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Dienstag, 17. Dezember 2013

Soon, soon!

Lange ists her.

Vier Berichte schwirren mir mittlerweile im Kopf herum und ich fange hiermit den Fünften an.

  1. Bericht: Der Kurztrip nach Yaounde und die Zeit danach
  2. Bericht: 50,50; Small, small; Soon, soon. Ein kleiner Bericht über mein Leben hier in Bali nach gut vier Monaten
  3. Bericht: Wie erlebt ein Freiwilliger in Kamerun das Weihnachtsfest
  4. Bericht: Rezeptewettkampf, einige Rezepte wurden mittlerweile gekocht, teilweise sogar mehrmals

Und der fünfte: Soon, soon! (zu deutsch: Bald, bald!)

Soon, soon was? Dazu gleich noch eine Liste:

Soon, soon ist alles wieder "normal".
Soon, soon hat unser Viertel Wasser wieder.
Soon, soon ist Dryseason.
Soon, soon hat unser Viertel Elektrizität wieder.
Soon, soon fangen wir mit unserem Gardeninprojekt an.
Soon, soon hat Laura ihr Kleid geschneidert.
Soon, soon, soon, soon, soooooon.

Ich kann es langsam nicht mehr hören!

Uns wurde schon vor unserem Freiwilligendienst empfohlen flexibel, spontan und geduldig zu sein. Das lernt man spätestens hier! Die Taxis warten bis sie voll sind, im Supermarkt werden alle Kunden gleichzeitig bedient, Lieferzeiten werden weniger ernst genommen, regnet es, fällt fast alles flach.

Die Straße zur CPC, einer rennomierten Universität ganz in unserer Nähe, wurde mittlerweile Asphaltiert, zur Zeit laufen die Arbeiten für die Drainage in Hochtouren, fließendes Wasser gibt es aber immer noch nicht.
Vor gut eineinhalb Wochen gab es einen furchterregenden Sturm, Gewitter und starker Wind haben nicht nur einige alte Hütten zum einsturz gebracht, Blechdächer an andere Positionen manövriert und Zäune in fremde Garten gepflanzt, sondern auch reihenweise Transformatoren an ihre Limits gebracht. Die Folge war: keine Elektrizität. An der Hauptstraße entlang und an vielbelebten Punkten Balis wurde schnell Ersatz gefunden und Licht ins Dunkle gebracht, unser Viertel sitzt aber immer noch im Kerzenschein zusammen. Handys werden bei einem Freund aufgeladen, und der Laptopakku für (leider immer nur einen pro Akkuladung) langweilige Momente spätabends benutzt.
Der neue Transformator für unser Viertel ist schon installiert, worauf warten die denn dann noch?
Es regnet und regnet und regnet, wo bleibt die Dryseason? Unsere Nachbarn meinen, so etwas hatten sie noch nie, der Wind kommt von Norden und bringt Regen mit, die agrarabhängige Gesellschaft fürchtet um ihre Ernte und betet für die Trockenzeit. Erst heute sind keine Wolken am Himmel zu sehen, heute soll also die Dryseason anfangen?
Da ich gerade über Ernte schreibe: erst letzte Woche konnten wir mit unserem Gardeningprojekt anfangen, es kam immer etwas dazwischen, der Headmaster war nicht da, die Kinder haben alle ihre Gartenwerkzeuge vergessen, heute sei ein schlechter Zeitpunkt dafür. Jetzt haben wir, mit der Dryseason, aber ein Problem die Pflanzen gewässert zu halten. Fragen über Fragen.
Und zuletzt: Laura hat sich ein Kleid aus einem schicken Stoff schneidern lassen, der Schneider hat aber nach gut zwei Wochen komplett vergessen, wie sie es haben wollte, und auch das Umschneidern nimmt mittlerweile wieder zwei Wochen in Anspruch.

Das mit den Lieferzeiten haben wir jetzt schon öfters gemerkt, es gibt einige sehr zuverlässige Menschen, einige sind in diese Grupper leider nicht einzuordnen. Wie mir aufgefallen ist, liegt das aber nicht daran, dass sie Faul sind oder nicht arbeiten. Sie übernehmen sich nur komplett mit der Planung ihrer Arbeit. Sie nehmen soviele Aufträge an, dass es unmöglich ist, dies und jenes in der Zeit fertigzustellen, rechnen nicht mit "übernatürlichen" Vorkommnissen, wie Regen, Sturm oder Krankheit, versprechen aber immerzu, es in der gesagten Zeit zu schaffen. Dann entschuldigen sie sich lieber im Nachhinein und geben die witzigsten Gründe an, bevor jemand ihnen nachsagen kann, sie arbeiten langsam.

Ich richte mich bei solchen Angelegenheiten immer an eine Sprichwendung die der Rektor der Alphaschule mir in einer Palmweinbar um 11:00 gesagt hat. Sie lautet ungefähr so: "Wenn du zu spät kommst, dann hattest du deinen Grund, eine wichtige Verabredung oder es ist etwas unverhofftes dazwischen gekommen, dann wünscht du dir, dass dir niemand sauer wegen deiner Verspätung ist, also bin ich nicht sauer, wenn sich jemand verspätet." (Nach zwei Gläser Wein klang das sehr viel poetischer)

Auch sagen hier viele: "Die Reichen haben die Uhr, wir haben Zeit" (The Rich own the watch, the poor own the time)

Also geht es doch entspannt in die Weihnachtsferien.
Es ist erstaunlich, wie die Menschen hier das nehmen, was sie haben und das Beste daraus machen. In Deutschland, da bin ich mir sicher, würden die Leute verrückt werden, eineinhalb Wochen ohne Elektrizität und Wasser, die Menschen hier maulen nicht lange und arbeiten weiter.
Die Kinder können sich noch stundenland mit einem alten Reifen und einem Stock beschäftigen, brauchen keinen Fuß- oder Handball, sondern füllen eine alte Socke mit Erde, können Stundenlang mit zwei Farben Bilder malen.

Ich lerne hier das zu schätzen, was ich habe, freue mich immer mehr, einfach nur bei den Nachbarn zu sitzen und zu lernen, wie man Fufu Corn kocht, freue mich darüber, das die Kinder nichtmehr "whiman", sondern "Ni Max" rufen.

Am Freitag fahren Laura und ich nach Douala und ihre Mutter und Schwester abzuholen, komme ich nicht mehr dazu, einen weiteren Artikel zu schreiben: Happy Christmas in advance! (vorträglich Frohe Weihnachten!)

Liebste Grüße aus dem stromlosen Bali!

Bärtiger Max mit Nachbarkind Destiny beim Bemalen von Lauras Flip-Flops



Samstag, 19. Oktober 2013

Sieben Seiten Heimbericht

Das sollte ein langer Text werden, hoffentlich mit vielen Bildern, ich hab seit dem letzten Mal nämlich eine Menge erlebt und gemacht.

Gehen wir das Ganze einfach chronologisch durch:

Kumbo


Kumbo, Kumbo, liebes Kumbo.
Kumbo ist gut drei Stunden Fahrt von Bali entfernt, vielleicht auch vier, je nach Wetterlage. Nach Kumbo kommt man eigentlich ganz einfach, man steigt mit den Leuten aus Batibo in ein Taxi nach Hospital Roundabout in Bamenda, fährt von da zur Bank um Geld abzuheben, trifft dort einen "netten" Mann, der einem hilft ein anderes Taxi bis zur Busstation nach Kumbo zu bekommen, gurkt für 200CFA einmal quer durch die Stadt Bamenda, um dort zu erfahren, dass die Fahrt nach Kumbo für uns ca. 4500CFA pro Person kosten sollte, um dann genervt wegzugehen, in einen fremden Bus inmitten einer Kreuzung einzusteigen, in diesem wilden, spinnenverseuchten Bus noch einmal quer durch Bamenda, um dann schließlich mit einem kleinen Trinkgeld von 1000CFA (entspricht zwei 33er Export Bier) von dem Bus in ein Taxi geschleust zu werden und endlich für die ersehnten 2500CFA zu Acht in einem Auto nach Kumbo fahren zu können.
Das war dann auch die erste "Nachtfahrt" für mich, bis wir in dem Taxi saßen, die letzten acht Zeilen geschehen waren und jenes voll besetzt war, vergingen Stunden. In der Dämmerung fuhr unser "Small Driver" dann endlich los und es hieß: Zähne zusammenbeißen, die Fahrt dauert nur zweieinhalb Stunden.
Small Driver wurde unser Fahrer genannt, weil er eben ziemlich schmal und klein war, ganz zur Freude der Person, die mit ihm auf dem Fahrersitz sitzen musste.
Die Zähne wurden zusammengebissen, weil es in einem Drei-Türer-Auto zu Viert auf der hinteren Sitzbank auch mit zwei schmalen Mädchen einfach zu eng ist. Nach den dreieinhalb stündigen Fahrt taten mir jedenfalls alle Knochen und Muskeln weh, beide Füße und Arme waren eingeschlafen (ich könnte noch erzählen wie Lea saß: Eine Pobacke auf meinem Schoß, die andere musste irgendwo an der Wand des Autos halt finden, anlehnen konnte sie sich nicht, da war schon meine Schulter, etwas gemütlicher war es dann für sie, einfach abzuschalten und den Kopf auf die Kopfstütze des Fahrers abzulegen, wären da nicht die grausamen Huppel und Schlaglöcher, die einem immer wieder die Nase an der Kopfstütze und den Kopf an der Decke eindellten.) und ich hatte echt keine Lust mehr durch den Regen zu laufen und unsere Freunde zu suchen.

Da aber Nachts keine Taxis, sondern nur noch Mototaxis (in Kumbo werden sie wieder Moto genannt) fahren, es aber aus allen Löchern regnete und die Straßen in Kumbo einem die Knochen klappern lassen, ließen wir uns für weitere 5000CFA bis zum Markt fahren. Da warteten sie auch schon, Jule, Pauline, Nico und Charlott. Wir hatten es geschafft, was für ein Tag!

Zu Kumbo gibt es eigentlich dann nicht mehr viel zu sagen.
Kumbo ist schön, hat eine schöne Aussicht, zeichnet sich durch Kultur und Feste aus und auf dem Squares, dem Hauptverkehrspunkt, ist immer etwas los.

Der Kumbo-Wasserfall
Wir haben in Kumbo jedenfalls mal wieder schön den Abend ausklingen lassen, Rum und Wein getrunken und haben gequetscht wie Sardinen in wenigen Betten geschlafen. Der Samstag wurde mit einem wundervollen Frühstück mit einer traumhaften Aussicht und Sonne eingeleitet. Nach der kalten Dusche ging ich mit Pauline zu ihrer Wohnung im nicht weit entfernten Shisong, da kam das Sardinengefühl vom Vorabend wieder auf, die Wohnung ist winzig, aber irgendwie charmant.
Danach trafen wir uns alle wieder um uns gemeinsam zum nahegelegenen Wasserfall aufzumachen. Also ging es über Stock und Stein, Feld und Avocadoplantage über kleine Bäche mit einer wackelnden Holzlatte als Brücke um schließlich einen gut 20 Meter großen Wasserfall zu entdecken. Das ist wunderschön, wie man im ersten Moment durch tiefen Regenwald läuft, um im nächsten Moment inmitten einer kleinen Lichtung die feuchte Luft und das donnernde Rauschen des Wasserfalls zu bemerken.
Sorry Dustin, aber ich bin der King hier!

Dustin und ich konnten es uns natürlich nicht verkneifen und stiegen ein paar Steine hinauf, um näher am Ort des Geschehens zu sein, dabei futterten wir eine Wassermelone und hatten auch schon wieder ein paar Kinder angelockt, die sich zu uns zu setzen und einfach nur dabei sein wollten.

Unser Blick vom Frühstückstisch
Kaum zurück ging es zum Ausruhen von dem Marsch an Bier und Wein, Patience, eine gute Freundin von den Kumbo-Freiwilligen, nahm uns in eine Bar mit, wo ein guter Sänger auftreten sollte (zugegebenermaßen, er kam nicht, man vermutete er würde vielleicht auftreten).
Daheim, daheim legten wir uns dann ziemlich rasch schlafen, die Bettsituation wurde etwas aufgelockert und Sonntag ging es ja schließlich schon wieder zurück.


Der Rückweg war tausend (in Zahlen : 1000!) mal entspannter, in einem normalen Reisebus und gefühlt besseren Straßen ging es sanft nach Bamenda zurück, unterwegs konnten wir ein paar schöne Fotos schießen und kamen wieder einmal von weit oben in den Bamenda-Kessel eingefahren. Mit ein bisschen Stau wurden wir dann in Bamenda empfangen, in Bali waren wir aber in Null-komma-nichts (in Zahlen: 0,nix).
Das war das schöne Kumbo-Abenteuer.

Homesite


Schon in unserem Freiwilligenbuch von unseren Vorfreiwilligen stand: Beste Bar/Disco: Homesite mit DJ Mystical. Das durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen, schließlich ist Homesite direkt am Bali Center und unsere Nachbarin Ernestine hatte noch eine Cousine im Schlepptau. So ging es also mal wieder vom Regen begleitet auf ins Homesite, unsere erste kamerunische Disco. Da jeder in Bali weiß, wo das Homesite ist, hatte auch unser Okada-Fahrer keine Probleme uns dorthin zu fahren, wir wurden mit buntem flackerndem Licht und lauter Musik empfangen, und wie das in der Nähe einer Disco so ist, wurde auch hier und dort in die Büsche gepinkelt, ich fühlte mich wie zuhause. Einzig die "Kostüme" sind (für mich) ein wenig gewöhnungsbedürftig. Während in Deutschland niemals jemand mit Schlappen, weißen Socken und Shorts einen Tanzsaal auch nur anschauen würde, heißt es hier: irgendwie ist alles Style!
So kommt es dann auch, dass einige bei warmen 20° C Außentemperatur im Ruhebereich mit Wintermantel und Fellkapuze sitzen, Wintermantel muss natürlich hinterfragt werden, so etwas wie "Winter" gibt es in Kamerun nicht, wieso also nicht im Club warm anziehen?
Zu den Anziehsachen muss man noch sagen: sauber sauber! Die Discogänger putzen sich heraus, mein lieber Mann, die Schuhe glänzen, die Hosen sind sauber, die Accessoires blinken, und ich trete da ein, matschige Schuhe, matschige Hose, matschige Jacke, meine Brille voller Regen. Wie machen die das nur?
Nach einem 0,65 Liter 33er Export Bier ging es dann auf die Tanzfläche, hier wackelt ein Arsch, dort einer, eigentlich wackeln da alle, Mann sowie Frau. Und getanzt wird gerne und ausdrucksvoll, man könnte es vielleicht als Balztanz und Paarungsversuch deuten, aber es sieht insgesamt sehr gut aus und einige wollten auch „American Dance“ von mir lernen, während ein „Madman“ wie ein Flugzeug durch die Tanzfläche surrte.
Bei einigen eher ruhigen Liedern, erstarren die männlichen Tänzer, und auf einmal bewegen sich nur ihre Hüften. Das geht ordentlich in die Beine und sieht für mich doch etwas ungewohnt aus.
Ernestine wurde angetanzt wie verrückt, auch ihre Cousine konnte kaum Luft schnappen vor Männlichkeit und hier und da wollten natürlich auch ein paar mit der Weißen im Club tanzen (ihr ahnt wie auffällig unsere Hautfarbe in einem Club ist), Ernestine nahm dies meist als Antrieb, mich und Laura an sich zu reißen und mal hier und dort hauteng mit uns beiden zu tanzen. Auf die Frage „Ernestine, what should I tell my Girlfriend?“, lachte sie nur herzhaft.
Wer hätte am Ende gedacht, dass Max um halb Eins schon müde und ausgetanzt genug ist, um nach Hause zu gehen? Zugegebenermaßen war es ja aber auch schon fünf Stunden lang dunkel, das schlaucht.
Der Abend war insgesamt sehr schön, viele Lehrer waren dort, um den Teachers Day zu zelebrieren, von dem wir wiedereinmal nichts mitbekommen hatten, wir haben den netten Studenten Ramsey kennengelernt und hatten viel Spaß die halbe Nacht lang.

Matterhorn


Der Matterhorn. Er ist erklommen, der höchste Berg der Alpen. Ein kurzer Flug in die schöne Schweiz und...
Da ist Max noch größer als der "kleine" Hügel
So war die Geschichte, fast. Matterhorn wird hier ein „Hügel“ genannt, Ferdinand, unser Nachbar sagte, das wir dort eine schöne Aussicht hätten und auch den Vorfreiwilligen das Bergchen gefallen hat. Also auf, Kameras eingepackt und bei schönem Wetter losmaschiert. Ein Freund von Ferdinand, dessen Namen ich einfach nicht verstanden habe, kam gleich mit uns mit und Mensch, haben die ein Tempo drauf, mit nichts als ihren grünen Gummischlappen. Nicht weit von uns, nur 45 Minuten ist er entfernt, dann steht der doch so kleine Max auf einmal mitten auf ein paar rutschigen Steinen, links Tod, rechts Tod, unten Tod und oben ein kleines Lichtlein, wirklich ein kleines, kleines Lichtlein. Auch wenn ich ganz gerne klettern gegangen bin, so ist Höhe für mich doch nichts, nach oben schauen ja, nach unten ist aber ganz arg böse. Da ich bis jetzt aber noch nie ohne Kletterschuhe und bei Regen geklettert bin, na ihr könnt euch vorstellen, dass mein Puls mit 220 Schlägen die Minute schlug.
So gerädert sieht Max dann nach dem Aufstieg aus
Da der Aufstieg so aufregend war, konnte man die Aussicht oben angekommen aber erst richtig genießen. Max war schließlich über Bali und die ganze Savanne mit ihren Relief, Berg dort und Hügel hier, erblicken. Ein Traum, bei Sonnenschein müsste man kilometerweit schauen können.
Ich hoffe die paar Fotos machen das ein bisschen anschaulich.

Auf dem Berg aßen wir ein paar wildgewachsene Guaven, lasst die Finger davon, meine lieben Leser und Leserinnen, nur so als kleiner Tip.

Der Abstieg mit unzähligen wilden Guaven mehr, war eine schöne Rutschpartie, sich an den scharfen Gräsern festzuhalten war da noch die beste Lösung, die beiden Kinder rannten runter, ich fühlte mich mit meinen 19 Jahren alt und eingerostet.

Der Matterhorn, eine super Kurzausflug und eine unbezahlbare Aussicht!
Der Rotschopf mit Bali im Hintergrund
Da geht es ganz steil runter, dafür sieht es so harmonisch aus

Batibo


Um ehrlich zu sein, handelt es sich fast jedes Mal wenn ich von Batibo erzähle um Guzang.
Guzang ist ein kleines Dörfchen und gehört zur Subdivision Batibo, ist aber eben doch ein eigenes Dörfchen.
In Guzang findet einmal alle acht Tage einer der größten Märkte der North-West-Region statt. Menschen aus Yaoundé und Douala reisen an um hier zu verkaufen und zu kaufen. Ich empfinde den Markt als eher unangenehm, ich werde oft angesprochen und zum Kaufen „eingeladen“. Ich schlendere lieber über den Bali-Markt und kaufe dort wo es mir gefällt.

Diesmal konnten wir früh nach Guzang, noch morgens rief mich Lea an um mir zu sagen: Heute keine Schule, achja, und Montag und Dienstag auch nicht.
Sofort unseren Inspector angerufen, der uns genau das bestätigte. Warum wird uns sowas nicht früher gesagt? In fünf Tagen könnte ich bis zum Strand reisen und bin am Mittwoch wieder topfit im Unterricht.

Am Freitag fuhren wir also bei schönstem Wetter mit dem Okada die 45 Minuten nach Guzang, Laura beschwerte sich über die Fahrt auf dem Gepäckträger des Mopeds, mir gefiel die Fahrt und besonders die Aussicht total gut. Lea und Dustin warteten schon am Markt auf uns, wir kauften noch ein paar Bierchen und trotten den fünf Minuten Weg, Dustin sagt es wären fünf Minuten, in Wahrheit sind es eher 20, nach „New Town“, zu ihrem Haus. Dort warteten wir mehr oder weniger auf die Kumboianer, sieben liebe Mitfreiwillige wollten uns unbedingt besuchen kommen, Jule, Charlott, Moritz, Pauline, Nico, Julian und Martin, ein britischer Mitfreiwilliger. Mal wieder allesamt ohne Isomatten oder sonst was: Sardinenfeeling kam auf.
Der Abend war toll, es wurde Gitarre gespielt und dazu gesungen, ein paar Bierchen getrunken und geraucht, gequasselt und gequatscht. Auch ein Nachbar Lea und Dustins war kurzzeitig mit von der Partie. Gegessen wurde ein riesen Topf Reis mit Red-Groundnut-Stew, also einer roten Erdnusssoße.
Dann mal wieder Sardinenfeeling, drei Menschen in jedem Bett, vier auf dem Boden, einer auf der Couch. Da ich ja meinen Stammplatz bei Dustin im Bett habe, durfte ich diesen nun mit zwei Weiteren teilen, und ich will mich nicht beschweren, aber ich bin doch froh wenn nur Dustin und ich in diesem liegen.
Nun sollte noch Maxim aus Buea dazukommen. Und er war schon da, als ich aufwachte. Die Bettsituation lief aus dem Ruder. So entschlossen wir uns, nach der kleinen Tour durch Bamenda zu Fünft in Bali zu schlafen, das wäre kein Problem.
In Bamenda hieß es Geld abheben und Essen! Gegessen wurde in dem europäisch angehauchten Prescafe. Wir aßen Käsebrote, Thunfischsandwiches, Bruschetta, Nudelsalat und Griechischen Salat mit Olivenöl, naschten an kalorienreichen Schokokuchen und fluffigen Karottenkuchen, tranken Säfte, Smoothies und Kaffee. Dabei hauten wir gut 60€ auf den Kopf und saßen dort drei Stunden. Falls sich mal ein geschätzter Leser oder eine geschätzte Leserin nach Bamenda verirren sollte, empfehle ich das Prescafe als Zufluchtsort, ich könnte in dem Cafe leben.
In dem Cafe trafen wir gut 50 Weiße. Eine Familie machte Urlaub in Kamerun und war gerade auf der Durchreise zum Flughafen, der Sohn Benjamin bleibt wohl noch zwei weitere Wochen und wird uns am Samstag besuchen kommen, eine große Gruppe von Spaniern oder Italienern, und schließlich noch eine große Gruppe von Peacecorps-Freiwilligen aus den Vereinigten Staaten.
Da es in Kamerun schon um halb Sieben dunkel wird, gingen unsere Wege um diese Zeit auseinander, fünf nach Bali, der Rest zurück nach Guzang.
Am nächsten Tag wollten die Kumbo-Menschen auch schon wieder zurück, Regen verzerrte ein bisschen die Abreisezeit, aber sie kamen trotzdem zu einer humanen Zeit davon. Laura und ich wollten über die Public Holidays, welche wir so nebenbei mitbekommen haben, ein Muslimisches Fest wohl, in Guzang verbringen. Moritz war zu dem Zeitpunkt krank geworden und Nico blieb bei ihm, damit er nicht alleine war.

Nach Guzang zu kommen gestaltet sich sonst als eher schwierig. Besonders abends und wenn kein Markttag ist fährt eigentlich fast niemand zu dem verlassenen Plätzchen Guzang. Aber an diesem Sonntag schien das kein Problem zu sein, zwei Kameruner warteten bereits am Abfahrtsort, einer war der Lehrer der sechsten Klasse der G.S. Bali Town II, und fix wurde ein Taxi aufgefunden, welches uns direkt zum Guzang Markt brachte. Laura und ich saßen dann einmal ausnahmsweise vorne, sofort wurde gesagt, dass traditionell Männer an der Tür sitzen, da die Mitfahrer aber keine wirklich gute Argumentation lieferten blieb ich nahe dem Fahrer und Laura an der Türe sitzen, nach Guzang sollte das Taxi auch in dieser Formation fahren können.
Am Markt wurden wir auch gleich von einer netten Mami mit Pofpof und Red Beans in Empfang genommen. Für 150CFA (ungefähr 0,23€) futterten wir also noch ein paar frittierte Teigbällchen und scharfe rote Bohnen mit Soße.
Eigentlich wollten wir Pizza ohne Käse in der hauseigenen Feuerküche backen, die Vermieter von Leas und Dustins Haus kochten aber den ganzen Tag und brachten verschiedene köstliche Speisen in unglaublichen Massen zu uns, Fufu Corn mit Spinat ähnlichem Gemüse, Reis mit Red-Stew und Rindfleisch. Zum Fleisch muss man noch einiges sagen: Will man wirklich angeben, so gibt man Fleisch in die Speisen. Will man wirklich wirklich angeben, so ist es Schweinefleisch. Fleisch ist hier unglaublich teuer und auch schwierig aufzubewahren, wer also seinen Gästen eine Freude machen will, kocht mit Fleisch. Dann ist das Fleisch hier fasrig und zäh, die Rinder und Schweine werden getrieben und essen den ganzen Tag Gras. Sie sind muskulös und haben wenig Fett. So ist dann auch das Fleisch natürlicher als zuhause in Deutschland.
Das backen der Pizza wurde verschoben.

Am nächsten Tag, als es Moritz besser ging und er und Nico schon auf dem Heimweg waren, gingen wir dann alles für die Pizza einkaufen: Mehl, Tomaten, Gemüse und Chilli.
Der Teig war schnell mit Wasser, Mehl, Salz und Trockenhefe angerührt, die Tomatensoße aus frischen Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und eine klitzekleine Chilli gekocht und das Feuer mit ein paar mal pusten angefacht. Pizzableche sind in einer üblichen Feuerküche nicht vorhanden, so wurde auf einem Rost in einer Pfanne die Pizza gebacken, und sie schmeckte köstlich! Auch ohne Käse ist Pizza vollkommen essbar, durch das Selbermachen schmeckte sie wahrscheinlich dreimal so gut wie die TK-Pizza, und das rauchige Aroma des Feuers kam dann noch oben drauf.

Dann hieß es auch schon wieder Bye-Bye Guzang, das war unser langes Wochenende vom Freitag bis zum Dienstag.

Mein Hemd

Mein Hemd, ich liebe es!

Noch an diesem Dienstag fuhren wir auf direktem Wege erneut nach Bamenda, ich habe mir einen schicken Stoff gekauft und mir ein Hemd schneidern lassen. Der Stoff kostete 3600CFA, das Schneidern weitere 2000CFA. Für gute 8€ halte ich also mein eigenes und erstes Kamerunhemd in den Händen. Der Stoff ist angenehm dünn, perfekt für die Trockenzeit, trägt die Farben der kamerunischen Flagge und hat ein irres Muster, das Hemd scheint sehr gut geschneidert und sieht einfach klasse aus.
In dem Hemd fühle ich mich direkt wie ein Kameruner.

Erster Test


Und schließlich das Schlimmste am Lehrer sein: Das testen und benoten.
Der "first sequence evaluation of I.C.T." stand an. Oh mich graut es, dabei sagte ich noch in Deutschland: "Sei der Lehrer, den du immer haben wolltest", und Tests gehören einfach nicht zu meinem Traumlehrer.

In der Vorahnung, dass die meisten Kinder Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben und wir ihnen dadurch eher wenig über die Tafel oder über ausgehändigte Texte vermitteln können, das kamerunische Schulsystem aber alle sechs Wochen einen Test vorschreibt, entwickelten Laura und ich unseren ersten Test in ICT.

Das Problem ist keinesfalls, dass die Schüler dumm sind, dass sie unsere Fragen nicht verstehen oder kein Interesse an I.C.T. haben. Das Problem ist schlichtweg: wie sollst du eine schriftliche Leistungsüberprüfung machen, wenn einige Schüler nur sehr begrenzt lesen oder schreiben können?

Lesen und Schreiben wird in Kamerun in der Vorschule und in der ersten Klasse beigebracht. Besucht ein Kind nicht die Vorschule, so hat es schon einen großen Nachteil, dann kommt hinzu das das Schulsystem, so wie es mir aufgefallen ist, einfach nicht effizient ist. Die Schüler lernen viel Frontal, viel wird auswendig gelernt, so kann ein Schüler das Alphabet aufsagen und auch in der ersten Klasse schon bis 30 Zählen, wissen aber nicht wie ein Wort buchstabiert wird, oder was nach der Zahl 18 kommt.
Dann gibt es also die Kinder, die nach der ersten Klasse lesen und schreiben können, und eben diese, die die Buchstaben von der Tafel abpausen. Nun steht der Text in ihrem Buch, der Sinn bleibt ihnen aber verwahrt, wie sollen sie auch ein Wort kennen, das anders geschrieben als gesprochen wird.
So kam es das wir den Test verständlich und nachvollziehbar konstruiert haben. Die Antworten sollten einfach und nachvollziehbar sein und auch durch hören der Fragen gelöst werden konnte.
Trotzdem durften Laura und ich noch einigen Kindern beim beantworten der Fragen helfen, wir fragten sie die Aufgaben und sie sollten uns die Antwort geben, wir schrieben die Antworten hin. Wie sonst hätten sie eine schriftliche Klausur lösen können? An den Testergebnissen der anderen Fächer sieht man: Die Leser sind die besten, Nichtleser fallen gnadenlos durch.
Als letzte Aufgabe haben wir uns dann noch eine Punkteaufgabe ausgedacht, damit der Test einfach ein bisschen besser ausfällt.

Insgesamt hat mich das Testschreiben in meiner Motivation einen Lesen & Schreiben-Club zu eröffnen gestärkt. Ich denke das ist eine der sinnvollsten Projekte, die wir starten können.

Dann mal zum Test, die Fragen und darunter die Antworten:

  1. Was bedeutet I.C.T. ?
      I.C.T. bedeutet Information & Communication Technology. 3 Punkte
  2. Was ist Kommunikation?
      Kommunikation heißt Informationen zu übermitteln. 2 Punkte
  3. Benenne drei moderne I.C.T.-Geräte.
      Handy
      Computer
      Radio
      … 3 Punkte
  4. Benenne drei traditionelle I.C.T.-Geräte.
      Klingel
      Pfeife
      Trommel
      … 3 Punkte
  5. Ist der folgende Satz richtig oder falsch?
      - Informationen sind Fakten über Situationen, Personen oder einem Geschehen. Richtig
      - Mit einer Fernbedienung kannst du jemanden anrufen. Falsch
      - Eine Bank ist Technologie, weil du dich auf sie setzten kannst und nicht auf dem Boden sitzen musst. Richtig 3 Punkte
  6. Benenne drei Teile eines Computers.
      Maus
      Tastatur
      Bildschirm
      … 3 Punkte
  7. Male ein Bild eines I.C.T.-Gerätes und benenne es. 3 Punkte
    Dafür vergebe ich gerne 3 Punkte



     Insgesamt 20 Punkte

Ein von Schülern gemachter Globus! Wo
Kamerun ist haben wir schon für
euch gelöst ;) Der Hammer!
Die erste Klasse ist korrigiert, mit 15 Punkten im Durchschnitt. Dafür habe ich bei einigen Probleme das zu lesen, was sie schreiben. „Weso“ ist „whistle“, „gun“ wird als „gong“ durchgelassen und aus „technology“ wird ganz schnell „teg nologe“. Ich gebe nun absichtlich keine Fehler auf Rechtschreibfehler, die anderen Lehrer aber schon. Mittlerweile liegen hier fünf eingesammelte Haufen von Klausuren, ca. 150 Papierchen. Und das Korrigieren der eineinhalb Seiten nimmt schon einige Zeit in Anspruch, ich kann langsam nachvollziehen warum meine Deutschlehrer Zeit für die Korrektur brauchten, danke für eure Geduld.
Schade finde ich es, dass ich keinen grünen Stift zum Korrigieren gefunden habe, wie meine Mutter das immer tut, ich korrigiere leider mit dem bösen Rot wie alle bösen Lehrer oder mein Rechtschreibprogramm.

Liebste Grüße an euch Lieben!


Donnerstag, 5. September 2013

„Je ne parle pas le francais"

Da Paul ja noch da war und unser Chef Patrick uns irgendwann Bafoussam zeigen wollte, entschieden wir vier uns, die kurze Reise aufzunehmen und nach Bafoussam zu fahren. An der Hauptstraße trafen wir einen netten Studenten, da die meisten Taxis vom Zentrum Balis losfahren und in Njenka, unserem Einstiegsort, schon voll sind, fuhr er kurz mit einem Okada (ein Motorradtaxi) ins Zentrum und besorgte ein Taxi für uns alle. Angekommen am Hospital Roundabout in Bamenda, der Ein- und Ausstiegstelle für alle Fahrten in die Umgebung, fuhren wir dann mit Student zur Bamenda Busstation, es gießte in strömen und der Student bezahlte nicht nur die Taxifahrt, sondern zeigte uns auch den Ticketschalter und unseren Bus nach Bafoussam.

Wir wurden „gewarnt“, wir sollten auf die Interaktion und Umgehensweise mit Fremden aufpassen. In großen Städten dreht sich viel um Geld, und Weiße werden durch Fernsehen und Medien immer als reich dargestellt. Der Warnung nach freunden sich deshalb einige mit dir an, um Gegenleistungen zu sehen, geben dir ein Bier aus, um zwei zurückzubekommen und so weiter.
Das Gefühl hatte ich bei dem netten Studenten ganz und gar nicht, er hat uns nicht nach unseren Namen, Adressen oder Handynummern gefragt, wollte keine Gegenleistung und war total erfreut uns und unsere Geschichte zu hören. Es blieb bei einem netten Tschüss und er wünschte uns eine schöne Reise.

Die Reise in dem öffentlichen Bus war … sagen wir es knackig ;) Es regnete immer noch, das tat dem Überfahren der Schlaglöcher mit ungefähr 120 km/h aber keinen Abbruch. Drei Stunden sollte die Fahrt durch die Berge, über schöne Landschaften und durch einigen Polizeikontrollen dauern, in guten zweieinhalb standen wir inmitten Bafoussam. Und diese zweieinhalb Stunden reichen schon und ich verstehe kein Wort mehr. Jetzt heißt es zu den unzähligen Straßenverkäufern nicht mehr „No, thank you“ sondern „No, merci“. Lea war mir so nett und brachte mir „Je ne parle pas le francais“, also „Ich spreche kein französisch“, bei. Selbst die Fahrt zum King's Palace zur Pauls Wohnung hätte ich wahrscheinlich nicht arrangieren können.
(Das Blödeste was mir mit dieser Sprachbarriere passiert ist, ist wohl das Antworten mit „Bonjour“ auf „la belle blanche“ … der Kerl hat komisch geguckt ;) )

Hunger macht erfinderisch, also gab es zum Abend Baguette belegt mit gebratenen Spaghetti in Ei, welches wir so auch am Busbahnhof von Bamenda gesehen hatten. Dazu noch Avocadocreme und Streichkäse. Getrunken wurde Tee oder Wasser aus dem Wasserfilter.

Pauls eigene Treppe


Und irgendetwas von dem da oben genannten (ich vermute mal die Avocado!!!) lies mich den nächsten Tag lange lange schlafen, ich war krank. Mit Übelkeit und ohne Power verbrachte ich meine ersten Krankheitstag in Kamerun in Pauls Bett in einer fremden Stadt mit einer fremden Sprache. Bafoussam sammelte Unsympathien, eine Menge negative Punkte die sich dort anhäufen.
Patrick bewertete meine Bettlägerichkeit mit einem lachenden „Welcome to Cameroon, hehe“.
Das war auch schon alles was ich von diesem Donnerstag mitbekommen habe, ich hab gepennt und gepennt.
Am Freitag sollte es dann zurück nach Bali gehen, der Elektriker sollte kommen und wir bekamen selber Besuch. Extra früh aufgestanden, extra schnell gefrühstückt, extra schnell am Busbahnhof gewesen für: eine Stunde warten am Bahnhof. Der Bus kommt eben dann wenn er kommt, bin ich in Eile und verhalte mich hektisch und genervt, dann kommt er eben noch eine halbe Stunde später. Man lernt eine gewisse kamerunische Ruhe lernen und lieben, auch eine Stunde stehen machen mir mittlerweile gar nichts mehr (und ich bin erst zwei Wochen hier!!!).
Dann die ganze Strecke zurück, mit 23 Leuten, davon vier Kleinkinder, über die Polizeikontrollen, die Landschaft, die Berge, den Busbahnhof in Bamenda, Hospital Roundabout und Njenka. Da sitzen sie schon, vier Besucher aus Kumbo. Wenn ich mich recht erinnere, dann standen da eigentlich nur drei, Charlotts Okadafahrer war übereifrig und brachte sie angeblich direkt zu unserem Haus. Wo war Charlott also, so ganz ohne Handy und Ahnung wo was ist in Bali?
Sie war wirklich bei uns zuhause, der Okadafahrer war so nett und hat sie direkt vor unserem Haus abgestellt.
So hatten wir also schön Besuch von Pauline, Jule, Moritz und Charlott, tranken ein bisschen Bier und Wein, aßen gemeinsam und ließen den Abend gemütlich mit unserer Nachbarin Ernestine ausklingen.
Lecker Frühstücken, auf dem größten Tisch der Welt, der Boden. In der Cola-Flasche ist nebenbei Honig!


Lea und Lauri waren so froh über diesen Besuch, dass auch sie sich einen Tag im Bett freinahmen. „Welcome to Cameroon, hehe“ sagte Patrick mal wieder... jaja willkommen, ich bin doch schon daha!

Dann nimmt man sich eben zwei andere Mädels, nämlich Pauline und Jule, und zeigt denen Bali. Dort ist der Markt, hier das Zentrum, hier ist der Palast des Fons.

Was ist ein Fon? Ein Fon (woher der Name kommt weiß ich gar nicht genau...) ist der traditionelle „König“ einer Kulturgruppe. Noch vor wenigen hundert Jahren gab es einen großen Bürgerkrieg in Kamerun, die Balianer ergriffen die Flucht und suchten eine neue Region. Eine Frau namens Nanyonga führte ihr Volk dann zu dem Feld, wo heute der Palast des Fons von Bali steht. Dort wurde Bali gegründet und der jetzige Fon ist der fünfte. Dieses Chiefdom (so heißt es, auch Fondom) ist stark respektiert und wird deshalb auch vom Staat und der Regierung akzeptiert und als Gewalt benutzt. Ein Volk hört auf seinen Fon und seine Anweisungen.

Immanuel, der Rezeptionist des Fons führte uns kurzerhand durch den Palast und erklärte uns die Verhaltensweisen im Palast. Mit Flip-Flops reinzugehen ist zum Beispiel nicht erlaubt, um zum Fon zu gelangen muss man ihn erst durch Klatschen seine Aufmerksamkeit erlangen und in der Anwesenheit des Fons läuft man gebückt,bis er einen gestattet gerade zu laufen.
Darauf erzählte uns Immanuel, den wir anrufen müssen, falls wir mit dem Fon sprechen möchten, kurz die Geschichte Balis und die Funktionsweise der traditionellen Gewalt.

Am Dienstag kam Patrick, um mit uns die zukünftigen Projekte und unseren Stundenplan mit uns zu besprechen. Dazu mehr im nächsten Post.
Darauf ging es zur Vorstellungsrunde an den sieben Schulen und einigen wichtigen Autoritäten.
Die Vorstellungen liefen alle ungefähr so ab: Wir sind die neuen Freiwilligen, Laura und Max, das ist Lea, sie wird in Batibo leben und arbeiten, und eine kurze Vorstellung der angepeilten Projekte. Vier Schulen in Njenka und im Zentrum Bali wurden abgeklappert, der Bürgermeister war nicht anzutreffen, also stellten wir uns beim Sekretär vor, dann der Zuständige für die Grundschulen und Mittelstufen, den Inspector of basic education. Er hatte sich gedacht, dass wir doch auch an der Schule unterrichten könnten, an der er selbst als Kind war, also fuhren wir ca. 15km auswärts, immer noch in Bali, um seiner Schule und den Lehrern vorgestellt zu werden. Und die Lehrer waren froh, das kann ich euch erzählen. Zuerst wussten sie nicht recht, was sie mit den drei Weißen machen sollen, als sie dann hörten, wir würden zukünftig auch an ihrer Schule unterrichten, fingen sie an zu singen und zu rufen. In ihren Augen konnte man ernsthafte Freude sehen, sie begrüßten uns herzlich mit Handschlag und Danken. Auch der Direktor der Schule war sprachlos als er von uns erfuhr. Das war ein schönes Gefühl, so nett und freudig empfangen zu werden. Da dürfen wir jetzt also jeden Freitag hin, die Fahrt wird uns zum Glück bezahlt.
Nach einem netten Bier mit dem Inspector und einem Direktor einer anderen Schule um 12 Uhr fuhren wir wieder zurück nach Bali Zentrum.
Die Schultour war aber noch nicht vorbei und als wir dann ziemlich kaputt und müde zu Hause ankamen, hatten wir am Donnerstag noch zwei weitere Schulen und den zuständigen Politiker für Bali vor uns.

Am nächsten Tag, etwas verregnet und grau, ging es dann zu Regierungsschule in Njenka. Und das Njenka größer ist als gedacht, erfuhren wir über den ca. 20 Minuten langen Fußmarsch durch den Urwald durch. Diese Schule steht auf einem Plateau mit herrlicher Aussicht, der Schulleiter ist sehr nett und offen für uns. Wir wurden natürlich gleich wieder allen freudig vorgestellt, lernten Lehrer und Schüler kennen und eine Lehrerin hätte für mich sogar eine Tochter zum heiraten. Alles ist abgesichert hier ;) (Kuss an Caro!)
Die letzte Schule, mit sehr jungem Schulleiter hat mir bis jetzt am besten gefallen, alle Kinder kamen raus, stellten sich auf den Hof in Reih und Glied, begrüßten uns mit Gesang und Tanz. Und das alles komplett spontan.
Der zuständige Politiker, der Subdivisional Officer of Bali Subdivision (D.O.), war leider in einer Besprechung und hatte erst am nächsten Tag um 10 Uhr Zeit für uns. Nach Hause, Schlafen, Aufstehen und wieder zu viert auf einem Okada zum D.O.
Und dann das: Der Politiker erzählt uns kurz und knackig über das politische System Kameruns, seine Rolle, die Rollen der anderen Autoritäten, des Fons, eine kurze Geschichte, sichert und Unterstützung und Sicherheit zu, nebenbei Smalltalk und ein paar Handyanrufe. „Life is easy, why should I make it difficult?“. So ungefähr seine Lebenseinstellung. Er sagte uns wir sollen Spaß haben, Bierchen trinken, wenn uns Bierchen angeboten werden, Tänzchen tanzen, wenn wir tanzen wollen, lud uns ein, in seinem Haus zu speißen an einem wichtigen Tag in Bali (welcher, kann ich nicht ganz reproduzieren), fragte uns ob wir denn nicht einen netten Kameruner oder Kamerunerin heiraten wollen, und wenn wir für immer in Bali leben wollen, so sollen wir das gerne tun.
Zusätzlich gab er uns seine Nummer, und die Nummern von Polizei und der Brigade. Wenn irgendetwas sein sollte, sollen wir ihn oder die ihm Untergestellten anrufen und es wird geklärt.
Der Ba D.O. ist meiner Meinung nach eine super nette Person, mit der ich gerne gesprochen habe und froh bin, mich ihm vorgestellt zu haben.

Ba D.O. Es gibt in Kamerun „Respekttitel“ wie Herr und Frau in Deutschland. Besonders ältere Personen werden mit Ni und Ma angesprochen. Also Ma Laura und Ni Max. Noch mehr Respekt zollt man Personen indem man ein Ba vor ihren Namen setzt, in dem Fall also Ba Kamara Divine Kamara. Aber auch Aunt Laura und Uncle Max sind ein Zeichen des Respekts und werden besonders von Kindern gebraucht.

Noch in dem Büro des D.O. kamen eine Peacecorp-Freiwillige und eine Mami (Mamis sind alle älteren Damen) dazu und der D.O. erzählte ihnen ungefähr das gleiche. Diese Freiwillige kommt aus den Vereinigten Staaten von Amerika und ist eine ehemalige Lehrerin, also auch schon eine Mami. Sie wird in Zukunft in einer Bank arbeiten, weiß aber auch noch nicht so recht, was und wie.
Carter, das ist ihr Name, ist jedenfalls sehr nett und wohnt sogar in unserer Nähe.

Wir fuhren dann auch gleich mit den beiden Mamis mit und versuchten uns bei Polizei und Brigade vorzustellen, die wichtigen Personen waren aber jeweils nicht anzutreffen.
Schon ist ein Tag vorbei und man sitzt in seinem Haus und wartet auf den Elektriker und das fließende Wasser. Patrick hat uns zugesichert, dass das Wasser „very, very soon“ zum laufen gebracht wird. Wir haben jedenfalls für heute unsere Vorräte aufgebraucht und warten nun auf unsere Nachbarin, die uns mal wieder dabei hilft an Wasser zu kommen. Das nimmt schon einiges der Energie in kauf, sich um Wasser zu kümmern. Unser Gesammeltes Wasser verstauen wir in 1,5Liter PET-Flaschen. Das ist der einfachste Weg viel Wasser handlich aufzubewahren, zeigt aber auch an den leeren Flaschen, wieviel man täglich wirklich verbraucht, und das ist eine Menge. Mittlerweile kann ich schon mit einer Hand voll Wasser duschen und mit einem halben Liter zwei Liter Suppe zaubern, macht mir das mal einer nach ;)

Das waren die Erlebnisse der letzten Tage, wir warten jetzt noch auf Besuch von Pauline, Jule und Charlott, um dann morgen im geliebten Bafoussam Jamilas Geburtstag zu feiern.

Ich hab einen Post ergänzt, den ich eigentlich schon länger schreiben wollte und versuche jetzt noch die alten Posts mit Bildern zu bestücken.

Ich hoffe euch geht es allen gut, mir geht es Bombe hier ;)