich meine Familie auch einen Tag früher sehen können.)

Nach Haiahaia dann die ersten Sonnenstrahlen, Hendrik und Erika sind gerade in Kamerun, ein wunderschöner Tag, Strand, Meeresluft, alle Menschen sind schwarz, die Häuser sehen ganz anders aus.
Fisch, Krabben, Krebs,...?
Meiner Mutter gefällts! Sie will gleich in die Stadt, frühstücken, einkaufen, rumschauen, schnuppern, Fotos schießen. Mein Bruder geht da etwas ruhiger dran, beobachtet, lacht über lustige Andersheiten, genießt.
Der Erdbeerbananen-Smoothie ist schon verdrückt, deswegen grinse ich so.
Nach einem eher ungewöhnlichem Frühstück, Fischsuppe mit Yams, lecker!, die Brotkultur wie wir sie in Deutschland kennen gibt es hier halt nicht so, dann noch in ein Cafe, Tee und Kaffee trinken, und ab zum Strand!

Der Sand schwarz, das Wasser warm, Palmen, Sonne, das kann man Osterferien nennen.

Der Fischermarkt in Limbe bei Sonnenuntergang
Lea, Juli, Laura, Erika, Hendrik im Affenzoo
Neben Strand und genießen wurde dann nach Limbe angeschaut, der Affenzoo "Wildlife-Center" in Limbe besucht, der Botanische Garten besichtigt und für meine Mutter ganz wichtig: der Markt. Meine Familie liebt Märkte, da wurde dann auch gleich der erste Stoff gekauft und zur Schneiderin geschickt. Limbe als Hafenstadt hat auch einen Fischmarkt, also ab zum nächsten Markt, es riecht nach Fisch, die Boote und Netze, es wird Fisch in Eis gelegt verkauft, daneben auch gleich für die gegrillt, dazu gibt es eine grüne und eine rote Soße. Der Fisch ist guuuut! In Bali kriegt man eigentlich nur tiefgefrorenen Fisch, 500 Kilometer vom Meer ist es halt schwierig an frischem Fisch zu kommen, besonders bei dem feuchtwarmen Klima hier.
Jeden Abend, manchmal auch mittags gab es also Fisch, Fisch, Fisch, meine Mutter fands gut.

Dann Richtung Bali, der Rücken und die Nase schmerzten vor Sonnenbrand, Julius fuhr uns mal wieder. Kurz nach Douala trafen wir dann auch Gregory zufällig an der Straße, mein African Papa, kurz nach Bafoussam bewunderten wir die Wasserfälle, bei Sonnenuntergang ging es dann von Bamenda nach Bali über das schöne Hochland der Nordwest-Region.

Gackern wie die Hühner: Ma Comfort, Erika und Ernestine
Viel Zeit blieb uns dann in Bali nicht, wir erklommen den Matterhorn ein weiteres, wir engagierten eine Juju-Tanzgruppe für Erika und Hendrik, besuchten die Nachbarn, besichtigten Bali und Bamenda, die verschiedenen Märkte, Laura, Lea und ich wurden krank, dann ging es schon wieder nach Limbe, ein paar Tage Entspannungsstrand und dann wieder zurück in den Flieger.
Freunde hat meine Mutter in der Nachbarschaft gefunden, besonders in Ma Comfort. Die beiden Mami saßen zusammen und quatschten, auch wenn meine Mutter nur gebrochenes Englisch spricht, verstanden haben die beiden sich mühelos.
Mama tanzt sogar mit mehr Schwung als die Jujus
Seit dem Zeitpunkt fragen viele nach meiner Mama, wie geht es ihr, dass ich sie grüßen soll.
Insgesamt hatte ich eine wunderschöne Zeit mit meiner Familie, gedaddelt mit dem Bruder, Mutter machte große Teile der Hausarbeit "Genieß es, die nächsten Monate hast du erstmal keine Mutter mehr", ich durfte ihnen mein Leben in Kamerun zeigen, wie schön es hier ist, was mir hier gefällt.
Nun kriege ich oft Nachrichten von meiner Mutter wie "ich will wieder nach Kameruuun!"
Irgendwann!






Was wächst, das wächst...wunderbar!


Nun ists drei Monate her, da wir den Schulgarten der G.S. Bali Town gr.I mit Samen bestückt haben. Und das was wächst, das wächst wunderbar! Brokkoli geht nicht an, Zucchini wächst wie verrückt, Rettich hat zwar Schwierigkeiten gegen den harten Boden anzukämpfen, wird aber groß wie große Karotten, Salat und Kohl wachsen, und lassen auf sich warten.

Zucchini was ist das? Wenn ich Zucchini kaufen möchte, dann muss ich in die Tiefen der Gemüseverkäufer in Bamenda gehen und einen hohen Preis bezahlen, darum kennen viele Leute, die wenigsten Kinder, Zucchini gar nicht. Zucchini aber wächst wie verrückt, da hielten wir es für angebracht den Kindern mal zu zeigen, was für ein tolles Gemüse das doch ist. Und wie lässt sich das besser beweisen als durchs Essen selbst?
Was macht der Whiteman da?!?
Wir planten also eine Kochstunde. Wir kauften Teller, Öl, Reis und einige andere Zutaten, ließe uns vor der Schule zwei Feuerstellen herrichten, einen Tisch anschleppen und die Kinder kommen und planten eine Reis mit einer roten Zucchinisoße. Zwei Kinder kümmerten sich ums Feuer, zwei um Reinheit, gut 20 Kinder schnippelten Tomaten, Zucchini, Zwiebeln. Zwei Chefkochs kümmerten sich dann um Reis und das Wohlbefinden der Soße. Gegessen wurde im Klassenraum, je zwei bis drei Kinder mussten sich einen Teller teilen, Salat aus Rettich, Karotten, Zucchini und Salat, alles aus dem Garten, gab es leider nur für die Lehrer. Insgesamt war dies ein toller Tag, die Kinder waren begeistert und halfen kräftig mit, die Lehrer fanden die Aktion gut und am Ende waren gut 50 Mäuler gestopft, ein voller Erfolg.

Ein Zucchini-Sößchen
Nun haben wir schon Anfang Juni, die Schule schließt in diesen Wochen. Wir sind gerade auf Abschied von den Schulen gestimmt, manchmal bin ich ganz froh, bei einigen würde ich doch gerne noch weiter Unterrichten und die Kinder sehen. Dazu behalten wir eine Tradition der Bali-Freiwilligen bei, wir schießen Fotos von unseren Klassen und den Lehrern, gestalten ein Plakat für die Schule, besonders schöne Fotos gibt es dann auch nochmal für die einzelnen Lehrer. Die Abschlussparties der Grundschulen sind für mich eher ein Graus, den Kindern gefällts. Es gibt Programm, Beten, Tanzen, Singen, Überreichen von Preisen, das Überreichen der Zertifikate etc. Da kann man auch mal fünf bis sechs Stunden dort sitzen, rausgehen ist zum Glück erlaubt.
Die Kinder finden es gut, das ist ihr Tag, dafür sitzen die auch gerne von Acht Uhr bis Sechs Uhr. Zugegeben, nicht alle.

Liebe Grüße und Ndiba mbumbo. (Eine Zigarette bitte.)



Samstag, 25. Januar 2014

Heimbericht, die Zweite

Ich habe mal wieder etwas zu erzählen.

Eine lange Zeit ist vergangen, seit ich meinen letzten Heimbericht veröffentlicht habe. Also handelt der folgende Text darüber, was ich die letzten zwei Monate in Kamerun erlebt habe.


Yaoundé



Die Hauptstadt Kameruns, das politische Zentrum, Regierungssitz, 1.5 Millionen Einwohner. Erster Eindruck mit Parks, Joggern, Yoga- und Aufwärmgruppen, Statuen, Bäumen, Clubs, Einkaufszentren: absolut Positiv! (Gleich noch was zur größten Stadt Douala, welche mir etwas Angst vor Yaoundé gemacht hatte)


Wir hören regelmäßig: "Mein Bruder studiert in Yaoundé" – "Meine Familie wohnt in Yaoundé" – "Mein Onkel ist Anwalt in Yaoundé". Alle Busunternehmer werben mit der Fahrt nach Yaoundé für 5000 CFA, also sollten wir es doch auch einmal probieren und unsere Mitfreiwillige Sabine besuchen.
Abends um sieben schleppten wir uns also mit Isomatte und Schlafsack bepackt zum Busbahnhof "Vatican Express", buchten unsere Fahrt nach Yaoundé und saßen noch bis halb Zehn in einer kleinen Snackbar. Um Zehn sollte der Bus den Motor starten und uns zur Hauptstadt fahren, um elf ging es also "pünktlich" los.
Der Nachtbus: Groß, sauber, schnell, schlafen, keinen ganzen Tag verschwenden... einige Vorteile.
Nachteile: eher unsicher, doch nicht schlafen, den nächsten Tag gerädert verschlafen, man fühlt sich nach jeder langen Fahrt eklig.


Wir kamen trotzdem gut um sechs Uhr morgens an, holten uns ein Taxi und merkten schon: Yaoundé ist riesig, und teuer! Man fährt einfach Stundenlang von A nach B, weil eben alles so weit auseinanderliegt, Öffentliche gibts nur ganz wenig und jeder nimmt ein Taxi, die Straßen sind zu klein und es gibt einfach zu viel Verkehr.


Die Innenstadt ist aber ganz anders, es gibt Eisdielen, Musikläden, Supermärkte, Elektrogeschäfte. Alles total europäisch, daneben aber auch die traditionellen Märkte, die kleinen Restaurants und Shops.


Mein Ausflug nach Yaounde war geprägt durch das Hilton Hotel, das Hilton, eins der besten Hotels mit einer wundervollen Aussicht vom elften Stock. Wir wurden von einer Freundin von Sabine eingeladen zum trinken, dort gab es alle Möglichkeiten von Cocktails und Alkohol, zu Preisen, die auch im elften Stock schwebten. Für die Freundin war das aber kein Problem, sie bezahlte und drängte uns doch noch einen Mojito für 8€ zu nehmen.
Da habe ich richtig gemerkt, das die Schere zwischen Reich und Arm ganz besonders in den Großstädten enorm ist, die einen flüchten aus ihren Dörfern vom Land und suchen in der Stadt nach dem Geld und ein besseres Leben, werden dann von der Stadt vollkommen ausgenommen um Reichen mehr Reichtum zu ermöglichen.


Grüße aus dem Hilton in Yaoundé
Ich merkte diesen Unterschied, weil ich in Bali sonst mit Menschen zu tun habe, die eher wenig betucht sind, sie fragen aber nie nach Geld, sondern sind glücklich und zufrieden mit ihrer Familie, ihrem Compound und ihren Freunden, in Yaounde war ich als weißer der große Geldbeutel, viele fragten mich nach Geld, oder wollten mir unbedingt dies und das verkaufen. Und dabei gibt es Kameruner, die viel mehr Geld haben, schon ihr drittes Haus bauen lassen, ein tolles Auto fahren. Ganz besonders in Yaounde.




 



Douala – Flughafen



Am 21.12 sollte die Mama und Schwester von Laura kommen, wir fragten ein paar befreundete Freiwilligen, ob wir bei ihnen Übernachten dürften und kamen am Tag davor in Douala an, es war heiß! Douala liegt ziemlich nah am Meer, ziemlich tief und durch die große Stadt heizt sich das Gebiet verdammt auf und das bei fast 100% Luftfeuchtigkeit. Es ist wahrlich grausam immer wieder zwischen 40° draußen und 18°C innen bei Klimaanlage zu wechseln.
Um zehn Uhr trafen wir uns mit unserem Fahrer am Flughafen, später sei gefährlich und schwierig mit dem Taxi, um drei Uhr morgens sollte das Flugzeug landen, um sieben Uhr saßen wir dann endlich im Auto nach Bali, neun Stunden warten im Flughafen, super!


Lela



Ein Festival stand an: Lela ist das Neujahrsfestival Balis und regional bekannt und beliebt. Es wird das Ende eines (welcher?!) Krieges gefeiert, die eine Hälfte verkleidet sich als Soldaten, beschmieren sich mit Dreck und Musterfarbe, schießen mit traditionellen Gewehren und tanzen, die andere sieht sich in traditionellen Anzügen wieder, es wird mit Flöten und Trommeln Musik gemacht und getanzt.
Es war echt erstaunlich, man hörte ab vier Uhr Nachmittags viele viele laute Knalle, die Jugendlichen liefen mit Gewehren rum, die Kleinen bastelten sich ihre eigenen Gewehre, welche mit Streichhölzern befeuert werden, aber auch einen unglaublichen Lärm machen.
Lauras Familie war genauso beeindruckt wie ich, hunderte Menschen, alle in traditionell dresses oder Soldatenkostüm, am Palast in Bali, die Luft stank nach verbranntem Schwarzpulver und Feuer.


























Weihnachten



Unser Weihnachtsbaum mit Geschenken
Happy Christmas in advance.
Das sagen unsere Freunde uns schon am ersten Dezember, Fröhliche Weihnachten im Voraus.
Der Adventskalender
Wir Deutschen feiern Weihnachten am 24. Dezember, das wollten wir beibehalten, gerade da Lauras Familie und Lea bei uns wohnten, so kauften Laura und ich nach und nach ein paar Weihnachtssachen zusammen, es gab einen Plastikweihnachtsbaum mit Kunstschnee, Plastikchristbaumkugeln, einen selbstgemachten Adventskranz und selbstgemachte Adventskalender, auf der Straße hörte man lautdröhnend Weihnachtslieder und die 30°C tagsüber störten dann auch nicht mehr.
Am 24. waren wir zusammen noch ein kleines muslimisches Dorf namens Baba besuchen, die Dorfbewohner sind gute Freunde von Gregory und er wollte uns einfach einmal eine kleine und total nette Dorfgemeinschaft zeigen, wie idyllisch das doch war!





Baba


Das ist Gregory

Baba


 
Marie mit einem drei Tage altem Mädchen
Der Stolz einer jeden Familie, Töpfe

Grüße auch aus Baba


 Weihnachtsabend



Das Weihnachtsessen
Am Abend fanden wir uns zum kochen zusammen, jeder kochte etwas, was er gut konnte, am Ende kamen dann gefüllte Pfannkuchen zusammen. An Füllung gab es Bohnen in Weißweinsoße, karamellisierte Karotten, Basilikumpesto, eine Olivenöl-Senf Soße, Mais, Oliven gebratene Paprika, allerlei Gemüse und Käse! Nach zwei von den Köstlichkeiten war man dann auch schon satt, es sollte ja noch ein paar Geschenke geben.
Wir bauten alle Geschenke in Tetris-Manier vor dem Weihnachtsbaum auf, die Lichterkette blinkte und ich führte die mosigsche Tradition des "man-muss-schon-eine-6-würfeln-um-ein-Geschenk-zu-bekommens-!" ein.
Nach der reichlichen Bescherung (zugegeben, die letzten Geschenke waren alle für Laura) war es auch schon eins, wir gingen alle mit unseren Geschenken ins Bett, ich mit meinen neuen Masken.


Kamerunisch Weihnachten wird wie überall anders auf der Welt am 25. mit Familie und Freunden gefeiert. Gregory lud uns ein, wir sollten lecker essen und gut quatschen, seine Familie kennenlernen und Weihnachten bei ihm genießen.




Weihnachtsshopping


Frohe Weihnachten an Daniela und Valentin



Jujus in unserem Compound!



Gregory sieht sich ganz oft verantwortlich für alles, er nennt uns Son und Daughter und wir ihn Papa, er meint, solange er die Möglichkeit hat sich um uns zu kümmern, will er das auch tun und schon einige Biere gehen auf seine Rechnung, mit der Ankunft Lauras Familie sah er sich neuen Aufgaben konfrontiert und entschied kurzerhand: Es müssen Jujus für Sabine und Marie tanzen!
Den Tag beschreibe ich einfach in Bildern:

Klickt mal aufs Bild, dann seht ihr mehr Details


Unser Wasserfall



Die ganze Gruppe ist erstaunt
In Bali gibt es einen Wasserfall, das wussten wir zwar schon, waren aber noch nie dort gewesen, wir packten Schwimmsachen und Nachbarkinder ein und fuhren los, ein Traum! Im eiskalten Wasser kann geschwommen werden, die Lage ist wunderschön und auch die Jugendlichen genießen ihn. Der Wasserfall ist einfach ein Traum und wir haben uns versprochen öfters dorthin zu gehen, selbst zu Fuß brauchen wir nur ungefähr fünfzehn Minuten.

 
















Matterhorn



Wir waren wieder oben, diesmal bei etwas mehr Sonne und ein paar mehr Freunden, eine wundervolle Aussicht.



















Max war traurig, weil er sein
 Feuerzeug vergessen hatte

Liebe Grüße von oben


















La Kribienne und Bonne Année


am 31. Dezember sollte es für Marie und Sabine auch schon wieder nach zurück nach Deutschland gehen, wir nahmen früh einen Bus nach Douala, kamen spät in unserem Hotel an und wurden um drei zum Flughafen gebracht, es wurde sich kurz verabschiedet und wir wurden per Shuttle gleich zum Busbahnhof nach Kribi gefahren, um vier Uhr morgens sollte der erste Bus ja schließlich schon losfahren. Natürlich fährt so ein Bus erst, wenn er voll ist und so kamen wir dann um acht oder neun von Douala los und fuhren weiter südlich nach Kribi.
Wir machten eine Wette daraus, wer zuerst das Meer sieht, ich war natürlich der erste, der das blaue Wasser, den Strand und die vielen Palmen ausfindig machte, wir waren an Silvester am Meer, ein tolles Gefühl.
Das Hotel lag am Anfang von Kribi, hat eine wunderschöne Anlage und nette Zimmer mit Klimaanlage und, was das alles noch viel schöner macht: es liegt 200 Meter vom Strand entfernt. Was hielt uns also auf, völlig unausgeschlafen im Meer herumzutollen? Nichts!


Und Kribi ist einfach wundervoll, es ist eine normale Stadt, es gibt einen täglichen Markt, normale Bars und daneben stehen ein paar Hotels. Es ist wenig wie ein Touristenzentrum, Touristen schlafen mehr oder wenig in unmittelbarer Nähe von Bewohnern Kribis. Der Strand wird von allen genutzt, man sieht Pärchen, Jogger und Jugendliche die schwimmen, daneben uns Weiße, die genau das gleiche machen.
Einzig eins störte die Idylle, wir wurden vorgewarnt, das in Kribi oft Taschen gestohlen werden, das passierte uns auch, eine Tasche, ein Handy und eine Kette ein bisschen Geld hier und da liesen sich entwenden, Lauras Tasche wurde sogar von der Flut entwendet. Trotzdem war der Strand der Ort, unser Frühstück, Mittagessen und Abendessen wurde alles in Meeresnähe abgehalten, wollte man mal billiger Essen, gab es was auf dem Markt oder eine Kokosnuss von einer Mami.


Silvester feierten wir mit fast allen Freiwilligen an einem Hotel, es wurde getrunken, teuer gegessen und beim Überschreiten der "12" im Meer mit einem Bierchen angestoßen, danach in Handtuch und Badehose von Vorsätzen und übers alte Jahr geschwärmt.


Wir blieben bis zum 4.01. in Kribi, genossen den Strand, aßen Avocadosalat und frisches Baguette und liesen es uns einfach mal gut gehen, Ferien machen in Kamerun. Die vier Übernachtungen gingen viel zu schnell um, plötzlich saßen wir schon wieder im Bus nach Bamenda und froren eine kalte nach in Bali.
Frühstück am Strand
 

Die Lobé-Wasserfälle, eine der wenigen Wasserfälle
 auf der Welt, die direkt ins Meer Rauschen


Heimbericht Nummer Zwei, fertig.